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Corona: Zweifel an dauerhafter Immunität; Impfstoff in Studie ermutigend

++ Update 27.10.2020 – WHO warnt vor Überlastung von Intensivstationen und vor Kapitulation im Kampf gegen die Pandemie – ÖÄK übt Kritik an Anschober und Antigentests – Studie: Zweifel an dauerhafter Immunität – AstraZenecas Impfstoff in Studie ermutigend – Oft schwere Krankheitsverläufe bei Schlaganfallpatienten ++

Die Zahl der an COVID-19 Verstorbenen hat in Österreich die 1000er-Markte überschritten, es sind bis heute 1.006 Menschen an der Erkrankung verstorben. 1.197 Patienten befinden sich auf der Normalstation in Krankenhäusern, weitere 203 auf der Intensivstation. Die Inzidenz/100.000 Einwohner lag in den letzten 7 Tagen österreichweit bei 214,1; auf den vordersten Plätzen liegen dabei die Bundesländer Tirol (300,5), Vorarlberg (299,3) und Salzburg (292,0). Insgesamt gibt es derzeit 33.896 aktive Fälle im ganzen Land.

WHO warnt vor Überlastung von Intensivstationen

Angesichts rapide steigender Zahlen von Corona-Infektionen hat der Chef der WHO vor einer Überlastung von Intensivstationen vor allem in Europa und Nordamerika gewarnt. „Viele Länder auf der Nordhalbkugel sehen derzeit einen besorgniserregenden Anstieg von Fällen und Einweisungen ins Krankenhaus“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einem Briefing in Genf am Montag. An einigen Orten füllten sich die Intensivstationen schnell. Seit Beginn der Pandemie sind weltweit mehr als 40 Millionen Infektionen nachgewiesen worden. Mehr als eine Million Menschen sind im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben.
Tedros äußerte Verständnis dafür, dass viele Menschen eine gewisse „Pandemie-Müdigkeit“ fühlten. Die psychische und physische Belastung durch das Arbeiten von zu Hause aus sowie die Distanz zu Freunden und Familie sei hoch. Dennoch dürften die Menschen jetzt nicht aufgeben. Vor allem aber müssten die Gesundheitssysteme geschützt werden und die Menschen, die für sie arbeiteten. Der WHO-Chef rief die Menschen dazu auf, alle Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Ansteckungen zu vermeiden. Nur so könnten auch weitere Lockdowns vermieden werden.
Trumps Stabschef Mark Meadows hatte am Sonntag mit einer Aussage zur Gesundheitskrise für Aufsehen gesorgt. „Wir können die Pandemie nicht kontrollieren“, sagte Meadows dem Sender CNN. Entscheidend sei vielmehr, dass Impfstoffe und Medikamente gegen das Virus zum Einsatz kämen. In den USA starben bisher mehr als 225.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Erkrankung – es ist das am stärksten betroffene Land der Welt.
Der WHO macht derzeit auch die Situation in Europa Sorge: „Es steht außer Frage, dass die europäische Region im Moment ein Epizentrum für die Krankheit ist“, sagte der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan. Allein in der vergangenen Woche entfielen 46 Prozent der weltweiten Corona-Neuinfektionen und fast ein Drittel der Todesfälle auf den europäischen Kontinent. (APA/AFP/dpa)

Ärztekammer kritisiert Schnelltests

Die Österreichische Ärztekammer (ÖAK) hat am Dienstag erneute Kritik an den seit Donnerstag möglichen Antigen-Schnelltests bei niedergelassenen Ärzten geäußert. Laut Johannes Steinhart, ÖAK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, gebe es offene Fragen bei Abrechnung, Testbezug sowie Finanzierung der Container und Infektionsordinationen. Auch welche Antigen-Schnelltests geeignet wären, stehe nicht fest.
Laut Verordnung müssen die Tests CE-zertifiziert sein, die ÖAK ist jedoch für eine Validierung durch die AGES, die dann eine Liste empfohlener Tests herausgeben solle. „Idealerweise sollten die validen Tests zentral beschafft und dann an die Ärztinnen und Ärzte ausgeteilt werden. All diese offenen Fragen bedeuten, dass weiter wertvolle Zeit vergeudet wurde und sich der Gesundheitsminister offenbar mit der Ankündigung der Tests auch schon begnügt“, kritisierte Steinhart. Man könne Ärztinnen und Ärzten erst dann raten, an der Aktion teilzunehmen, wenn alle Fragen geklärt seien. Man sehe Testungen im niedergelassenen Bereich auf freiwilliger Basis jedoch immer noch als ein positives Mittel – zu konstruktiven Gesprächen sei man bereit.
Die Kritik solle nicht als Einzelmeinung verstanden werden, „dahinter stehen die Probleme tausender Ärztinnen und Ärzte“. Es gehe auch nicht darum, dass die Ärztekammer eine Bevorzugung einfordert, auch wenn der Minister das zu glauben scheine, teilte Steinhart mit: „Das Recht, hier auch Kritik ohne falsche Rücksichtnahme und Hintergedanken zu äußern, nehmen wir uns mit Hinsicht auf unsere Expertise heraus. Es wäre ein Zeichen von Größe, jetzt auf jene Experten zu hören, die damit seit Jahrzehnten beruflich zu tun haben.“ (APA)

Zweifel an dauerhafter Immunität

Eine Studie aus Großbritannien nährt Zweifel an einer möglichen dauerhaften Immunität nach einer COVID-19-Infektion. Antikörper gegen das neuartige Coronavirus hätten in der britischen Bevölkerung im Sommer rasch abgenommen, geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Imperial College London hervor. Das deute darauf hin, dass der Schutz nach einer Infektion möglicherweise nicht von langer Dauer sei.
Die Wissenschafter untersuchten das Niveau der Antikörper in der britischen Bevölkerung nach der ersten Infektionswelle im Frühjahr. Demnach sank die Verbreitung von Antikörpern bei sechs Prozent der Bevölkerung Ende Juni auf nur noch 4,4 Prozent im September. Bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen habe es weniger Veränderungen der Antikörperniveaus gegeben, was womöglich auf ihre wiederholte Exposition mit dem Virus zurückzuführen sei.
In der Fachwelt haben seltene Fälle einer zweiten Corona-Infektion bereits Fragen über die Immunität gegen das Virus ausgelöst. Auch eine Studie der chinesischen Universität Chongqing hatte bereits gezeigt, dass die Menge an Antikörpern im Blut genesener COVID-19-Patienten innerhalb von zwei bis drei Monaten erheblich sinken kann. Die Erfahrungen mit anderen Coronaviren legten nahe, dass die Immunität möglicherweise nicht lange anhalte, erklärten die Wissenschafter des Imperial College.
Die Wissenschafter betonten, dass die schnelle Abnahme von Antikörpern nicht zwangsläufig Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Corona-Impfstoffkandidaten habe, die sich derzeit in klinischen Studien befinden. „Ein guter Impfstoff ist möglicherweise besser als eine natürliche Immunität.“ (APA/Reuters)

AstraZenecas Impfstoff in Studie ermutigend

Der potenzielle Corona-Impfstoff des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca hat laut einem Zeitungsbericht erfolgsversprechende Ergebnisse in der klinischen Entwicklung erzielt. Bei älteren Menschen, der Gruppe mit dem höchsten Risiko schwerer Krankheitsverläufe, sei eine „robuste Immun-Reaktion“ entstanden, berichtete die „Financial Times“ am Montag unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Der Impfstoff, den AstraZeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt, habe bei Älteren schützende Antikörper und T-Zellen ausgelöst. Diese Ergebnisse spiegelten im Juli veröffentlichte Daten wieder, die bereits zeigten, dass der Impfstoff bei gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 55 Jahren eine „robuste Immunantwort“ hervorrief.
Es sei ermutigend, dass die Immunantworten bei jüngeren und älteren Erwachsenen ähnlich ausfielen, sagte ein AstraZeneca-Sprecher dazu. Die Ergebnisse untermauerten die Sicherheit und Immun-Wirkung des Impfstoffs. Der „Financial Times“ zufolge sollen die Ergebnisse in Kürze in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlicht werden. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock erklärte, der Impfstoff sei noch nicht fertig, er bereite aber die Logistik für eine mögliche Einführung vor. Mit dieser rechne er in der ersten Hälfte des kommenden Jahres.
AstraZeneca gehört neben der deutschen Biotechfirma BioNTech mit ihrem US-Partner Pfizer und dem US-Konzern Moderna zum Kreis der führenden Unternehmen im Rennen um einen Corona-Impfstoff. Bisher ist international noch keine Impfung auf dem Markt. Russland hatte im August als weltweit erstes Land einen Impfstoff zugelassen, der aber weniger als zwei Monate an Menschen getestet wurde. Vor wenigen Tagen konnte AstraZeneca die US-Studie mit seinem Impfstoff wieder fortsetzen, nachdem diese mehrere Wochen wegen der Erkrankung eines Probanden auf Eis lag. In anderen Ländern durften die Studien schon vorher wieder aufgenommen werden. (APA/Reuters)

Oft schwere Krankheitsverläufe bei Schlaganfallpatienten

Anlässlich des Welt-Schlaganfalltages am 29. Oktober hat der Innsbrucker Epidemiologe und Schlaganfall-Experte Stefan Kiechl den Zusammenhang von Schlaganfällen mit dem Coronavirus aufgezeigt. Der Virus würde laut aktuellen Studien Schlaganfälle begünstigen. Umgekehrt seien schwere Infektionsverläufe bei Schlaganfallpatienten doppelt so häufig wie bei gefäßgesunden Menschen, teilte die Medizinische Universität Innsbruck am Dienstag mit.
Es ist bekannt, dass eine Infektion mit dem Coronavirus neben Fieber, Husten und Atembeschwerden auch neurologische Symptome verursachen kann. „Inzwischen wissen wir, dass das neue SARS-Virus eine höhere Potenz hat, Schlaganfälle auszulösen, als das Grippevirus, wenngleich die absoluten Zahlen gering sind“, verwies Kiechl auf aktuelle Erkenntnisse. Daten aus New York würden belegen, dass 1,6 Prozent aller COVID-19 Patienten, die aufgrund schwererer Verläufe ins Krankenhaus mussten, einen Schlaganfall erleiden. Wie sich die Schlaganfallsituation in den vergangenen Monaten landesweit im Detail entwickelte, werde, so Kiechl, in einer bereits beantragten Studie untersucht. Hinweise, dass Menschen mit Schlaganfallsymptomen seit Ausbruch der Pandemie weniger oft zum Arzt gehen, gäbe es in Österreich nicht. „Das Bewusstsein für Schlaganfallsymptome ist bei den ÖsterreicherInnen fest verankert“, stellt Kiechl fest. Kiechl, der die Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie leitet, konnte erst kürzlich den hohen Stellenwert einer intensivierten Schlaganfall-Nachsorge für die Genesung der Patienten belegen.
Menschen mit ausgewiesenem Risiko-Profil empfiehlt Kiechl, verschriebene Medikamente weiter zu nehmen, sich gegen Grippe impfen zu lassen, auf Bewegung und gesunde Ernährung zu achten, Vorsorge wahrzunehmen und bei Schlaganfallsymptomen sofort die Rettung zu rufen. „Keine Angst vor dem Arztbesuch und dem Krankenhaus – es hat sich herausgestellt, dass das Infektionsrisiko in Krankenhäusern sehr gering ist“, beruhigte der Mediziner. (APA)

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