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Run auf Antigen-Schnelltests in Apotheken

Die Ankündigung knapp vor dem Wochenende war für einige überraschend: Mit Starttag 8. Februar 2021, dem Teilende des dritten Lockdowns, können sich Interessierte in Apotheken in ganz Österreich – nach Voranmeldung – gratis mittels Antigen-Schnelltests auf das Corona-Virus testen lassen. Die Apotheker streichen ab, die Testergebnisse gelten 48 Stunden als Eintrittstests für körpernahe Dienstleister wie Friseure. Der Ansturm war am ersten Tag enorm. Neu sind auch betriebliche Gratis-Tests für Arbeitnehmer, Angehörige und Kunden. Nur bei den niedergelassenen Ärzten müssen Gesunde weiter zahlen, was für Empörung sorgt.

Hinter den Kulissen dürfte eifrig verhandelt worden sein. „Wir werden unser Bestes und Möglichstes geben“, garantierte Mag. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, gegenüber der APA am 05.02.2021. Ziel sei es, vor allem am Land „weiße Flecken“ auf der Test-Landkarte zu beseitigen. Zunächst wolle man ab 8. Februar in „spezialisierten Apotheken“ beginnen. Bis Ende Februar sollen die Gratistests in den Apotheken „im Flächenbetrieb“ verfügbar sein.

Doch bereits am ersten Tag offerierten knapp 500 Apotheken von 1.400 Apotheken die Gratis-Antigen-Schnelltests – als Teil der neuen Teststrategie des Bundes (siehe unten). Vor etlichen Apotheken hätten sich Warteschlangen gebildet, das Angebot sei überaus gut angenommen worden. „Es geht ziemlich rund“, bestätigte ein Sprecher der Apothekerkammer auf APA-Anfrage eine „extreme Nachfrage“. Am Montag war die Internetseite wegen des großen Ansturms sogar zeitweise überlastet. „Unsere Termine sind auf drei Wochen ausgebucht“, erzählt ein Apotheker aus Wien-Donaustadt.

Warteschlangen vor Apotheken, „Drive-ins“ und „Walk-ins“

Freilich gab es auch auf einzelne Wiener Testzentren einen regelrechten Run, ebenso waren laut Gesundheitsstadtratsbüro von Peter Hacker (SPÖ) die „Drive-ins“ im Austria Center und in Schönbrunn voll. Die Kapazitäten wurden angesichts des Testbooms erweitert. Im Schloss Schönbrunn etwa habe man über Nacht drei neue „Walk-ins“ aufgebaut, sodass nun statt 2.250 nun 4.500 Untersuchungen möglich seien. Allerdings werde für die nächsten Tage eine Entspannung erwartet. Bereits am Dienstag wurde zunächst nur mehr eine Auslastung von knapp über 50 Prozent gemeldet.

Auch aus anderen Bundesländern wie etwa Kärnten kamen ähnliche Meldungen über einen Ansturm. Klagenfurts Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) forderte daher in einer Aussendung die Landesregierung auf, für weitere Testmöglichkeiten zu sorgen. Die Angebote der Apotheken seien ausgebucht und auch bei den Teststraßen komme es zu langen Wartezeiten. Diese waren Stand Montagfrüh zu 91 Prozent ausgelastet. Nun gebe es Gespräche, zusätzliche Straßen zu öffnen.

Burgenland ärgert sich über „kurzfristige Ankündigungen“ der Regierung

Großer Andrang herrschte auch im Burgenland, dort sollen die Corona-Testkapazitäten ebenfalls ausgebaut werden. In den sieben bestehenden Zentren gebe es dann 15 Teststraßen, und neben 30 Apotheken mit Gratistest-Angebot seien nun auch die Gemeinden zur Teilnahme aufgerufen, gab Landesrat Dr. Leonhard Schneemann (SPÖ) auf einer Pressekonferenz am Montag bekannt. Was ihn jedoch ärgere: Die kurzfristigen Ankündigungen der türkis-grünen Bundesregierung, auf die die Bundesländer immer reagieren müssten. Er werde das bei der nächsten Länderrunde einbringen.

Etwas mehr dürfte Oberösterreich gewusst haben. In einer Aussendung am Freitag begrüßte LH-Stv. Mag. Christine Haberlander (ÖVP) die neue Möglichkeit, sich auch in Oberösterreichs Apotheken testen zu lassen. Damit setze der Bund „oberösterreichische Forderungen“ um. Die im Vollausbau voraussichtlich mehr als 100 Apotheken in Oberösterreich, die kostenlose Corona-Tests anbieten wollen, „sind ein wichtiger Partner in der Region, sie sind nahe an den Menschen und besonders in ländlichen Gebieten eine gute wohnortnahe Anlaufstelle, um einen Corona-Test zu machen“, betonen Haberlander und OÖ-Apothekerkammer-Präsident Mag. Thomas Veitschegger unisono.

Seniorenbund: Apotheken-Tests bauen „empfindliche Hürden“ ab

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) und der Seniorenbund begrüßten ebenfalls bereits am Freitag in einer Aussendung die neue Möglichkeit und gaben bekannt, dass der Ruf der Seniorenbund-Präsidentin „gehört“ worden sei: „Ich bin froh, dass sich die vielen Gespräche und Verhandlungen bezahlt gemacht haben“, freut sich Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec, VP-Abgeordnete zum Wiener Landtag und ehemalige VP-Generalsekretärin. Die Gratis-Coronatests in den Apotheken würden vor allem Senioren helfen, „wieder aktiver am öffentlichen Leben teilnehmen zu können“.

Nicht jeder habe eine „Teststraße um die Ecke“. Außerdem hätten die Senioren monatelang gehört, dass sie nach Möglichkeit nicht rausgehen sollen. „Und dann schicken wir sie auf lange Wege zu den Teststraßen?“, fragt Korosec. Dazu kämen noch Wartezeiten, was besonders für weniger mobile Menschen beschwerlich sei. „Bleiben nur die Apotheke oder der Hausarzt – und da ist das Testen mit für Senioren hohen Kosten verbunden“, argumentiert Korosec. Sie habe mit anderen Organisationen „in den vergangenen Wochen“ auf die Hürden bei den Eintrittstests hingewiesen.

Die Gratistests in den Apotheken würden diese empfindlichen Hürden für ältere Menschen abbauen. Korosec bedanke sich bei allen Beteiligten, besonders der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), für die Umsetzung der Maßnahme. Die Seniorenbund-Präsidentin könne sich für die Zukunft auch Eintrittstests direkt bei den Dienstleistern vorstellen, „das wäre noch effizienter und praxisnahe“. Da gebe es noch Vorbehalte, die Schulen könnten aber Vorbild werden. „Die Erfahrungswerte und Entwicklungen bei Corona-Tests schreiten rasant voran. Schauen wir uns die Situation noch einmal in ein paar Wochen an“, meint Korosec.

Harsche Kritik aus Niederösterreich und der Steiermark

Kritik kam indes von mehreren Ärztekammern, unter den ersten die steirische. „Das ist eine grobe Ungerechtigkeit gegenüber der Bevölkerung“, betont Dr. Herwig Lindner, Präsident der Ärztekammer Steiermark, am Freitag in einer Aussendung. Bereits mehrfach sei darauf hingewiesen worden, dass es der Bund bisher offenbar „vergessen“ habe, Tests für Gesunde in Arztpraxen als beste und einfachste Lösung für die Bevölkerung anzuerkennen und die Kosten dafür zu übernehmen, statt sie nur in aufwendige Teststraßen zu „treiben“. Spätestens jetzt, mit den neuen Testpflichten, müsse das korrigiert werden. Auch vom Land Steiermark erwarte sich Lindner, „dass es deutlich auf diesen Missstand hinweist“.

Tags darauf legt Dr. Christoph Schweighofer, Vizepräsident und Niedergelassenen-Obmann in der Steiermark, noch nach: „Kein Mensch in der Steiermark darf dafür bestraft werden, dass er einen Test lieber wohnortnahe bei der Ärztin oder beim Arzt seines Vertrauens macht als in einer Apotheke.“ An die 300 steirischen Ärzte würden Corona-Tests bei Gesunden anbieten. In Richtung Land äußerte Schweighofer den Vorwurf, dass es Millionen in kaum zwei Dutzend Teststraßen pumpe, statt die Mittel dafür zu verwenden, um den Steirern Tests bei nahen Ärzten zu ermöglichen.

Auch sein Kollege von der Ärztekammer für Niederösterreich reagiert verärgert. Teststraßen und Gratis-Antigentests in öffentlichen Apotheken seien zwar an sich begrüßenswert. „Dass aber ärztliche Ordinationen, in denen selbstverständlich immer medizinische Fachkräfte tätig sind, nicht einmal erwähnt und von den Gratistests ausgenommen sind, ist mehr als unverständlich und kann so nicht einfach hingenommen werden“, unterstreicht Niedergelassenen-Obmann Dr. Dietmar Baumgartner in einer Aussendung am Sonntag.

Oberösterreich & Salzburg fordern Nachschärfung

In Oberösterreich forderte der Stellvertretende Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Wolfgang Ziegler, am Sonntag in einer Aussendung den Bund auf – „wie zuletzt“ Oberösterreichs LH-Stv. Haberlander –, bei den Gratistests unverzüglich nachzuschärfen: „Vor allem unsere ältere Bevölkerung braucht Testangebote ‚ums Eck‘ und das sind die Arztpraxen vor Ort.“ Eine Vielzahl von ihnen sei bereits jetzt für die Antigen-Tests ausgestattet und könne sofort losstarten. Deshalb sei es essenziell, dass der Bund so schnell wie möglich ein Gratis-Antigentest-Angebot bei den niedergelassenen Ärzten schaffe, ergänzt Oberösterreichs Ärztekammer-Präsident Dr. Peter Niedermoser, „speziell die Ärzteschaft ist der kompetenteste Ansprechpartner in Fragen der Testung“.

Kurz vor Redaktionsschluss am Dienstag kam auch noch eine Aussendung der Ärztekammer für Salzburg herein. „Möglichst viel zu testen ist gut und wichtig“, hebt Ärztekammer-Vizepräsident und Obmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Christoph Fürthauer, hervor. Daher sei es „völlig unverständlich“, dass in einer Situation, in der wie aktuell das Testangebot knapp werde und dadurch Wartezeiten entstehen, nicht auch niedergelassene Ärzte, insbesondere Wahlärzte, „die das anbieten möchten, die Möglichkeit gegeben wird, freiwillig an diesen Gratis-Antigenschnelltests teilzunehmen“. Man sei deshalb „erneut“ an das Land Salzburg herangetreten, um „eine für alle Interessen zureichende und vernünftige Lösung“ zumindest für das Bundesland Salzburg zu finden.

Betriebliche Tests werden gefördert

Neu ist auch, dass ab 15. Februar betriebliche Tests den behördlichen gesetzlich gleichgestellt sind – bei kleinen Betrieben unter anderem in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten (siehe Kasten). WKÖ-Präsident Dr. Harald Mahrer geht in einer Aussendung am 05.02.2021 davon aus, dass österreichweit bis zu 530.000 Arbeitnehmer in rund 2.400 mittleren und großen Unternehmen regelmäßig getestet werden könnten.

Apotheken und Betriebe in nationale Teststrategie aufgenommen

Künftig ist eine kostenlose COVID-19-Testung neben den Teststraßen der Bundesländer und Gemeinden auch in vielen Apotheken und Betrieben möglich. Das gab das Gesundheitsministerium am 08.02.2021 bekannt.

  • Anmeldung zu Teststraßen: www.oesterreich.gv.at
  • Anmeldung zur Testmöglichkeit in Apotheken: www.apothekerkammer.at, mit Liste der Apotheken. So funktioniert es: Telefonische Anmeldung in einer Apotheke der Wahl, mit der E-Card zum Termin:
    • Die Abstrichnahme erfolgt durch eine Apothekerin, einen Apotheker unter Einhaltung der erforderlichen Schutz- und Hygienevorkehrungen.
    • Für die Durchführung werden Antigentests verwendet, welche eine CE-Kennzeichnung aufweisen und vom Hersteller für einen Nasen/Rachen-Abstrich bestimmt wurde.
    • Bei einem negativen Testergebnis stellt die Apotheke eine Testbestätigung aus, die, wenn sie nicht älter als 48h ist, als Freitesten für körpernahe Dienstleister gilt.
    • Bei Vorliegen eines positiven Testergebnisses: Selbstquarantäne und 1450 anrufen. Es erfolgt eine Meldung an die Gesundheitsbehörde durch die Apotheke.
  • Neben den Apotheken sind nun auch betriebliche Tests Teil nationalen Teststrategie. Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten können die Ergebnisse der betrieblichen Antigen-Schnelltests über die Testplattform des Bundes abwickeln. Sie müssen sich dafür auf www.wko.at/betriebe-testen registrieren (seit 08.02.2021 möglich). Ab 15. Februar kann für jeden bestätigten und abgewickelten Test (Antigen- oder PCR-Test) vom Bund ein Kostenbeitrag von 10 Euro bezogen werden. Testungen können Betriebsärzte in der Präventionszeit durchführen. Auch betriebsfremde Personen wie Angehörige, Kunden und Mitarbeiter umliegender Betriebe können dabei getestet werden. Zugänge zur Screening-Datenbank (um Ergebnisse einmelden zu können) bekommen teilnehmende Betriebe mit über 50 Beschäftigten, für kleinere Unternehmen wird dies in Kooperation mit Ärzten durchgeführt (z.B. Betriebsärzte eines anderen Unternehmens oder aus dem niedergelassenen Bereich). Eine Kooperation mit Apotheken oder Rettungsdienstorganisationen ist ebenfalls möglich.
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