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„Gemeinsam aktiv gestalten“

Bei den Apothekern wird allseits gewählt. Nach den VAAÖ-internen Wahlen folgen nun die Apothekerverbands- sowie die Apothekerkammerwahlen – und auch in den Bundesländern stehen die entsprechenden Wahlen an. Dass trotz der Wahlkämpfe auch ein „Miteinander“ möglich ist, zeigen in der Steiermark die angestellte Apothekerin Mag. pharm. Petra Griesser und der selbständige Apotheker Mag. pharm. Dr. Martin Korsatko. Wie das geht, erläutern sie in unserem Interview.

Sie möchten in der Steiermark gemeinsam etwas bewegen. Warum?

Mag. pharm. Petra Griesser: Die Pandemiezeit hat uns alle an unsere Grenzen gebracht und uns viele zusätzliche Herausforderungen, Aufgaben und Belastungen „beschert“. Es sind aber auch verkrustete Strukturen aufgebrochen. Und durch unsere hervorragenden Leistungen in dieser Zeit haben sich Möglichkeiten und Chancen eröffnet, die wir unbedingt nutzen müssen. Denn generell werden die Zeiten – auch wenn wir COVID im Griff haben – nicht leichter werden. Unsere Tätigkeit wird noch vielschichtiger, die Arbeitsbelastung höher und der Konkurrenzkampf der Vor-Ort-Apotheke und damit auch der Kampf um unsere Arbeitsplätze werden zunehmen.

Mag. pharm. Dr. Martin Korsatko: Genau darum geht es: JETZT können wir die Weichen für die Zukunft unseres Berufes stellen. JETZT ist die Zeit, um aktiv Projekte voranzutreiben. Dieser Umbruch, diese Zäsur, die wir derzeit erleben, gibt uns wie noch nie die Möglichkeit zu gestalten, unsere Ideen und Vorschläge zu kommunizieren und ein Angebot an die Öffentlichkeit und die Politik zu sein. Wir haben gesehen, was wir mit unseren Leistungen erreichen können: nämlich, dass uns die Menschen vor den Vorhang holen. Wir sind ein wesentlicher Player in unserem Gesundheitssystem. Und deshalb müssen wir auch nicht zu allem Ja und Amen sagen.

Eine angestellte Apothekerin und ein selbständiger Apotheker – wie geht das zusammen?

Griesser: Indem man auf gleicher Augenhöhe und mit Respekt und Wertschätzung miteinander umgeht. Selbstverständlich gibt es Konfliktpunkte, z.B. wenn es um den Kollektivvertrag oder die Gehaltssprünge geht. Das liegt in der Natur der Sache. Aber hier kann in konstruktiven Gesprächen und Verhandlungen ein Konsens gefunden werden, mit dem alle leben können. Voraussetzung dafür ist, dass wir nie vergessen, dass wir einander brauchen. Ausreichend Arbeitsplätze gibt es nur in gesunden Betrieben; und gesunde Betriebe, die den Kunden und Patienten das volle Angebots- und Servicespektrum anbieten können, gibt es nur mit den angestellten Apothekern. Erst durch sie wird eine Apotheke zu einer Apotheke.

Wir Arbeitnehmer brauchen eine starke Interessenvertretung, das ist heute nicht anders als zu Beginn der Gewerkschaftsbewegung. Das haben wir alle im Rahmen der COVID-19-Krise mit Kürzungen, Kündigungen, Umstrukturierungen etc. gesehen. Der VAAÖ ist DIE Vertretung der angestellten ApothekerInnen und steht zu 100 Prozent hinter uns, auch und vor allem in stürmischen Zeiten. Und auch die Selbständigen brauchen eine Vertretung, die einerseits genug Erfahrung hat, andererseits aber auch eine konkrete Zielvorstellung, wie die Apotheke der Zukunft funktionieren kann.

Korsatko: Genau das. So brauchen wir dringend eine praxisbezogene Unterstützung bei den vielen Projekten mit hohem Verwaltungsaufwand, die derzeit auf uns einstürzen und die in Zukunft sicherlich nicht weniger werden. Eine Standesvertretung ist dazu da, die Apotheker an der Tara so weit freizuspielen, dass sie wieder Apotheker im wahrsten Sinne des Wortes sein können. Bei allen logistischen und Verwaltungsaufgaben müssen doch unsere Kunden und Patienten immer im Vordergrund stehen. Dazu haben wir studiert und dafür sind wir primär da. Unsere Standesvertretung hat hier viele Möglichkeiten, uns den Arbeitsalltag zu erleichtern, von einem gemeinsamen Stromliefervertrag bis hin zu Einkaufs- und Digitalisierungsagenden.

Wir Funktionäre sind Dienstleister für unsere Kollegen an der Tara. Deshalb muss es auch transparente Meinungsfindungsprozesse geben bzw. es muss für alle nachvollziehbar sein, weshalb wir wie agieren. Wir müssen über alles reden können, auch wenn es zu diversen Themen unterschiedliche Meinungen gibt. Und auch „Totstellen“ gilt nicht.

Die vom VAAÖ initiierte Resolution aufgrund der Kampagne der Ärztekammer ist ja nicht überall auf Begeisterung gestoßen …

Korsatko: Das ist ja das, was ich meine. Wir dürfen uns einen solchen Angriff auf unsere Seriosität und unsere Kompetenz nicht gefallen lassen. Das sind wir den KollegInnen schuldig, die Tag für Tag an der Tara ihr Bestes geben. Keine Stellungnahme dazu abzugeben, geht einfach nicht. Die Resolution ist eine wichtige Initiative, auch in Hinblick auf das Motto „Macht braucht Kontrolle“.

Griesser: Wir dürfen unsere großen Bemühungen aber auch nicht durch unseriöse Verkaufsartikel in der Apotheke ad absurdum führen. Damit verspielen wir unsere Glaubwürdigkeit und machen uns angreifbar, wie die Kampagne der Ärztekammer zeigt. Deshalb ist mir unsere Resolution, mit der wir eine Leitlinie zum Umgang mit alternativen Heilmethoden initiieren möchten, sehr wichtig. Wir müssen unsere hohe Versorgungsqualität halten und ausbauen; das geht nur mit unserer Expertise. An dieser Stelle möchten wir uns bei den vielen hunderten Kolleginnen und Kollegen bedanken, die die VAAÖ-Resolution unterschrieben haben.

Was sind Ihre Ziele, wo sehen Sie den Weg in eine sichere Zukunft für die Apotheker?

Griesser: Mein Ziel für die Steiermark ist, dass wir alle – Angestellte wie Selbständige – an einem Strang ziehen und nach außen hin einig auftreten. Unser Stand ist zu klein für unwichtige Querelen; es steht zu viel auf dem Spiel.

Wir müssen den Rückenwind, den wir durch unsere Verlässlichkeit, durch die Testungen und durch die diversen zusätzlichen Leistungen mehr als verdient haben, bestmöglich nutzen, um jetzt die Weichen zu stellen. Denn es wird auch eine Post-COVID-Zeit geben. Deshalb ist es für unseren Stand immens wichtig, dass wir unseren Tätigkeitsbereich in Richtung neue Servicetools wie die Medikationsanalyse, Impfen etc. erweitern und ausbauen. Nur so können wir uns unverzichtbar machen.

Korsatko: Es muss in vielen Bereichen etwas weitergehen; man denke an Aut idem, Weiterverordnungen, das Schnittstellenmanagement bei Spitalsentlassungen, Erleichterungen bei der Abgabe von gewissen Rx-Präparaten, diverse Aufwandsentschädigungen u.v.m. Wir müssen die Dinge sehen und anpacken, BEVOR sie zum Problem werden. Dazu muss man u.a. in der Politik gut vernetzt sein. Vor allem aber müssen wir eine enge Verbindung zur „Basis“, zu den Kollegen an der Tara halten. Petra und ich stehen Woche für Woche in der Apotheke und wissen, womit diese zu kämpfen haben. Dort muss die Standespolitik ansetzen. Nicht sie bestimmt, sondern die Apotheker, die unseren schönen Beruf „tragen“.  Es geht darum, ehrlich und gemeinsam an unserer Zukunft zu arbeiten und die Vor-Ort-Apotheke zu stärken.

Mag. pharm. Petra Griesser, Apothekerin in Fürstenfeld, Stmk., ist „neue“ „alte“ Landesgruppenobfrau des VAAÖ, des Verbandes Angestellter Apotheker, für die Steiermark

Mag. pharm. Dr. Martin Korsatko, Apotheker in Bärnbach, Stmk., ist im Vorstand des Österreichischen Apothekerverbandes und kandidiert gemeinsam mit Mag. pharm. Dr. Birgit Gallien-Lintschinger für die steirische Apothekerschaft.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastkommentar, für den der jeweilige Autor verantwortlich ist; die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und Herausgeber wieder.

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