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Die Apotheken sollen impfen

Wohl kaum ein pharmazeutisches Thema bewegt zurzeit so sehr wie das Impfen. Erstens, weil die Nachfrage nach der Grippeimpfung im Vergleich zu den Vorjahren sprunghaft angestiegen ist. Auch wenn uns das in den Apotheken vor einige Herausforderungen stellt, ist das eine erfreuliche Entwicklung. Zeigt dieser Run doch, dass die Menschen für das Thema sensibilisiert wurden und Schutzimpfungen gegenüber aufgeschlossener sind. Die Lage ist zwar aktuell noch etwas unübersichtlich, ich hoffe aber, dass sich die Situation entschärfen wird. Die Grippesaison hat noch nicht begonnen und dauert bis in das Frühjahr, es muss also nicht jede Impfung schon jetzt durchgeführt werden. Auch im Dezember ist noch Zeit dafür und dann wird sich die Situation entspannt haben.

Mag. Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes

Zweitens ist das Thema auf die politische Agenda gerückt. Die Coronakrise hat uns die Dringlichkeit einer generellen Steigerung der Durchimpfungsraten drastisch vor Augen geführt. Und ist einmal ein Vakzin gegen Covid-19 verfügbar, wird es großer Anstrengungen bedürfen, die Bevölkerung schnellstmöglich zu immunisieren. Dabei stellt sich die Frage, wie man diese Aufgabe am besten löst.

Will man eine große Anzahl an Menschen rasch impfen, braucht es ein flächendeckendes Angebot. Dass dafür die Apotheken ins Auge gefasst werden ist logisch und sinnvoll. Sie sind für die Verabreichung von Impfungen prädestiniert. Die Apothekerinnen und Apotheker bringen mit ihrem pharmazeutischen und gesundheitlichen Wissen die fachlichen Voraussetzungen mit. Zudem haben die rund 1.400 Apotheken in Österreich einen entscheidenden Vorteil: Sie sind im gesamten Bundesgebiet rasch erreichbar und können Impfungen ohne lange Wartezeiten anbieten. Der Weg zum Arzt (für die Verschreibung), in die Apotheke (für die Abholung des Impfstoffes) und zurück zum Arzt (für die Injektion des Impfstoffes) würde entfallen. Langfristige Terminvergaben wären nicht notwendig. Wie man schon in anderen Ländern sieht: Durch die Vereinfachung des Zugangs, erhöht sich die Bereitschaft sich impfen zu lassen. Beispiel Frankreich: Hier dürfen Apothekerinnen und Apotheker seit letztem Jahr Grippeimpfungen verabreichen. Bereits in der ersten Influenzasaison wurden 2,3 Millionen Menschen in Apotheken geimpft – mehr als ein Viertel aller Grippeimpfungen wurden in der „pharmacie“ durchgeführt.

Es spricht also alles dafür, die Apothekerinnen und Apotheker hier an Bord zu holen. Es muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden, die Durchimpfungsraten zu erhöhen – egal ob gegen Grippe, Pneumokokken, FSME oder hoffentlich bald gegen COVID-19. Dazu braucht es geeignete Strukturen und ein Angebot, dass möglichst einfach zugänglich ist. All das fällt bei den Apotheken zusammen – gepaart mit der fachlichen Expertise der Apothekerschaft. Das Motto für die Zukunft kann also nur lauten: Die Apotheken sollen Impfen.

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