Home / Politik / Allgemeinmedizin / Schuster, bleib bei deinen Leisten?! – Ein Blick über den nationalen Tellerrand

Schuster, bleib bei deinen Leisten?! – Ein Blick über den nationalen Tellerrand

Während der Präsident der Ärztekammer, Dr. Thomas Szekeres, die österreichische Apothekerschaft bittet, „bei ihren Leisten zu bleiben“ und uns Apothekern sogar die Kompetenz der Impfaufklärung und -beratung abspricht, ist Impfen in der Apotheke weltweit weder eine Neuheit noch eine Seltenheit.

In England dürfen Apotheker bereits seit zehn Jahren gegen Influenza impfen, seit 2015 auch gegen Herpes Zoster und Pneumokokken. Dort haben die Apotheker in der Grippesaison 2016/17 mehr als 800.000 Influenza-Impfungen verabreicht, in der Saison 2018/19 sogar mehr als 1,4 Millionen.

Mag. Karoline Sindelar, MSc
Landesvorsitzende Wien, FORUM!pharmazie

Neben einer Grundausbildung müssen zusätzlich noch alle zwei Jahre Auffrischungskurse für Injektionstechnik und Notfallmaßnahmen absolviert werden. In der Schweiz ist die Gesetzeslage je nach Kanton unterschiedlich, Apotheker dürfen gegen Influenza, FSME und Hepatitis A und B (Auffrischung) immunisieren. In einer statistischen Auswertung gaben 20 Prozent der in Apotheken geimpften Personen an, dass sie vorher noch nie gegen Influenza geimpft waren und 15 Prozent hiervon hätten sich – ohne die Möglichkeit der Impfung in der Apotheke – überhaupt nicht impfen lassen.

Medizinisch und gesundheitsökonomisch gesehen sind impfende Apotheker also auf jeden Fall zu befürworten. Großbritannien und die Schweiz sind allerdings bei Weitem nicht die einzigen Länder, in denen Apotheker Impfungen verabreichen, auch in Dänemark, Irland, Portugal, Kanada, Australien, den USA, Südafrika und Neuseeland dürfen Apotheker ihren Beitrag zum Schutz der Bevölkerung leisten. Im Hinblick auf die aktuelle Pandemie haben sich jüngst noch weitere Länder wie Italien und Frankreich dazu entschieden, Apothekern das Impfen gegen COVID zu genehmigen. Man kann also durchaus behaupten, dass Impfungen durch Apotheker bereits in sehr vielen Ländern dem Standard entsprechen – und das ohne nennenswerte Komplikationen oder sogar Todesfälle. Dr. Robert Steffen, der maßgeblich an der Ausbildung der Schweizer Apotheker beteiligt war, meint hierzu: „Apotheker, die diese Ausbildung absolviert haben, beherrschen das Impfen genauso gut wie Ärzte!“

LOGIN