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Das Jahr der tragischen Helden

Ärztin im Gespräch mit Patient entlang Mitarbeiter

Sein Bild ging um die Welt: Der 33-jährige Augenarzt Li Wenliang, der Ende Dezember 2019 vor einem neuartigen Corona-Virus gewarnt hatte, starb am 6. Februar 2020. 19 Tage später erreichte das Virus ein Hotel in Innsbruck, das es mittlerweile nicht mehr gibt.

Weltweit mussten bisher tausende Gesundheitskräfte wegen oder infolge SARS-CoV-2 ihr Leben lassen – viele davon angesteckt im Dienst am Patienten. Wie viele es sind, weiß niemand so genau. Bis zum 1. Juli 2020 waren es jedenfalls mindestens 1.800 aus 64 verschiedenen Ländern.1

Auch Li Wenliang ist darunter. In einer Nachricht an Kollegen vom 30. Dezember 2019 informierte der Augenarzt über Symptome bei Patienten, die ihn an jene des SARS-Erregers erinnerten. Der 33-Jährige sollte sich dann im Kampf gegen das Virus selbst anstecken, am 10. Jänner begann er zu husten. Am 7. Februar 2020 vermeldete das Zentralkrankenhaus in Wuhan seinen Tod nach vergeblichen Anstrengungen, sein Leben zu retten.

Ausbreitung in Italien

In Italien wurde am 20. Februar 2020 „Patient 1“, ein 38-jähriger Manager, in ein Krankenhaus der lombardischen Provinzstadt Codogno in kritischem Zustand eingeliefert. Einen Tag später starb ein 78-jähriger Pensionist in Vo Euganeo bei Padua als erster Europäer an SARS-CoV-2. Die APA berichtet von mehr als 300 Ärzten, die in Italien an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sind. Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie hat Papst Franziskus Ärzte und Krankenpfleger gewürdigt, die während der Pandemie verstorben sind. Das Kirchenoberhaupt lobte in einem Brief ihren „großzügigen, manchmal sogar heroischen Einsatz“.

Hausarzt in Niederösterreich gestorben

In Österreich wird am 25. Februar 2020 – Faschingsdienstag – ein italienisches Paar in Tirol positiv getestet. Sie dürften sich in Bergamo angesteckt haben, angesteckt sind auch die Rezeptionistin im Grand Hotel Europa am Bahnhof in Innsbruck, das die Betreibergesellschaft mittlerweile geschlossen und verkauft hat.

Zwei Tage später wurde der erste bestätigte Corona-Fall in Wien publik: Ein damals 72 Jahre alter Anwalt, der bereits seit mehreren Tagen mit Grippe-Symptomen in der Klinik Landstraße (vormals Rudolfstiftung) gelegen ist.

Am 12. März 2020, zwei Tage nachdem die WHO COVID-19 zur Pandemie erklärt hatte, wurde der erste Todesfall in Österreich gemeldet. Knapp ein Jahr später sind es 446.644 Fälle und 8.397 Verstorbene. 1.309 sind hospitalisiert, davon 255 intensiv. Unter den Verstorbenen ist auch der österreichische Gemeindearzt Dr. Wilfried Piribauer, der in Himberg, Niederösterreich, tätig war. Er wurde Ende März in ein Wiener Spital eingeliefert, wo er am 5. April 2020 starb.

Ob weitere Ärzte oder andere Gesundheitskräfte in Österreich verstorben sind, ist nicht bekannt. Jedoch ist aus Ärztekreisen zu erfahren, dass auch Kollegen auf Intensivstationen behandelt werden mussten und um ihr Leben kämpften, was als besonders belastend erlebt wird.

Harte Arbeit, kaum Pause und drei Lockdowns

Auch nach einem Jahr gibt es weiterhin viel Arbeit und kein Verschnaufen für das Gesundheitspersonal. Österreich galt zwar im vergangenen Frühjahr wegen der raschen Reaktion zusammen mit Israel, Tschechien, Australien, Neuseeland, Dänemark, Griechenland und Norwegen weltweit als Musterschüler. Jene Länder, die in der zweiten Welle mit den Maßnahmen deutlich zögerlicher als in der ersten Welle reagierten, haben jedoch bis heute mit den Folgen zu kämpfen. Israel hat nach wie vor hohe Infektionszahlen, ist aber nun Impfweltmeister. Tschechien ist seit Monaten unter den Ländern mit der höchsten Inzidenzrate in der EU. Österreich hatte bisher drei harte Lockdowns, wobei der erste von 16. März bis 14. April der härteste war. Am 15. Oktober zeigte die im September installierte Corona-Ampel erstmals in vier Bezirken rot, am 3. November kam der „Lockdown light“ (Handel und persönliche Dienstleister sowie Pflichtschulen blieben offen). Doch schon am 17. November wurde der zweite harte Lockdown ausgerufen, der am 7. Dezember wieder „light“ wurde, gefolgt vom dritten harten Lockdown nach Weihnachten.

Am 27. Dezember 2020 wurden die lang ersehnten ersten Corona-Schutzimpfungen verabreicht. Rund 300.000 Personen haben seither zumindest die erste Teilimpfung erhalten. (Gro/APA)           

1 In Memoriam: Healthcare Workers Who Have Died of COVID-19: https://www.medscape.com/viewarticle/927976

Ein Jahr Corona – Keine Reisefreiheit, neue Grenzschließungen

Auch ein Jahr nach der ersten Grenzschließung – Österreich war unter den ersten in der EU und schloss die Grenze zu Italien am 10. März 2020 – gibt es keine Reisefreiheit, sondern neue Grenzschließungen. Seit dem 19. Dezember gelten hierzulande Inzidenz-basierte Einreiseregeln. Einreisende, die aus Staaten mit einer 14-Tages-Inzidenz von mehr als 100 pro 100.000 Einwohner nach Österreich kommen, müssen sich vorab registrieren, ein negatives Coronatest-Ergebnis vorlegen und eine zehntägige Quarantäne antreten (Freitesten frühestens fünf Tage nach der Einreise).

Ausgenommen von diesen Regeln sind mit Stand 18.02.2021 nur Einreisende aus neun Ländern weltweit: Australien, Finnland, Griechenland, Island, Neuseeland, Norwegen, Singapur, Südkorea und dem Vatikan. Für Hoffnung auf mehr Reisefreiheit sorgt die Idee eines europäischen Impfpasses, wie ihn Urlaubsländer wie Griechenland aber auch Österreich anstreben. Allerdings herrscht hier noch keine Einigkeit in der EU. In Österreich wurden bisher mehr als eine halbe Million Impfungen durchgeführt, davon haben rund 300.000 (3,97 Prozent der impfbaren Bevölkerung) die erste Dosis erhalten, knapp 200.000 Menschen auch die zweite Teilimpfung. Mehr auf: https://info.gesundheitsministerium.at/

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