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Gruß vom Schaf

Hinter „Sommergrippe“ kann Zoonose stecken

Etwa jedes zweite Q-Fieber verläuft asymptomatisch oder mild. Doch das ist kein Grund für Entwarnung: Bis zu 15% der akuten Infektionen werden chronisch.

Lustige Schafe. Porträt von Schafen, die Zunge zeigen.

Coxiella burnetii findet sich in der Wolle und in den Ausscheidungen von Schafen.

Man muss nicht einmal ein Schaf zu Gesicht bekommen haben, um am Q-Fieber zu erkranken, erläuterte Dr. Hilte Geerdes-Fenge von der Abteilung für Infektiologie und Tropenmedizin der Universitätsmedizin Rostock. Allein die Sporen des gramnegativen Erregers Coxiella burnetii, über Kilometer mit dem Wind herangetragen, reichen für eine Infektion aus. Noch größer ist die Infektionsgefahr bei Kontakt mit Urin, Fäzes oder kontaminierter Wolle befallener Schafe. Auch in der Milch der Tiere und in Rohmilchkäse können die mit den Legionellen verwandten Bakterien enthalten sein. Für die Infektion genügen weniger als zehn Keime, die Inkubationszeit beträgt zwei bis drei Wochen.

Wenn es kompliziert wird

Komplikationen der akuten Infektion mit Coxiella burnetii sind neben Pneumonie auch Hepatitis und – in seltenen Fällen – akute Myo- und Perikarditis. Menschen mit hohem Risiko für eine Chronifizierung sollten präventiv behandelt werden. Patienten mit Herzklappenanomalien sollten im Falle einer Q-Fieber-Infektion über zwölf Monate Doxycyclin plus Hydroxychloroquin erhalten. Da Schwangere bei einer Coxiella-burnetii-Infektion oder reaktivierter Erkrankung ein hohes Risiko für einen Abort oder eine Frühgeburt haben, wird eine präventive Therapie mit Cotrimoxazol über die gesamte Schwangerschaft hinweg empfohlen.

Es drohen Endokarditis, Osteomyelitis und Hepatitis

Etwa 50% der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mit milden grippeähnlichen Symptomen. Häufig bleibt die Ursache der Beschwerden erst einmal unklar. Schwerere Verläufe äußern sich als sogenannte Sommergrippe mit

  • hohem Fieber,
  • Gliederschmerzen,
  • heftigen retroorbitalen Kopfschmerzen,
  • Erbrechen und Diarrhö.

Dr. Geerdes-Fenge berichtete von einem 30-jährigen Kameramann, der seit sieben Tagen anhaltendes Fieber bis 40 °C hatte, dazu Kopf- und Gliederschmerzen, trockenen Husten, Nachtschweiß und dünnen Stuhl. Die Frage nach Auslandsaufenthalten oder Vorerkrankungen verneinte der Patient. Klinisch zeigten sich Tachykardie und Tachypnoe. Beim Auskultieren fanden sich feinblasige Rasselgeräusche links basal und Ruhedyspnoe.

Radiologisch ließ sich linksbasal eine Pneumonie bestätigen. Das Labor ergab Leukozytopenie und eine Hyponatriämie, stark erhöhtes CRP und Transaminasenerhöhung. „Wenn Sie jemanden mit einer Pneumonie und einer CRP- und Transaminasenerhöhung haben, sollten sie durchaus an eine Legionellose oder Ähnliches denken“, sagte der Kollege.

Unter Levofloxacin ging es dem Patienten schnell besser. Intensives Nachfragen, was genau er in den letzten Wochen gemacht habe, lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis: Der Mann hatte in der Lüneburger Heide einen Dokumentarfilm über Schafzucht gedreht. Die Serologie bestätigte dann auch eine akute Q-Fieber-Infektion mit stark erhöhtem Coxiella-burnetii-Phase-2-IgM und -IgG.

Zur Therapie der akuten Infektion wird Doxycyclin (2 x 100 mg für 2–3 Wochen) empfohlen. Dabei sind die Leberwerte zu kontrollieren, so Dr. Geerdes-Fenge, und der Patient muss auf die Gefahr einer Photosensibilisierung hingewiesen werden. Alternativ bieten sich Cotrimoxazol und Fluorchinolone der dritten Generation an. Möglich ist auch Azithromycin.

„Etwa 5–15% der akuten Krankheitsfälle werden chronisch“, erklärte die Referentin. Die Latenzzeit könne sechs Monate bis zehn Jahre oder länger nach Erstinfektion betragen. Als Folgen nannte Dr. Geerdes-Fenge Endokarditis (vor allem bei vorbestehenden Herzvitien), Vaskulitis, Osteomyelitis, Hepatitis und interstitielle Lungenfibrose. Gleichfalls möglich sind kryptogene organisierende Pneumonie (COP) sowie lang andauerndes oder rekurrentes Fieber. Therapiert wird über zwei Jahre mit Doxycyclin in Kombination mit einem Fluorchinolon (vorzugsweise der Gruppe 3 oder 4) oder mit Doxycyclin plus Hydroxychloroquin.

61. Kongress der DGP (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin), Online-Veranstaltung

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