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500 Millionen Euro Einsparpotenzial

Immer mehr Biosimilars drängen in Europa auf den Markt.

In den nächsten fünf Jahren könnten durch die verstärkte Nutzung von Biosimilars bis zu 500 Millionen Euro eingespart werden. Bisher werden 88 Prozent des Biosimilars-fähigen Marktes nicht ausgeschöpft. (Pharmaceutical Tribune 10/19)

In Österreich sind derzeit 33 Biosimilars für 13 Referenzprodukte auf dem Markt. „88 Prozent des Biosimilars- fähigen Marktes werden derzeit noch nicht ausgeschöpft“, erklärte Dr. Sabine Möritz-Kaisergruber, Präsidentin des Biosimilarsverbandes Österreich (BiVÖ), anlässlich einer Pressekonferenz. So stieg der Umsatz von Biosimilars im Krankenhaus von 2016 auf 2018 rapide an (plus 88 Prozent). Im niedergelassenen Bereich herrscht laut Möritz-Kaisergruber hingegen noch Handlungsbedarf.

Studie zeigt Einsparpotenzial

Biosimilars sind „der Schlüssel für signifikante Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem in Österreich“, fasste Dr. Martin Spatz, Geschäftsführer von IQVIA, zusammen. So sind Biologika (exkl. Biosimilars) im niedergelassenen Bereich für einen Umsatz von 461 Millionen Euro verantwortlich und summieren sich bei 1,8 Millionen Einheiten (2018). Mit Biosimilars wurde hingegen ein Umsatz von 31 Millionen Euro und 124.000 Einheiten (2018) erzielt. Im Krankenhaus sorgen Biologika für einen Umsatz von 418 Millionen Euro bei einer Million Einheiten (2018), während Biosimilars bei 105.000 Einheiten einen Umsatz von 48 Millionen Euro verursachen. Da bis 2023 insgesamt 12 Biologika ihr Patent verlieren und zahlreiche neue Biosimilars auf den Markt kommen werden, ergibt die Prognose der IQVIA-Experten für die kommenden fünf Jahre ein Einsparpotenzial von 500 Millionen Euro. So errechneten sie für den niedergelassenen Bereich ein Sparpotenzial von 383 Millionen Euro und für den Spitalsbereich eines von 87 Millionen Euro. Spatz: „Diese Berechnung ist konservativ – vermutlich werden es mehr sein.“

Forderungen an Hauptverband und Politik

Angesichts dieser Zahlen forderte Möritz-Kaisergruber, die derzeit noch zeitlich begrenzte Preisregelung für Biosimilars in Dauerrecht zu übernehmen. Nur so könne Planungssicherheit für die Industrie geschaffen und ausreichend Anreize für die Verwendung von Biosimilars geschaffen werden. Weiters forderte sie vom Hauptverband auch mehr Transparenz. So seien in den letzten Jahren immer mehr Biosimilars mit sogenannten Preismodellen in den Erstattungskodex aufgenommen worden. Der verschreibende Arzt sehe im Ökotool allerdings nur einen Preis und dahinter ein PM in einer Klammer. „Das ist für Biosimilars eine ziemliche Eingangshürde, denn wie soll man argumentieren, dass man eine günstigere Alternative bietet, wenn man nicht weiß, was sein Vergleichspräparat tatsächlich kostet?“ Ein weiteres Argument ist, dass der Hauptverband in den letzten Jahren begonnen hat, Produkte aus dem gelben in den grünen Bereich überzuführen, um weitere Preissenkungen zu erreichen.

Verordnungsquoten und Rezeptgebühr

Bei Gleichpreisigkeit – also ab dem 3. Biosimilar am Markt – fordert Möritz-Kaisergruber eine Biosimilarsförderung, da Österreich das niedrigste Preisniveau Europas hat und so die Gefahr von Parallelexporten besteht. „Wenn Biosimilars nur genutzt werden, um den Preis des Originalanbieters nach unten zu bringen, dann aber nicht verwendet werden, dann wird es auch absehbar sein, dass ein oder mehrere Biosimilars den österreichischen Markt auch wieder verlassen werden“, so die Expertin. Sie wünscht sich daher Verordnungsquoten für Biosimilars und eine reduzierte Rezeptgebühr.

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