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Corona-Schutzimpfung: Wer setzt in Österreich den Stich?

Doktor, der eine ältere Frau impft. Virus Schutz. COVID-2019.

Sehr selten kommt es zu einer anaphylaktischen Reaktion oder sonstigen Notfällen nach einer Impfung gegen COVID-19. Dennoch werden diese dramatischen Situationen wiederholt zum Anlass genommen, dass Ärztekammer-Vertreter in Aussendungen betonen, ohne Ärzte seien keine sicheren Impfungen möglich (siehe Debatte: Soll in Apotheken geimpft werden?). Doch auch schon jetzt ist es Angehörigen anderer Gesundheitsberufe – nach ärztlicher Anordnung – erlaubt zu impfen, was in Österreich in Wien und zumindest in einem Flächenbundesland auch passiert. Die Redaktion fragte nach, wer in den öffentlichen Impfstellen/Impfstraßen tatsächlich den Stich setzt.

„Sie sind eigentlich Köche, Studierende oder Spitalsärzte: Täglich sorgen sie im Austria Center über 250 Mitarbeiter dafür, dass Wien durchgeimpft wird.“ So beginnt eine spannende Reportage in der „Presse“ (30.05.2021)*, die einen interessanten Blick hinter die Kulissen der größten Impfstraße wirft: Täglich bekamen im Mai 11.000 Impfwillige ihren Stich, bald sollten es 15.000 sein, die Kapazitäten liegen bei 30.000. Pensionierte Mediziner, Turnusärzte, Ärzte aus Praxen und Spitälern arbeiteten und arbeiten mit.

Austria Center: Vor und nach Impfung Ärzte am Zug

Doch nicht Ärzte, sondern Gesundheits- und Krankenpfleger würden in einer der 50 Impfboxen dann den Stich setzen. Nach zwei- bis dreiminütigen Arztgesprächen auf nebeneinander gereihten Stehtischen, die an „Speed-Dating“ erinnern, wie es die Reporterin ausdrückt. Im Wartebereich nach der Impfung sind wieder Ärzte am Zug: Ein Notarzt mit Sanitäterteam steht bereit, um im Ernstfall in Sekundenschnelle einzugreifen.

Dass DGKP in öffentlichen Impfstraßen impfen, dürfte jedoch eher die Ausnahme sein, wie eine Umfrage der Redaktion zeigte. Wir wollten von allen Landesregierungen/Impfkoordinatoren wissen, wer den Stich setzt und wie viele davon Ärzte, DGKP oder auch Sanitäter – die im Rahmen der Notfallverordnung auch impfen dürfen – sind.

Tirol: Aufklärung jedenfalls durch Arzt

Tirol antwortete am ausführlichsten, ließ jedoch auch auf Nachfrage genaue Zahlen bzw. die konkrete Durchführung offen: „Grundsätzlich“, so die Antwort, könnten – entsprechend den Vorgaben des Bundes – auch in Tirol die COVID-Impfungen von folgenden Personen- bzw. Berufsgruppen durchgeführt werden:

  • Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sowie Fachärztinnen und Fachärzte
  • Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner sowie Schulärztinnen und Schulärzte
  • Turnusärztinnen und Turnusärzte in Zusammenarbeit mit zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Ärztinnen und Ärzten
  • pensionierte Ärztinnen und Ärzte in Zusammenarbeit mit zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Ärztinnen und Ärzten
  • ausländische Ärztinnen und Ärzte in Zusammenarbeit mit zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Ärztinnen und Ärzten
  • Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger nach schriftlicher ärztlicher Anordnung

Die Aufklärung werde aber in jedem Fall von einem Arzt durchgeführt. Rettungs- bzw. Notfallsanitäterinnen und -sanitäter würden in Tirol „vor allem für die Nachbeobachtung“ eingesetzt (Update am 25.06.2021: „derzeit ausschließlich für die Nachbeobachtung“). Die berufsrechtlichen Voraussetzungen zur Durchführung der Corona-Schutzimpfung sind im „Erlass zur berufsrechtlichen Voraussetzungen zur Durchführung von COVID-19-Impfungen“ vom 03.12.2020 des Bundes geregelt, verwies das Land Tirol noch auf die gesetzliche Lage.

In mindestens sechs Bundesländern impfen ausschließlich Ärzte

In Oberösterreich und im Burgenland impfen an den Impfstraßen/-stellen „ausschließlich“ Ärzte, ließ der Krisenstab des Landes OÖ bzw. das Amt der Burgenländischen Landesregierung wissen. Auch in der Steiermark impfen „ausschließlich dazu befugte Ärzte auf den Impfstraßen“, so das Büro von Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Ähnlich die Antworten aus Kärnten (siehe Update unten) und aus zwei weiteren Bundesländern, in denen die Landesregierungen jedoch die Anfragen weitergeleitet haben.

Fürs Ländle antwortete die Ärztekammer: „In Vorarlberg impfen ausschließlich unsere Ärztinnen und Ärzte.“ In Salzburg antwortete das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK), Landesverband Salzburg, der im Auftrag des Landes die Impfstraßen organisiert: „In den Impfstraßen des Roten Kreuzes werden die Impfungen ausschließlich von Ärzten verabreicht.“ Die eingesetzten Rettungssanitäter seien als „Assistenz in den Impfstraßen inklusive der Nachbetreuung“ tätig.

In Niederösterreich impfen vor allem DGKP

In Niederösterreich wiederum werde die Aufklärung und Aufsicht durch „Mediziner“ durchgeführt, heißt es aus dem Büro von LR Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), „die Stiche erfolgen überwiegend durch DGKP, Sanitäter werden nicht für den Stich direkt eingesetzt“. Das Land betreibt die Impfzentren selbst.

Update am 25.06.2021: Kurz nach Redaktionsschluss haben Kärnten und Wien geantwortet. „In den offiziellen Impfstraßen des Landes Kärnten, die aktuell vom Roten Kreuz und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) betrieben werden, impfen ausschließlich Ärzte. Es gibt von der Ärztekammer eigens eine Zuständige, die die Ärzte aus dem Pool der Kammer lukriert und den Impfstraßen zuteilt. Da es sich dabei nicht immer um die gleichen Ärzte handelt, ist es sehr schwer eine Anzahl zu nennen“, ließ das Amt der Kärntner Landesregierung wissen.

Über die Situation in Wien – in der Bundeshauptstadt impfen alle drei Berufsgruppen – berichten wir hier detaillierter, inklusive Stellungnahme von Apothekerkammer und Gesundheitsministerium.

*https://www.diepresse.com/5986767/wer-wien-immunisiert-hinter-den-kulissen-der-grossten-impfstrasse

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