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Die Medikationsanalyse ist auf Schiene!

Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Vizepräsidentin des VAAÖ, des Verbandes Angestellter Apotheker Österreichs

Mag. pharm. Raimund Podroschko, Präsident des VAAÖ, des Verbandes Angestellter Apotheker Österreichs

Sind genug Tests vorhanden? Wann ist die Impfung verfügbar? Wer darf testen, wer impfen? Welche Maßnahmen gelten jetzt? Welchen Infos kann man noch vertrauen? – COVID-19 verunsichert nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht; viele „gaaanz sichere“ Informationen, angekündigte Maßnahmen und Daten sind kurze Zeit später obsolet. 
Die ApothekerInnen sind in dieser Zeit für die Menschen in Österreich der „Fels in der Brandung“; auf sie ist Verlass, in jeder Hinsicht. Sie sind für ihre KundInnen und PatientInnen da, trotz der immensen Belastung in der Apotheke und trotzdem sie im privaten Bereich mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie jeder andere auch.
Umso mehr freut es uns, unseren KollegInnen nun auch eine gute Nachricht bringen zu können:

Die Medikationsanalyse als unsere neue, anerkannte Dienstleistung ist definierter Teil der Wirtschaftsverhandlungen mit dem Dachverband!

Der Weg ist lang und alles andere als leicht; aber nun sind wir einen großen Schritt vorangekommen. Nach intensiven Vorgesprächen treten wir jetzt in die konkreten Wirtschaftsverhandlungen mit dem Dachverband der Sozialversicherungsträger ein. Nachdem in einem ersten Schritt die „Fahrpläne“ festgelegt sind, wird es in weiterer Folge um eine „Anpassung der Ertragssituation“ der Apothekenbetriebe sowie um die „Entwicklung eines zukunftsorientierten Leistungsportfolios der Apotheken“ gehen. Für dieses Leistungsportfolio wird, wie in den Vorgesprächen und dem daraus resultierenden Sideletter von beiden Seiten vereinbart wurde, dann ein gemeinsames Pilotprojekt „Medikationsanalyse durch ApothekerInnen“ entwickelt. Selbstverständlich geht es dann auch um eine entsprechende Honorierung.

Nichts weniger als ein Paradigmenwechsel: Wir stehen kurz davor, dass zum ersten Mal eine Dienstleistung der ApothekerInnen – entkoppelt vom Erwerb eines Arzneimittels – offiziell anerkannt und auch abgegolten wird.

Mit dieser Anerkennung der Expertise der österreichischen ApothekerInnen und der Implementierung der Medikationsanalyse in das Leistungsportfolio der Apotheken tragen wir in Zukunft, wie es in der Vereinbarung so schön formuliert ist, zur „Optimierung der Therapieumsetzung, der Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung und der Minimierung arzneimittelbezogener Probleme“ bei.

Zudem zeigen internationale Studien, dass jeder Euro, der hier investiert wird, dem Gesundheitssystem 5 Euro Ersparnis an Folgekosten wie Krankenhausaufenthalte etc. bringt.

Das heißt, die Medikationsanalyse nützt allen:

  • unseren PatientInnen, weil wir sie noch besser unterstützen können, gesund zu werden und zu bleiben sowie ihre Lebensqualität zu verbessern.
  • unserem Gesundheitssystem, weil dadurch die begrenzten Ressourcen optimaler eingesetzt werden können.
  • und unserem Berufsstand, weil die Medikationsanalyse NUR von bestens ausgebildeten ApothekerInnen angeboten werden kann. Damit sind wir angestellte ApothekerInnen unverzichtbar und schaffen hochwertige Arbeitsplätze für unsere KollegInnen.

In den nun folgenden Gesprächsterminen werden wir gemeinsam mit dem DVSV die Detailfragen abklären. Geplant ist, die Gespräche bis Ende September 2021 abzuschließen.

Dieser große Erfolg in dieser schwierigen Zeit ist v.a. den österreichischen ApothekerInnen zu verdanken. Sie haben für diese Gespräche und Verhandlungen mit ihrer Leistung, ihrer Verlässlichkeit und ihrer Expertise in den vergangenen Monaten eine starke Verhandlungsbasis geschaffen. Dafür ein großes Dankeschön!

Medikationsanalyse in der Apotheke

Die Medikationsanalyse ist eine strukturierte Analyse der aktuellen Gesamtmedikation mit dem Ziel der Erhöhung der Effektivität der Arzneimitteltherapie und der Minimierung von Arzneimittelrisiken.

Die Medikationsanalyse erfolgt in vier Schritten:

  • Identifikation von Datenquellen und Sammeln relevanter Informationen
  • Evaluation und Dokumentation von arzneimittelbezogenen Problemen
  • Erarbeitung möglicher Lösungen
  • Vereinbarung von Maßnahmen mit dem Patienten und gegebenenfalls mit dessen Arzt
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