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Gastkommentar

Wenn es einfach zu viel wird – Reden wir darüber!

Vergleichen wir einen Apothekenarbeitstag vor zwei Jahren mit einem der heutigen, so unterscheiden sich die beiden wahrscheinlich vielerorts ganz grundlegend.

Neben Glasscheiben und Masken werden wir fast tagtäglich mit neuen Vorschriften, Verordnungen und Regeln konfrontiert, die binnen kürzester Zeit umgesetzt werden müssen. Wir ApothekerInnen testen, drucken Impfpässe aus, verteilen Selbsttests, beantworten Fragen zu Impfungen, Impfterminen, QR-Codes etc. – und das neben unserer eigentlichen Aufgabe, der Beratung zu Arzneimitteln, deren Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Wir lösen Rezepte ein, kümmern uns um den Austausch von nicht lieferbaren Präparaten und finden auch im OTC-Bereich das jeweils passende Präparat.

Mag. Karoline Sindelar, MSc
Landesvorsitzende FORUM!wien

Natürlich ist es großartig, dass einige dieser Leistungen aus öffentlicher Hand honoriert werden, ohne an den Verkauf von Arzneimitteln gebunden zu sein! Schließlich stellt diese Honorierung einen Meilenstein in der Erweiterung und Anerkennung unserer Fachkompetenz dar und schafft den einen oder anderen zusätzlichen Arbeitsplatz.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass wir all diese Leistungen zusätzlich zu unserem bereits breitgefächerten Angebot anbieten, was unweigerlich zu mehr Stress und Hektik im Tara-Alltag führt. Hinzu kommt weiters, dass der Egoismus und das frustrierte, aggressive Verhalten mancher Kunden zeitweise weit über die Anstandsgrenze hinausgehen. So wurde mir zum Beispiel letzte Woche mit der Polizei gedroht, sollte ich mich weigern, einen Kunden (ohne Termin) augenblicklich zu testen, würden doch seine Freunde beim Stammtisch warten. Die anderen wartenden Kunden – mit gebuchtem Termin – wurden gekonnt ignoriert. Diese Geschichte ist sicher kein Einzelfall und Situationen wie die geschilderte kommen bestimmt vielerorts vor.

Natürlich helfen wir gerne und sind selbstverständlich bereit, den Kunden entgegenzukommen, allerdings kommt irgendwann der Moment, wo es einfach zu viel wird. Man kann nicht mehr abschalten, darüber lachen, positiv gestimmt bleiben und gute Miene zum bösen Spiel machen. Weil es in solchen Momenten hilft, darüber zu reden, hat das FORUM!pharmazie eine eigene Krisenberatung für Mitglieder ins Leben gerufen. In einem kostenlosen Erstgespräch helfen zwei Kolleginnen mit psychotherapeutischer Ausbildung und langjähriger Erfahrung in diesem Gebiet dabei, Krisen zu überwinden und die Freude am Tara-Alltag wiederzufinden. Nähere Informationen gibt es hier.

Mag. Karoline Sindelar, Msc

Landesvorsitzende FORUM!wien

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastkommentar, für den der jeweilige Autor verantwortlich ist; die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und Herausgeber wieder.

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