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„Mit uns Apothekerinnen und Apothekern geht’s besser!“

„Große“ Themen für die österreichischen Apotheker sind derzeit die Kollektivvertrags- und Wirtschaftsverhandlungen, Zukunftsprojekte wie die Medikationsanalyse, die Corona-Krise und nicht zuletzt die Logistik-Probleme rund um die COVID-19-Impfung, für die die Apothekerschaft Lösungen anbietet. Welche das sind, erläutert VAAÖ-Präsident Raimund Podroschko, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, im Interview.

Vor Kurzem wurde ein neuer Kollektivvertrag abgeschlossen. Was ändert sich für die Apothekerinnen und Apotheker?

Mag. pharm. Raimund Podroschko: Auf den Punkt gebracht: mehr Geld. Wie jedes Jahr wurde Ende 2020 das Gehalt für die angestellten Apothekerinnen und Apotheker neu verhandelt. Wir konnten mit einem Plus von 1,5 Prozent einen guten Abschluss erzielen, und das trotz Corona und eines sehr engen Zeitfensters. Dieser Abschluss sollte idealerweise die Wertschätzung für unsere angestellten Kollegen zeigen, aber die Betriebe nicht über Gebühr belasten. Eine darüber hinaus gehende, schöne Anerkennung für die enormen Leistungen, die die Apothekerinnen und Apotheker 2020 erbracht haben, ist der Corona-Bonus. Hier ist es uns gelungen, zusätzlich zum Gehaltssprung eine Extra-Zahlung von 300 Euro zu erreichen.

Wir vom VAAÖ drängen aber auch darauf, wichtige Bereiche im sogenannten Rahmenrecht, also alles, was der Kollektivvertrag über die Gehaltsverhandlungen hinaus regelt, neu zu verhandeln. Arbeitsbedingungen ändern sich, und der Kollektivvertrag muss diese Veränderungen entsprechend abbilden und deshalb sukzessive angepasst werden. Denn die angestellten Apotheker brauchen Rechtssicherheit, und sie haben Anspruch auf gesetzlich festgelegte, bestmögliche Arbeitsbedingungen. Und wir alle wissen, dass hier einer allein nicht viel ausrichten kann. Dazu braucht es die starke, durchsetzungsfähige Angestelltenvertretung des VAAÖ und ein Verhandlungsteam, das auch Auseinandersetzungen nicht scheut.

Es war bereits für März 2020 eine Klausur mit unserem Kollektivvertragspartner angesetzt; leider hat uns dann Corona „einen Strich durch die Rechnung gemacht“. Aber wir bleiben dran und möchten so bald wie möglich intensive Gespräche dazu aufnehmen.

Beim Corona-Bonus gab es Unzufriedenheit von einigen. Möchten Sie hier etwas dazu sagen?

Diese „Unzufriedenheit“ ist schon zu relativieren: Bei Gehaltsverhandlungen geht es prinzipiell für alle Beteiligten ums „Eingemachte“, sprich um mehr Geld. Schließlich legen wir das Ergebnis nicht einfach allein fest, sondern müssen uns mit unserem Kollektivvertragspartner, dem Apothekerverband, auseinandersetzen, der naturgemäß hier eher entgegengesetzte Intentionen hat und zudem in die Gespräche recht spät eingetreten ist. Ich denke, wir können uns durchaus darüber freuen, dass wir trotzdem die Verhandlungen abschließen konnten und diesen nicht selbstverständlichen Bonus erreicht haben.

Diese Extrazahlung muss aber auch rechtlich „halten“. Der Bonus ist als eine Leistung der Dienstgeber an die Dienstnehmer definiert – nichts anderes ist hier möglich – und deshalb an ein aufrechtes Dienstverhältnis und einen Stichtag gebunden, auch um den Steuervorteil zu lukrieren. Für die wenigen Einzelfälle, für die dieser Stichtag unglücklich fällt, evaluieren wir gerade, ob es eine Kulanzlösung geben kann. Sollten Kolleginnen und Kollegen dazu zählen, so bitte ich diese, sich direkt an uns im VAAÖ zu wenden. (rechtsberatung@vaaoe.at, Anm.)

Für jene Aspirantinnen und Aspiranten, die einen Großteil des Jahres 2020 tätig waren, aber von der Gehaltskasse nur eine sehr kleine Auszahlung erhielten, haben wir bereits Nachzahlungen ausverhandelt, sodass alle von diesem Bonus profitieren. Näheres dazu ist auf unserer Homepage zu finden.

Doch die Gehaltsverhandlungen sind, wie gesagt, nur ein kleiner Teil des Kollektivvertrages. So wollen wir mit unserem Kollektivvertragspartner rasch Gespräche in Bezug auf den zwischen WKO und ÖGB ausverhandelten Generalkollektivvertrag führen, in dem wichtige Aspekte der Arbeitsbedingungen unter den derzeitigen COVID-19-Maßnahmen geregelt sind. Diese sind auch für uns Apotheker richtig und wichtig.

Das vergangene Jahr stellte die Apothekerinnen und Apotheker vor völlig neue Herausforderungen. Wie wirkt sich die Pandemie auf sie aus?

Ja, 2020 war für uns alle wirklich heftig. Ich arbeite ja selbst als angestellter Apotheker an der Tara und habe alle Auswirkungen von Corona auf unser Arbeitsumfeld hautnah miterlebt. Die Zwei-Teams-Dienste, Kurzarbeit, die diversen Sicherheitsmaßnahmen, der Erklärungsbedarf unseren Kunden und Patienten gegenüber, die ständig neuen Regelungen seitens des Gesetzgebers, und das alles zusätzlich zu den privaten Belastungen und Sorgen, waren nicht einfach zu bewältigen. Und auch wir im Apothekerhaus sind „rotiert“, weil zusätzlich zu den „normalen“ Aufgaben im Staccatotakt neue Herausforderungen auftauchten, die rasch und pragmatisch gelöst werden mussten – wie eben in der Apotheke auch. Aber ich denke, unser Berufsstand hat sich sehr gut geschlagen und wir können stolz auf unsere Leistungen sein. Deshalb freut es mich sehr, dass das offensichtlich auch die Öffentlichkeit und die Politik wahrgenommen hat und wir einen beträchtlichen Imagegewinn erzielen konnten. Das hilft uns derzeit in den Wirtschaftsverhandlungen mit dem Dachverband sehr. Überhaupt konnten wir in vielen Bereichen jetzt durch die COVID-19-Krise auf einmal Fortschritte erzielen, die früher zumindest in dieser Geschwindigkeit undenkbar gewesen sind, wie z.B. die Realisierung des „echten“ e-Rezeptes und unser großes Zukunftsprojekt, die Medikationsanalyse, deren Umsetzung wir noch nie näher waren.

Die Medikationsanalysekurse erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Apothekerinnen und Apothekern. Wie viele haben bereits die Kurse absolviert?

Ja, das große Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen freut uns wirklich sehr, vor allem, weil die Medikationsanalyse nicht nur sehr wichtig für die Zukunft unseres Berufsstandes ist, sondern auch ein „Herzensprojekt“ meiner Stellvertreterin, Susanne Ergott-Badawi, und mir. Mittlerweile haben bereits rund 660 Apothekerinnen und Apotheker die Kurse absolviert, die Veranstaltung Ende Februar mit 60 Plätzen ist bereits ausgebucht und auch der universitäre Zertifikatskurs wird stark nachgefragt.

In einigen Bundesländern wurden bereits die ersten Apothekerinnen und Apotheker gegen COVID-19 geimpft. Ist bekannt, wann die Impfung in den einzelnen Bundesländern für Apotheker ausgerollt wird?

Wer in welcher Reihenfolge geimpft werden soll, gibt der Bund vor. Priorität wurde hier den Pflegeheimen eingeräumt, mit ihren Bewohnern, Angehörigen und natürlich dem Pflegepersonal. Dann kommen die über 80-Jährigen und die Gesundheitsdienstleister und Systemerhalter wie wir Apothekerinnen und Apotheker dran. WANN das alles allerdings stattfindet, bestimmt das jeweilige Bundesland je nach Verfügbarkeit der Impfstoffe und der vorhandenen Logistik. Wir Apothekerinnen und Apotheker werden also – normalerweise – dort geimpft, wo wir tätig sind. Auf der Homepage des Bundesministeriums ist dazu eine recht übersichtliche Zusammenstellung zu finden.

Stichwort Impfen: Die Impfstoffverteilung klappt nicht immer reibungslos, auch wenn genug Impfstoffe vorhanden sind. Wie könnte man das verbessern?

Ganz einfach: Wir Apothekerinnen und Apotheker haben nicht nur lange Erfahrung in der Impfberatung, sondern auch in der Distribution von Impfstoffen und anderen Arzneimitteln. Hier sind wir aufgrund der flächendeckenden Verteilung und des niederschwelligen Zugangs unschlagbar. Was steht also einer Distribution über die Apotheken im Weg? Viele, darunter auch Patientenanwalt Gerald Bachinger und selbst Ärzte, fordern das. In Tirol funktioniert die Verteilung über die Apothekenbetriebe bereits bestens, und das wird auch bei uns nötig sein, spätestens wenn die Impfung im niedergelassenen Bereich „angekommen“ ist.

Bei der Durchimpfung der Bevölkerung spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Was könnten die österreichischen Apothekerinnen und Apotheker hier beitragen?

Ich denke, um diese Situation schnellstmöglich in den Griff zu bekommen, sollte man auf alle Ressourcen zurückgreifen, die zur Verfügung stehen. Es ist derzeit immens wichtig, dass alle so rasch wie möglich durchgeimpft werden, immerhin fast jeder der annähernd neun Millionen Einwohner jeweils zwei Mal. Mit der bisherigen Vorgehensweise ist das für die Bevölkerung ein enormer Zeitaufwand. Wieso sollen wir Apothekerinnen und Apotheker also nicht gleich selbst die Impfung vornehmen – wie das diplomierte Krankenpersonal und die Rettungssanitäter auch –, selbstverständlich nach einer entsprechenden Schulung. Die Rekonstitution, also die Aufbereitung des Impfstoffes, ist für uns Apothekerinnen und Apotheker jedenfalls auch kein Mirakel; und die nötige Ausstattung, Logistik und die Möglichkeit zur Erfassung sind über ELGA und den elektronischen Impfpass ebenfalls gegeben. In vielen Ländern ist das bereits gelebter Alltag, wieso nicht auch bei uns?

Jedenfalls liegt im Ministerium bereits unser Vorschlag für ein entsprechendes Ausbildungskonzept zur Erlangung der Impfberechtigung nach internationalem Vorbild sowie ein Vorschlag für eine gesetzeskonforme Umsetzung der Impfung. Möglich wäre dann in weiterer Folge eine Ausweitung auch auf andere geeignete Impfungen wie Influenza und FSME.

Wir sind jedenfalls bestens vorbereitet und werden auch in Bezug auf die Corona-Impfung verlässlich und kompetent zur Verfügung stehen, so wie wir auch während der gesamten COVID-19-Krise für die Menschen da waren und sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

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