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Zwei bis fünf Tassen Kaffee täglich schützen diverse Organe

Tasse Kaffee-Cappuccino mit grauem Laptop auf Holztisch. Geschäftskonzept

Ob im Kaffee, Tee oder in Softdrinks: Koffein ist weltweit mit Abstand die am häufigsten verwendete psychoaktive Droge. In Maßen genossen wirkt es gesundheitsfördernd. Doch mit den vor allem in Softdrinks enthaltenen hohen Dosen tun sich Konsumenten keinen Gefallen.

Die belebende Wirkung, die man an Koffein schätzt, wird ausgelöst durch die Blockade der Adenosinrezeptoren. So hemmt Koffein in mäßigen Dosen zwischen 40 und 300 mg die müde machende Wirkung von Adenosin, steigert damit die Wachheit und verkürzt die Reaktionszeit. Die Verschlechterung der kognitiven Leistung durch einen länger anhaltenden Schlafmangel lässt sich allerdings durch Koffein nicht kompensieren.

Da Koffein die Müdigkeit reduziert, kann Kaffeegenuß am Abend die Schlafqualität vermindern und bei empfindlichen Personen vor allem in Dosen > 400 mg/d Angst induzieren. Generell drohen toxische Effekte wie Ruhelosigkeit, Angst, psychomotorische Agitation und Schlaflosigkeit erst ab einer Menge von 1,2 g – die fatale Dosis liegt bei 10–14 g. Um diese zu erreichen, müsste man aber zwischen 75 und 100 Tassen Kaffee trinken, betonen Professor Dr. Rob M. van Dam von der Saw Swee Hock School of Public Health, University of Singapore und Kollegen. Relevanter sei das Toxizitätsrisiko bei Koffein-Tabletten, stark koffeinhaltigen Energydrinks und Shots, die wesentlich größere Mengen des Alkaloids enthalten – das gelte insbesondere für Jugendliche und in der Kombination mit Alkohol.

Bei Schwangeren ist eine hohe Koffeinzufuhr assoziiert mit einem geringeren Geburtsgewicht des Kindes und einer höheren Fehlgeburtsrate. Denn Koffein passiert die Plazenta und kann zu uteroplazentarer Vasokonstriktion und Hypoxie führen. Schwangere sollten deshalb nicht mehr als 200 mg Koffein konsumieren, für andere Erwachsene liegt das empfohlene Limit bei 400 mg.

Kein substanzieller Effekt auf den Blutdruck

Wie bei jeder Droge können kaffeesüchtige Gewohnheitstrinker Entzugssymptome entwickeln. Hierzu zählen Kopfschmerzen, Müdigkeit und depressive Stimmung. Solche Symptome erreichen nach einem bis zwei Tagen Abstinenz ihr Maximum und dauern bis zu 9 Tage an. Wenn man den Kaffeegenuss aus irgendwelchen Gründen beenden will, raten die Autoren, dies nicht abrupt zu tun, sondern allmählich. Dann gebe es weniger Probleme.

Auch wenn man um akute Effekte von Koffein weiß, sagen diese nichts über Langzeitwirkungen im Organismus aus, erklären Prof. van Dam und seine Kollegen. Denn bei Gewohnheitstrinkern entwickelt sich vielfach eine Toleranz. Beispielsweise steigt durch pures Koffein kurzfristig der Blutdruck. Doch das Trinken von Kaffee hat auch bei Bluthochdruckpatienten keinen substanziellen Effekt auf den RR gezeigt. Gleichzeitig war das Risiko, eine Hypertonie zu entwickeln, in prospektiven Kohortenstudien bei Kaffeetrinkern nicht erhöht.

Allerdings hat in randomisierten Studien ein starker Konsum von ungefiltertem Kaffee (median sechs Tassen pro Tag, zum Beispiel aus der French Press) im Vergleich zu Filterkaffee das LDL-Cholesterin um 17,8 mg/dl erhöht. Das entspricht einer 11 % höheren Wahrscheinlichkeit für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Zurückzuführen ist dies auf den Inhaltsstoff Cafestol, dessen Konzentration im ungefilterten Kaffee hoch und in gefiltertem Kaffee vernachlässigbar ist.

Viele prospektive Studien haben den Einfluss von Kaffee beziehungsweise Koffein auf das Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall untersucht. Ein erhöhtes Risiko konnte bei normalem Trinkverhalten – bis zu sechs Tassen am Tag – weder in der Gesamtbevölkerung noch bei Personen mit Hypertonie, Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen festgestellt werden. Im Gegenteil: Das kardiovaskuläre Risiko war sogar reduziert, am stärksten bei einem Konsum von drei bis fünf Tassen Kaffee pro Tag. Auch Vorhofflimmern steht nicht mit dem Koffeinkonsum in Verbindung.

Gleichzeitig hat Koffein möglicherweise einen positiven Einfluss auf die Energiebilanz, indem es unter anderem den Appetit reduziert und die nahrungsmittelinduzierte Thermogenese erhöht. Von dem möglichen gewichtsreduzierenden Effekt, der sich daraus ergibt, bleibt allerdings nicht viel übrig, wenn man Koffein in hochkalorischen Softdrinks oder gesüßtem Kaffee zu sich nimmt, betonen die Autoren. Zwar vermindert das Alkaloid kurzfristig die Insulinempfindlichkeit, allerdings ist dieser Effekt bei längerem Konsum (vier bis fünf Tassen täglich über sechs Monate) nicht mehr zu beobachten. Kohortenstudien haben sogar ein verringertes Risiko für einen Typ-2-Diabetes gefunden. Das galt sowohl für normalen als auch für entkoffeinierten Kaffee. Daher scheint sich entweder eine Toleranz zu entwickeln oder andere im Kaffee enthaltenen Substanzen wirken vermutlich in der Leber positiv auf den Glukosestoffwechsel.

Auf die Leber scheint Koffein sogar einen weiteren günstigen Effekt zu haben, indem es über die Adenosinrezeptorblockade der hepatischen Fibrose vorbeugt. In Tierstudien hemmte es sogar die Hepatokarzinogenese. Zusätzlich scheinen enthaltene Polyphenole über einen reduzierten oxidativen Stress und eine verbesserte Fetthomöostase die Leber zu schützen. Auch Gallensteine sind bei regelmäßigen Kaffeetrinkern seltener. Übrigens: Mit einem erhöhten Risiko für irgendeine Form von Krebs ist weder Koffein noch Kaffee assoziiert, wie aus zahlreichen prospektiven Kohortenstudien hervorgeht.

Ähnliche Studien haben auch eine starke inverse Assoziation zwischen Koffeinzufuhr und dem Risiko für eine Parkinson-Erkrankung gezeigt. Da dies für koffeinfreien Kaffee nicht zutrifft, muss in diesem Fall der neuroprotektive Effekt wirklich dem Koffein zugeschrieben werden.

Ein Kännchen am Tag senkt die Sterberate

Dass Kaffee gesund sein kann, zeigt auch der Blick auf die Mortalität: In großen Kohortenstudien war diese bei Konsum von 2–5 Tassen Kaffee pro Tag im Vergleich zu keinem oder einem höheren Kaffeekonsum geringer. Dies traf für koffeinhaltigen Kaffee ebenso zu wie für koffeinfreien. Möglicherweise können andere günstige phytochemische Stoffe im Kaffee dies erklären.

Van Dam RM et al. N Engl J Med 2020; 383: 369-378; doi: 10.1056/NEJMra1816604

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