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Es wird Veränderung geben

Anfang April lud der Österreichische Apothekerverband seine Mitglieder zum Zukunftskongress ein. Damit soll der Weg in die Zukunft der Apotheke geebnet werden. (Pharmaceutical Tribune 07/2018)

Verbandspräsident Rehak leitete die Diskussion um das neue Rollenbild, Vizepräsident Veitschegger (re. oben) den Workshop zur Primärversorgung. Über 300 Kongressteilnehmer nahmen regen Anteil.

Der Beginn war mysteriös. Die 317 Teilnehmer waren „in die Umgebung von Krems“ eingeladen und dort auf verschiedene Hotels verteilt worden. Busse holten sie am 6. und 7. April von dort ab und brachten sie an die bis dahin streng geheimen Veranstaltungsorte. Schon die erste Location am Freitag sorgte für Überraschung. Es war das Atomkraftwerk Zwentendorf. „Zukunft ist unwägbar, niemand weiß, was Zukunft bringt, und wenn man sich schon in einen Zukunftsprozess hineinbegeben will, dann muss man sich auch einer Umgebung stellen, die man bis dahin nicht kennt“, kommentierte Apothekerverbandspräsident Mag. Jürgen Rehak, anlässlich eines Pressegesprächs die Wahl dieses Ortes. Bei frischen 13 °C begann der Kongress – die Heizung war ausgefallen. Die kühlen Temperaturen und die Umgebung des stillgelegten Atomkraftwerks symbolisierten die Vergangenheit der Apotheke. Der zweite Schauplatz am Samstag war das Stift Göttweig. Mit seiner prächtigen Lage und dem herrlichen Ausblick versinnbildlichte es die Zukunft der Apotheke.

Rollenbilder neu definiert

Strategieberater Univ.-Prof. Dr. Werner Hoffmann, WU Wien, begleitete die Vorarbeiten für diesen Kongress. Vorab wurde eine Expertenbefragung durchgeführt, bei der zunächst die Situation der Apothekerschaft analysiert wurde. Auf Basis dieser Analyse wurden schließlich die Themenfelder für eine breit angelegte Mitgliederbefragung zu Jahresbeginn definiert. Unmittelbar auf dem Kongress wurden Fokusgruppen gebildet und die zuvor priorisierten Themen im Rahmen von Workshops ausgearbeitet. So definierten sich z.B. im Workshop „Rollenbilder“ die Apotheker als Medikationsbegleiter, die in einer standardisierten und dokumentierten Art und Weise gewährleisten, dass die Arzneimittelabgabe sicher und sinnvoll ist.

Jede Apotheke soll künftig außerdem Medikationsanalyse als qualitätsgeprüfte Zusatz-Beratungsleistung anbieten, die auch entsprechend honoriert werden soll. Des Weiteren wird die Apotheke als wegweisende Erstanlaufstelle betrachtet. „Wir werden mit vielen Dingen konfrontiert, die nur wenig mit Arzneimitteln zu tun haben“, so Rehak. Kein Wunder also, dass sich die Apotheker als Ansprechpartner für Befindlichkeitsstörungen, aber auch für ernste gesundheitliche Probleme sehen. Durch ihren niederschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem nehmen sie eine Nahtstellenfunktion ein. Außerdem betrachten sich die Apotheker als umfassende Gesundheitsdienstleister. Sie unterstützen zusätzlich die Kommunikation zwischen den Heilberufen, mit dem Ziel, qualitativ hochwertige und ökonomisch sinnvolle Versorgungskonzepte zu schaffen.

Gesundheitsnetzwerke

Beim Workshop „Gesundheitsnetzwerke“ sollten die Teilnehmer ausarbeiten, wo sie sich im Rahmen der integrierten Versorgung sehen. „Sie kennen alle die Grafik des Hauptverbandes, wo der Apotheker an den Rand gedrängt ist“, kommentierte Mag. Thomas Veitschegger, 1. Vizepräsident des Apothekerverbandes, die Ausgangssituation. „Die Apothekerschaft ist in diesem Fall schon sehr viel weiter als die Politik.“ So sehen sich Apotheker als fixen Bestandteil von integrierten Versorgungskonzepten, die sich mit ihrem fachkompetenten Leistungsspektrum aktiv in das Primärversorgungsnetzwerk einbringen wollen. In der Umsetzung bedeutet das, dass Apotheker verpflichtende, standardisierte und qualitätsüberprüfte pharmazeutische (Beratungs-)Leistungen erbringen, die im Einklang mit den anderen Gesundheitsdienstleistern maximal auf die individuellen Patientenbedürfnisse abgestimmt sind. Diese Leistungen müssen entsprechend honoriert werden. Auch in Disease Management Programmen wollen die Apotheker eine verpflichtende Leistung anbieten. Die pharmazeutischen Kernkompetenzen, kombiniert mit dem flächendeckenden Apothekennetzwerk, bieten dafür die optimalen Rahmenbedingungen.

Digitalisierung als Chance

„Die Apotheken werden sich der Digitalisierung nicht entziehen können“, kam Rehak zum Inhalt des gleichnamigen Workshops. So stärkt Big Data das Leistungsspektrum der Apotheken. In Zukunft sollen zentral aufgesetzte E-Health-Services das Rückgrat zeitgemäßer und qualitätsgesicherter Gesundheitsdienstleistungen der Apotheken sein. Eine lückenlose Dokumentation der erbrachten Leistungen soll Transparenz garantieren und die Sicherheit im Umgang mit Arzneimitteln erhöhen. Gleichzeitig soll auch eine gemeinsame Online- Plattform geschaffen werden. Rehak: „Der Apothekerverband wird sich nicht in das Thema Arzneimittelversand hineinreklamieren.“ Vielmehr sollen die öffentlichen Apotheken vor allem über mobile Devices und Apps für ihre Kunden erreichbar sein und ein digitales Portfolio anbieten. Über die gemeinsame Plattform soll die Möglichkeit der Zustellung bzw. Abholung von Arzneimitteln gegeben sein. Angedacht ist aber ein Versand von Kosmetika und anderen apothekenspezifischen Produkten. So konnten sich 98 Prozent der Teilnehmer vorstellen, mit ihrer Apotheke an einer solchen Online-Plattform teilzunehmen.

Wie geht es weiter?

Dem Zukunftskongress sollen die nächsten Schritte folgen. Demnächst sollen die ersten Teilschritte diskutiert und die ersten Beschlussvorschläge erstellt werden. Geplant ist, das ambitionierte Programm bei der Generalversammlung im Herbst endgültig zu beschließen. Warum der Beschluss erst im Herbst erfolgen wird, erklärt Rehak mit der Vereinsstruktur des Apothekerverbandes, betont aber, dass der gesamte Prozess transparent und zügig umgesetzt werden soll. Für Rehak steht fest: „Es wird Veränderung geben.“

Zielbild Apotheke 2025

  1. 2025 sind Apothekerinnen und Apotheker nicht nur Medikationsbegleiter mit qualitätsgesicherter Beratungsstruktur, sondern auch umfassende Gesundheitsdienstleister und nehmen eine unverzichtbare und niederschwellige Nahtstellenfunktion als wegweisende Erstanlaufstelle im Gesundheitssystem ein.
  2. 2025 sind Apotheken fixer Bestandteil der integrierten Versorgung und werden für ihre fachkompetente Leistung in Gesundheitsnetzwerken und integrierten Versorgungskonzepten auch entsprechend honoriert.
  3. 2025 verfügen Apotheken über eine sichere zentrale Serverstruktur, um Big Data optimal für sich und ihre Kunden zu nutzen.
  4. 2025 ist die digitale Plattform der Apotheken etabliert, die es ermöglicht, die Anliegen und Bedürfnisse der Kunden sowohl stationär als auch digital zu erfüllen und bestmöglich zu versorgen.

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