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Medikamente gehören in die Apotheke – nicht in Handelsketten

Wir Apothekerinnen und Apotheker sehen uns aktuell mit vielen Herausforderungen konfrontiert – und das nicht nur wegen Corona. Durch die Pandemie beschleunigen sich einige gesundheitspolitische Prozesse – Stichwort Start der Pilotphase des e-Rezepts im heurigen Jahr –, die viel Positives bewirken können, uns aber gleichzeitig auch einiges abverlangen werden. Daneben beschäftigen uns aber auch andere Themen. Eines der drängendsten: der neuerliche Versuch von DM, vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) eine Aufweichung des Apothekenvorbehalts zu erwirken.

Was möchte die Drogeriemarktkette erreichen? Rezeptfreie Arzneimittel sollen in Zukunft auch in ihren Filialen verkauft werden dürfen. Dazu ist man vor den VfGH gezogen, der zu dieser Frage aller Voraussicht nach in den kommenden Monaten eine Entscheidung treffen wird – mit potenziell weitreichenden Folgen für uns Apothekerinnen und Apotheker.

Mag. Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes

Zwei Punkte machen mir dabei besonders Sorgen. Ich habe meinen Beruf gewählt, weil mich natürlich der naturwissenschaftliche Aspekt am Studium interessiert hat. Welche Wirkstoffe setzt man wie ein? Wie spielen Arzneimittel und der Körper zusammen? Wie werden Medikamente hergestellt? Darüber hinaus hat mich aber auch der Gedanke geleitet, als Pharmazeut Menschen in gesundheitlichen Angelegenheiten zu helfen, sie zu beraten. Und nun frage ich mich, wie dieses unverzichtbare Element der apothekerlichen Tätigkeit, die Beratung zu Arzneimitteln, in einer Handelskette vonstatten gehen soll? Denn fällt das weg, sind die Menschen allein gelassen und das bedeutet ein hohes gesundheitliches Risiko – Krankheiten werden nicht erkannt, es werden Wirkstoffe falsch kombiniert oder Präparate zu oft sorgenlos eingenommen.

Der zweite Punkt ist die wirtschaftliche Dimension. Denn schließlich geht es hier um das Überleben einer gesamten Branche, die wir als Gesellschaft für eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln brauchen. Die letzten Monate haben deutlich gezeigt, wie wichtig die öffentliche Apotheke für die Menschen ist. Bricht uns ein großer Teil der OTC-Umsätze weg, ist nicht nur die Versorgung der Bevölkerung gefährdet, sondern auch viele Apotheken in ihrem Bestand.

Im Apothekerverband bereiten wir uns daher intensiv auf diese Herausforderung vor. Zuerst ist der VfGH mit seiner Entscheidung an der Reihe – geht diese gegen uns aus, ist der Gesetzgeber aufgefordert, einen rechtlichen Rahmen entsprechend der VfGH-Entscheidung zu schaffen. Und dann sind wir am Zug. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, das Schlimmste zu verhindern. In einer Kampagne werden wir die breite Öffentlichkeit über OTC-Produkte aufklären und wir werden der Politik unmissverständlich vermitteln, dass wir als Gesundheitsversorger unverzichtbar sind. Eine Rolle, die entsprechenden Schutz braucht. Dabei werden wir nicht locker lassen – im Sinne der gesamten Apothekerschaft und der Bevölkerung.

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