Home / Medizin / Medizin / Ö: Infektionszahlen wieder stabil, aber hoch; höheres Risiko für schweren COVID-19-Verlauf bei Neandertaler-Genvariante

Ö: Infektionszahlen wieder stabil, aber hoch; höheres Risiko für schweren COVID-19-Verlauf bei Neandertaler-Genvariante

++ Update 5.10.2020 – Anschober: Zahlen wieder stabil, aber viel zu hoch – Neandertaler-Genvariante erhöht Risiko für schweren Verlauf – STIKO dämpft Erwartungen an Impfung – Keine Durchimpfung der Bevölkerung in Großbritannien – Forscher: Koordiniertes Vorgehen hilft bei COVID-Bekämpfung ++

  • Die Zahl der bisher positiv Getesteten in Österreich ist bis heute (Stand 12 Uhr) auf 49.017 gestiegen, aktuell erkrankt sind 8.984 Personen, davon befinden sich 387 auf der Normalstation in Krankenhäusern und 101 auf der Intensivstation. Bei der Zahl der aktuell Erkrankten liegt Wien mit 4.515 Fällen an erster Stelle, gefolgt von Niederösterreich mit 1.196, Oberösterreich mit 948 und Tirol mit 751. Es wurden 818 Todesfälle wurden gemeldet, 795 davon gemäß Epidemiegesetz bestätigt.
  • 714 Corona-Neuinfektionen bei 12.505 Testungen für die vergangenen 24 Stunden: „Im Gegensatz zum Samstag (mit über 1.000 Neuinfektionen, Anm.) sind das heute wieder stabilisierte Zahlen, wie sie seit dem 20. September vorliegen. Allerdings sind diese Werte nach wie vor deutlich zu hoch, wir müssen runter mit den Zahlen. Daran arbeiten wir mit aller Kraft“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zu den aktuellen Infektionszahlen vom Sonntag.
    Die stärksten Zuwächse kamen wieder aus Wien (249), Niederösterreich (134) und Oberösterreich (127). Die Zahl der „aktiven Fälle“ sei mit aktuell 8.704 „seit zwei Wochen relativ konstant“, resümierte der Ressortchef. Der Reproduktionsfaktor blieb wie seit Tagen „bei relativ erfreulichen 0,99“. Ein Infizierter steckt demnach im Schnitt geschätzt 0,99 weitere Personen an.
    Beim Blick ins Ausland seien die stark steigenden Infektionszahlen in vielen Teilen Europas auffallend, sagte Anschober. Im Nachbarland Tschechien etwa habe der Wert der Sieben-Tages-Inzidenz nach einem Tagesplus von 3,3 Prozent bereits 150 überschritten, für Österreich liege der Wert bei 58,5. Die Sieben-Tages-Inzidenz gibt an, wie viele Personen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Virus angesteckt haben.
    Ungarn setzte mit plus 3,8 Prozent und die Slowakei mit plus 6,1 Prozent die ebenfalls starken Steigerungen fort, so der Minister. Auch die Niederlande (plus drei Prozent) und Belgien (plus 2,7 Prozent) würden wie Großbritannien (plus 2,7 Prozent) weiterhin starke Zuwächse verzeichnen. Österreich liege mit heute, Sonntag, bei einem Plus von 1,5 Prozent. (APA)
  • In diesem Sommer ergab eine groß angelegte internationale Studie, dass eine Gruppe von Genen auf Chromosom 3 mit einem höheren Risiko verbunden ist, im Falle einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt und künstlich beatmet werden zu müssen. Hugo Zeberg und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben den Gencluster nun analysiert. Sie haben entdeckt, dass die DNA-Sequenz in der Variante des Genclusters, das mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 verbunden ist, den DNA-Sequenzen eines etwa 50.000 Jahre alten Neandertalers aus Kroatien sehr ähnlich ist und von Neandertalern stammt. „Es hat sich herausgestellt, dass moderne Menschen diese Genvariante von den Neandertalern geerbt haben, als sie sich vor etwa 60.000 Jahren miteinander vermischten“, sagt Zeberg. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher.“
    Die Studie zeigt auch erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Verbreitung dieser genetischen Risikovariante in verschiedenen Teilen der Welt. Besonders häufig findet sie sich bei Menschen in Südasien, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung die Neandertaler-Variante im Genom trägt. In Europa hat einer von sechs Menschen die Risikovariante geerbt, während sie in Afrika und Ostasien so gut wie gar nicht vorkommt. Die Studie liefert jedoch keine Erklärung dafür, warum Personen mit dieser Genvariante ein höheres Risiko haben. Dies soll nun so schnell wie möglich erforscht werden. (Deutsches GesundheitsPortal)
  • Mitglieder der Ständigen Impfkommission in Deutschland dämpfen die Erwartungen an eine Impfung gegen das Coronavirus. In den ersten Monaten nach der Zulassung sei ein Impfstoff nur in begrenzter Menge verfügbar, sagten mehrere Virologen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.
    Zudem würden viele Monate vergehen, bis genügend Bürger geimpft seien, um Maßnahmen wie die Maskenpflicht oder Abstandsregeln aufzuheben. Bis in Deutschland wieder ein normales Leben möglich sein werde, könnten eineinhalb bis zwei Jahre vergehen, schätzte einer der Mediziner. (APA/Reuters)
  • In Großbritannien sollen einem Zeitungsbericht zufolge nur gefährdete Personen mit einem Coronavirus-Impfstoff geimpft werden. „Es wird keine Impfung von Menschen unter 18 Jahren geben. Es ist ein Impfstoff nur für Erwachsene, für Menschen über 50 mit Schwerpunkt auf Mitarbeitern des Gesundheitswesens und im Pflegedienst sowie für Risikogruppen“, sagte die britische Vorsitzende der Impfstoff-Task Force, Kate Bingham, in einem Interview der „Financial Times“ (Montagsausgabe).
    Das entspreche rund 30 der 67 Millionen Einwohner. Eine Durchimpfung der britischen Bevölkerung würde „nicht passieren“. Massenimpfungen seien die falsche Herangehensweise, da die Impfung bei gesunden Menschen, die wahrscheinlich keinen schweren Krankheitsverlauf zeigten, mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte, so Bingham weiter. Großbritannien verzeichnet mit bisher über 42.300 Todesfällen die höchste Zahl an Todesopfern in Europa, insgesamt sind bereits über 500.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (APA/Reuters)
  • Ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen und Gesundheitsbehörden ist einer Studie zufolge ein wichtiger Schlüssel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dort, wo Regierungen und Behörden auf regionaler und nationaler Ebene zur Eindämmung von Corona-Ausbrüchen gut zusammengearbeitet hätten, sei die Bekämpfung am effektivsten gewesen, wie Forscher der Kingston University in London herausfanden.
    Deutschland schnitt in der Beurteilung der Forscher positiv ab. Die Politik habe früh reagiert und auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Experten zusammengearbeitet. Als Folge sei die Zahl der Todesfälle – wenngleich sie in den Tausenden liege – deutlich kleiner als etwa in Großbritannien. Für ihren Bericht hatten die Forscher verglichen, wie die Regierungen in acht verschiedenen demokratischen Ländern – darunter Großbritannien, die USA und Deutschland – auf den Ausbruch der Corona-Pandemie reagiert haben, also etwa welche politischen Entscheidungen getroffen oder nicht getroffen wurden und wie dies den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflusst hat.
    Länder wie Taiwan, das durch das SARS-Virus bereits Erfahrungen mit Epidemien hatte, hätten durch gezielte Maßnahmen recht erfolgreich reagiert, so ein weiteres Ergebnis der Analyse. Ähnliches gilt für Bulgarien, wo bereits bei Grippeausbrüchen in den vergangenen Jahren zeitweise Schulen geschlossen wurden.
    Die Bundesrepublik habe von ihrem robusten Gesundheitssystem und einem frühen Einschreiten profitiert. So seien etwa rechtzeitig Tests entwickelt und gelagert worden. „Als die ersten Ausbrüche auftraten, waren die Regierung und die Gesundheitsbehörden direkt in der Lage, Tests durchzuführen“, sagte der Politologe und Projektleiter Peter Finn über Deutschland. Für die beginnende zweite Welle riet Finn Entscheidungsträgern daher, sich gut abzustimmen und klar zu kommunizieren: „Ohne koordinierte Reaktionen von Entscheidern auf verschiedenen Ebenen und einer Öffentlichkeit, die zuhört, wachsen die Fallzahlen exponentiell.“ (APA/dpa)

Was seit Februar geschah. Zur Nachlese

LOGIN