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Studie zu stillenden geimpften Müttern; Ö: Anlaufstellen für Long-Covid-Patienten geplant

++ Covid-19: Stillende geimpfte Mütter schützen ihre Säuglinge Anlaufstellen für Long-Covid-Patienten in Österreich geplant Marinomed: Carragelose könnte gegen Mutationen wirken Leichter Rückgang bei Intensivpatienten in Wien Sputnik soll erst nach EMA-Zulassung eingesetzt werden ++

Stillende geimpfte Mütter schützen ihre Säuglinge

Junge Mütter, die ihre Kinder stillen und gegen Covid-19 geimpft worden sind, dürften ihre Säuglinge über die Muttermilch vor Sars-CoV-2-Infektionen schützen. Das ist das Ergebnis einer neuen israelischen Studie, die vor kurzem im Journal der American Medical Association (JAMA) erschienen ist. An sich gibt es für viele Impfungen, wie auch für überstandene Infektionen, den Nachweis, dass von jungen Müttern gebildete Antikörper in die Muttermilch übergehen. Das macht das Stillen so wertvoll für Neugeborene. Für Covid-19-Impfungen gab es dazu bisher allerdings keine Daten.

Israelische Forscher um Sivan Haia Perl vom Pneumologie-Institut des Shamir Medical Center in Zerifin nützten die sehr früh begonnene Impfkampagne in ihrem Land mit dem Pfizer-BioNTech-Impfstoff aus. „Mit 20. Dezember begann Israel ein nationales Impfprogramm gegen Covid-19. Eine der dabei priorisierten Personengruppen waren Mitarbeiter des Gesundheitswesens, viele von ihnen auch stillende Mütter. Obwohl die klinischen Studien (zu der mRNA-Vakzine, Anm.) diese Personengruppe nicht umfassten und dazu auch keine sicherheitsrelevanten Daten publiziert worden waren, wurde stillenden Müttern, die zu Risikogruppen gehörten, zur Impfung geraten“, schreiben die Fachleute. Dementsprechend erhielten in Israel junge Mütter, die im Gesundheitswesen tätig waren und stillten, die zwei Teilimpfungen im Abstand von 21 Tagen, genauso wie andere Personen auch.

In die Studie wurden 84 Stillende aufgenommen. Muttermilchproben wurden vorher, nach der ersten und nach der zweiten Teilimpfung genommen und analysiert. Zum Zeitpunkt der Verabreichung der ersten Vakzine-Dosis waren die Kinder rund zehn Wochen alt. Nach der ersten Teilimpfung berichteten 56 Prozent der Mütter von Impfreaktionen, nach der zweiten Teilimpfung 62 Prozent. Zum überwiegenden Teil handelte es sich um die typischen Schmerzen an der Impfstelle, Müdigkeit oder vorübergehendes Fieber.

Der Effekt der Covid-19-Impfung zeigte sich schnell. „Der mittlere Wert der Anti-Sars-CoV-2-spezifischen Immunglobulin-A-Antikörper in der Muttermilch stieg schnell an und zeigte sich bereits zwei Wochen nach der ersten Vakzine-Dosis signifikant erhöht. Da waren 61,8 Prozent der Proben positiv. Das stieg bis zur vierten Woche (eine Woche nach der zweiten Dosis) auf 86,1 Prozent an“, so die Forscher. Nach sechs Wochen waren immerhin noch knapp zwei Drittel der Muttermilch-Proben IgA-positiv. Immunglobulin-A-Antikörper sind die schnellste Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion bzw. Impfung. Diese Antikörper verschwinden aber wieder. Ganz ähnlich war das bei den längerfristig schützenden Immunglobulin-G-Antikörpern (IgG), die man ja eigentlich mit einer Schutzimpfung, zusammen mit der Bildung von spezifischen Abwehrzellen, hervorrufen will.

Die Konzentration von Anti-Sars-CoV-2-spezifischen IgG-Antikörpern blieb in den ersten drei Wochen niedrig, jedoch mit einem Anstieg in Woche 4. Da waren dann 91,7 Prozent der Muttermilch-Proben positiv, nach fünf bis sechs Wochen waren es 97 Prozent. Die Antikörper, die man in der Milch fand, zeigten starke Virus-neutralisierende Wirkung. „Das deutet auf einen möglichen schützenden Effekt gegen eine Infektion von gestillten Babys hin“, heißt es in der Studie. (APA)

Anlaufstellen für Long-Covid-Patienten geplant

Rund zehn Prozent der Corona-Infizierten leiden auch Monate nach Beginn der Erkrankung noch an teils schweren Folgen von Covid-19. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) plant nun Anlaufstellen für diese Long-Covid-Patienten. Dafür werde zunächst ein Konzept entwickelt, Vorbild sei das britische Gesundheitssystem, sagte ÖGK-Chefarzt Andreas Krauter am Montag, 19.4., im Ö1-Morgenjournal. In England sollen bereits bis Ende April flächendeckend 83 Long-Covid-Zentren entstehen.

„Es ist sicherlich ganz notwendig, dass so eine Behörde oder so ein Ort geschaffen wird, wo die Patientinnen und Patienten sich erkundigen, informieren können. Wir haben das auch vor auf der Bundesländerebene“, sagte Krauter. „Wir haben ein riesiges Thema mit Post-Covid“, betonte er. „Es gibt Akut-Covid, das ist vier Wochen, dann das Ongoing-Covid-Syndrom bis zwölf Wochen und dann das Long-Covid mit über zwölf Wochen Krankheit. Und das fasst sich zusammen dann als Post-Covid-Zustand“, erläuterte der Leiter des Fachbereichs Medizinischer Dienst in der ÖGK.

Das Krankheitsbild sei sehr vielfältig, sprach Krauter von neurologischen und psychiatrischen Syndromen sowie Problemen an der Lunge oder am Herzen. Ein Drittel der Patienten, die auf Intensivstationen gewesen sind, sei nach einem Jahr nach wie vor nicht fähig, sich selbst zu versorgen oder wieder in ihrem Beruf zu arbeiten. „Auf der anderen Seite ist es ein Krankheitsbild, wo wir lernen müssen“, sagte der ÖGK-Experte. Es gebe generell noch ein Informationsdefizit und mangelnde Daten zur Anzahl der Long-Covid-Patienten und ihren jeweiligen Folgeerscheinungen.

Kritik kommt von Patienten, die von Chefärzten gesundgeschrieben wurden, obwohl sie das nicht sind, berichtete Maarte Preller, die eine Selbsthilfegruppe für Betroffene („Long Covid Austria“ auf Facebook) gegründet hat. „Es gibt einzelne Fälle, wo es Diskussionen darüber gibt, aber in der breiten Masse sind die Fälle noch gar nicht bei den Chefärzten angekommen“, sagte Krauter dazu. „Daher werden wir jetzt unsere Stellen in den Bundesländern entsprechend unterweisen, dass das gut wahrgenommen wird, und ich habe auch schon mit dem Ministerium dazu Kontakt aufgenommen, damit wir eine entsprechende Rahmenbedingung schaffen, dass diese Patienten auch über den langen Verlauf dieser Nacherkrankung gut betreut werden können.“ (APA)

Marinomed: Carragelose könnte gegen Mutationen wirken

Nasen- und Rachensprays sowie Lutschtabletten auf Carragelose-Basis könnten gegen die aktuell grassierenden SARS-CoV-2-Mutationen als Virusblocker funktionieren. Das zeigten Laboruntersuchungen zu den britischen, südafrikanischen und brasilianischen Varianten, teilte das Unternehmen Marinomed aus Korneuburg am Mittwoch, 21.4., mit. Jedoch sind auch für die Wirkung gegen den ursprünglichen Wildtyp des Coronavirus noch Daten aus klinischen Studien bei Pflegepersonal ausständig.

Marinomed habe für die In-vitro-Tests vier verschieden modifizierte Lentiviren eingesetzt, die das Spike-Protein des Wildtyps SARS-CoV-2 oder einer der Varianten B.1.1.7, B1.351 bzw. P1 trugen, wurde in der Aussendung erläutert. Carragelose konnte demnach alle vier Virus-Varianten bei Konzentration unter fünf Mikrogramm pro Milliliter inaktivieren.

„Mit unseren neuen Ergebnissen haben wir die Hypothese bestätigt, dass unsere Carragelose-basierten Produkte ihre Wirksamkeit gegenüber den aktuell häufigen Virusmutationen behalten“, betonte Eva Prieschl-Grassauer, Chief Scientific Officer bei Marinomed. Sie gehe davon aus, dass das Laborergebnis auch „in der Klinik gelten wird“.

Carragelose, ein Wirkstoff aus der Rotalge, bildet einen Schutzfilm auf der Nasenschleimhaut, die eindringende Viren umschließen, inaktivieren und so davon abhalten soll, Zellen zu infizieren. Gegen das Eindringen von gewöhnlichen, anderen Erkältungsviren als SARS-CoV-2 in den Körper sind von Marinomed bereits Nasensprays und Produkte für den Rachenraum auf dem Markt.

Ein Nasenspray mit Iota-Carrageen, das identisch mit Marinomeds patentiertem Wirkstoff Carragelose ist, hatte im Februar in einer kleinen von einer argentinischen Forschungsgruppe durchgeführten klinischen Studie signifikanten Schutz gegen Covid-19 bei Krankenhauspersonal gezeigt, das mit SARS-CoV-2 infizierte Patienten betreut. Ergebnisse von Studien mit Carragelose bei Pflegepersonal in Wien und Großbritannien könnten noch in diesem Quartal vorliegen. (APA)

Leichter Rückgang bei Intensivpatienten in Wien

In der Bundeshauptstadt Wien ist die Zahl jener Menschen, die sich aufgrund einer Coronavirus-Infektion in einem Krankenhaus befinden, gesunken. Laut Daten des Innen- und Gesundheitsministeriums waren am Mittwoch, 21.4., 652 Personen hospitalisiert, um 50 weniger als am gestrigen Dienstag. Davon benötigten 209 Personen intensivmedizinische Betreuung, um zwei weniger als am Vortag.

Einen deutlicheren Rückgang gibt es in den Spitälern bei einem Blick über einen längeren Zeitraum. Insgesamt befinden sich aktuell um 106 Personen weniger als noch vor einer Woche im Krankenhaus (minus 14 Prozent). Auch auf den Intensivstationen wurde ein Rückgang verzeichnet. Mit Stand Mittwoch befinden sich um 14 Personen weniger in intensivmedizinischer Betreuung als noch vor einer Woche. Das Minus beträgt 6,3 Prozent.

Der Wiener Gesundheitsverbund, Träger der städtischen Spitäler, der gemeinsam mit den Ordensspitälern die Betreuung von Covid-Patientinnen und -Patienten stemmt, sprach zuletzt von einer Stabilisierung der Patientenzahlen, wenngleich auf hohem Niveau. (APA)

Sputnik soll erst nach EMA-Zulassung eingesetzt werden

Die Regierung ist sich einig, eine Million Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik anzukaufen. Das teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag, 19.4., mit. Allerdings dürfte der Impfstoff erst zum Einsatz kommen, wenn er von der europäischen Arzneimittelagentur zugelassen wird. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein deutete dies am Montag nach seiner Angelobung an. Mückstein nannte Sputnik „gut“. Eine EMA-Zulassung als Voraussetzung sei ihm aber „wichtig“. Ohnehin könne man durch die schnellere BioNTech/Pfizer-Lieferung bis zum Sommer jeden impfen.

Im Kanzleramt verwies man darauf, dass das russische Vakzin schon in mehr als 50 Ländern zugelassen sei. Man hoffe daher auf eine rasche Zulassung durch die EMA. Denn jeder zusätzliche Impfstoff helfe Leben zu retten, Arbeitsplätze zu sichern und schneller zur Normalität zurückzukehren.

Alternativ zur EMA-Zulassung war in den vergangenen Wochen auch eine nationale Notfallzulassung überlegt worden. Ein entsprechendes Vorgehen hat etwa Ungarn gewählt. (APA)

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