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„Wir wollen bei der Kammerwahl Stimmenmehrheit erlangen“

Die neue Präsidentin des FORUM!pharmazie, Mag. Monika Aichberger, bereitet sich schon auf die Kammerwahlen im kommenden Jahr vor. Und auch sonst sieht sich die Oberösterreicherin als Querdenkerin, die neue Ideen auf den Weg bringt.

Mag. Monika Aichberger, Präsidentin des FORUM!pharmazie

Pharmaceutical Tribune: Frau Mag. Aichberger, Sie haben vor Kurzem die Präsidentschaft beim FORUM!pharmazie übernommen, gleichzeitig sind Sie auch die Vizepräsidentin der Landesgeschäftsstelle Oberösterreich der Österreichischen Apothekerkammer. Was waren Ihre Beweggründe?

Mag. Aichberger: Im Präsidium des FORUM!pharmazie arbeiten wir sehr stark als Team. Ich bin von Anfang an, seit ich berufstätig bin, beim FORUM!pharmazie und daher schon sehr lange in Körperschaften öffentlichen Rechts daheim. Hier möchte ich gerne die Arbeit meiner Vorgängerin fortsetzen und unsere Frauenpower noch mehr in die Standespolitik einbringen. Denn im FORUM!pharmazie arbeiten wir in einem sortenreinen weiblichen Führungstrio und es macht mir sehr viel Spaß, in diesem Team zu arbeiten.

Das FORUM!pharmazie steht dafür, den Berufsstand fit zu machen für die Zukunft. Gemeinsam an visionären Themen zu arbeiten war für uns immer schon wichtig und hier wollen wir uns wieder mehr einbringen.

Wir sind ein sehr junger Verein – es gibt uns heuer 21 Jahre. Unser Jubiläum wird allerdings coronabedingt wohl nicht gefeiert werden.

Was sind Ihre Ziele für die kommende Kammerwahl?

Fürs FORUM!pharmazie wünsche ich mir, dass wir unsere Funktionen behalten und unsere bundesweite Präsenz weiter ausbauen. Wir wollen bei der Kammerwahl Stimmenmehrheit erlangen, um unsere Arbeitskraft und unseren Schöpfergeist in der nächste Funktionsperiode voll einzubringen. Bei der letzten Kammerwahl hatten wir um ein Mandat zu wenig und der Gewinner hat alle Bundes-Funktionen für sich beansprucht, weil das Wahlsystem das zulässt. Derzeit stellen wir in sechs Bundesländern die Vertreter der angestellten Apotheker, bei der kommenden Kammerwahl werden wir in allen neun Bundesländern kandidieren.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit im FORUM!pharmazie?

Uns liegen die Interessen der angestellten Apothekerinnen und Apotheker natürlich sehr am Herzen. Wir wollen für unsere Mitglieder spürbar, erreichbar und greifbar sein. Wir wollen niederschwellig ansprechbar sein für die unterschiedlichen Fragestellungen, die sich im Apothekerleben ergeben und wir wollen unsere Mitglieder umfangreich beraten.

Ein zentrales Anliegen ist die Entwicklung nützlicher Materialien für Tara-Pharmazeutinnen und -Pharmazeuten, wie z.B. unsere Trockensaftliste oder ein Beratungsleitfaden zu den HIV-Selbsttests. Ich glaube, es gibt nur wenige Apotheken, die diese Liste nicht greifbar in der Rezeptur liegen haben.

Ein anderer unserer Schwerpunkte ist die Sicherung unseres Berufsstandes. Wir brauchen sichere Arbeitsplätze. Wir müssen die Apotheke als Institution im Österreichischen Gesundheitswesen noch stärker verankern. Damit man uns auch in Zukunft brauchen wird.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass unsere Mitglieder verlässliche Ansprechstellen brauchen, die eine fundierte Auskunft erteilen.

Ich sehe mich aber auch als Querdenkerin, die neue Ideen auf den Weg bringt und in der Praxis lernt, wie es gehen könnte. Hier kann ich sicher einiges von den Erfahrungen, die ich in Oberösterreich gesammelt habe, auf Bundesebene mit einbringen.

Sie waren bisher an einigen Präventionsprojekten federführend beteiligt. Werden Sie diese weiter ausbauen?

Ja, ich glaube, es ist ganz besonders wichtig, dass die Apothekerschaft in die Prävention eingebunden wird, weil das hilft, Kosten zu sparen und den Menschen bessere Lebensqualität bringt. Ganz nach dem Motto „Mehr gesunde Lebensjahre“.

Derzeit arbeite ich an einem Pilotprojekt zum Thema Multiple Sklerose. Das ist eine chronische Erkrankung, die vor allem junge Frauen betrifft und komplexe Arzneimittel-Therapien erfordert. Hier bin ich gerade dabei, mit der Österreichischen MS-Gesellschaft und Stakeholdern in Oberösterreich einen Lehrgang auf den Weg zu bringen, der Apothekern, die MS-Patienten betreuen, vertiefte Informationen anbietet und sie dadurch sicherer macht im Umgang mit Fragen, die MS-Patienten haben. Gerade für die Betroffenen und ihre Angehörigen sind wir eine Säule im Gesundheitswesen sind, die leicht ansprechbar und deshalb so niederschwellig erreichbar ist.

Auch unser Pilotprojekt mit Antiköperbestimmung bei COVID-Patienten ist sehr gut angelaufen. Wir machen sehr viele Messungen, die auch eine Pionierarbeit darstellen und demnächst publiziert werden. Das Projekt kann auch ausgebaut werden, da es sehr viele Parameter gibt, die in Screening- oder Präventionsprogrammen hilfreich wären.

Die Corona-Pandemie stellt Apothekerinnen und Apotheker vor völlig neue Herausforderungen. Wie hat sich die Pandemie aus Ihrer Sicht ausgewirkt?

Man muss hier unterscheiden. Apotheken in Innenstadtlagen oder Einkaufszentren leiden unter einem beträchtlichen Frequenzrückgang, wohingegen sich die Apotheke im ländlichen Raum als Nahversorger etabliert und ihren Stellenwert noch weiter ausgebaut hat. Wir waren immer da und waren eine sichere Auskunftstelle, ein Tröster, ein Ort, wo man bekannte Menschen trifft, in Zeiten, wo man niemanden treffen durfte.

Was in vielen Apotheken eine riesige Anstrengung erfordert, ist die Durchführung der COVID-Testungen und die Abgabe der kostenlosen COVID-Tests.

Insgesamt glaube ich aber, dass die Apotheke als Institution deutlich besser verankert ist als vor einem Jahr. Wir Apothekerinnen und Apotheker haben bewiesen, dass wir zur Stelle sind und rasch „funktionieren“, wenn das Gesundheitssystem erkennt, dass es die Apotheke braucht.

Beim Kollektivvertrag gab es einigen Unmut was die Corona-Prämie im KV betrifft, möchten Sie das näher ausführen?

Ich bin sehr unglücklich darüber, wie diese Corona-Prämien-Regelung gelaufen ist und dass sich die Kollektivvertrags-Partner für eine Stichtagsregelung entschieden haben. Dadurch sind eine ganze Menge arbeitender Kolleginnen und Kollegen durch den Rost gefallen, die z.B. in der zweiten Jahreshälfte in Karenz gegangen sind oder die als Springer in mehreren Apotheken arbeiten oder schuldlos arbeitslose Apothekerinnen und Apotheker, die am 16. Dezember nicht über die Pharmazeutische Gehaltskasse besoldet waren. Die Kritik adressiert an beide Kollektivvertragspartner. Es ist wirklich schade, dass wir uns als FORUM!pharmazie nicht einbringen können, denn eine derartige Ungerechtigkeit, löst bei vielen angestellten Kolleginnen und Kollegen verständlicherweise Frustration aus .

Wir haben sehr zeitnah einen Vorschlag des FORUM!pharmazie an die beiden Kollektivvertragspartner herangetragen und wissen bis heute nicht, ob bzw. wie dieser berücksichtigt werden wird. Wir haben uns bemüht, einen Antrag auf Sonderförderung für diese Kolleginnen und Kollegen möglich zu machen, denn für uns steht eine möglichst gerechte Lösung im Vordergrund. Der Zweck der Corona-Prämie ist sonst verloren gegangen. Ich habe gehört, dass 600 Apothekerinnen und Apotheker nichts oder nicht im vollen Ausmaß von der Corona-Prämie bekommen haben. Wenn das stimmt, läuft hier wohl einiges schief.

Vielen Dank für das Gespräch.

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