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Beratungs-Check

Orthomolekularer Allrounder

Muskelkrampf, Nervosität, Kopfschmerzen: Die Einsatzmöglichkeiten für den Mineralstoff Magnesium sind bunt gefächert. Nützliches zur Beratung rund um den orthomolekularen Allrounder.

1. Definition

Ab dem Alter von 25 Jahren liegt der Tagesbedarf an Magnesium laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung bei 300mg täglich für Frauen und 350mg täglich für Männer.¹ Höhere Werte gelten für Schwangere und Stillende (310mg bzw. 390mg) und Personen zwischen 15 und 25 Jahren.¹ Im Österreichischen Ernährungsbericht 2017 erreichten 51,4% der Teilnehmer die empfohlene Magnesiumzufuhr nicht.²

1.1. Wichtige Funktionen von Magnesium

  • Regulation der neuromuskulären Erregbarkeit: Magnesium hemmt die calciumabhängige Acetylcholin-Freisetzung an der motorischen Endplatte, stabilisiert die Membranphysiologie und trägt zu einer ordnungsgemäßen Muskelkontraktion bei.³ Häufige Anwendungsgebiete sind daher Muskelkrämpfe, unwillkürliche Muskelzuckungen (Tics), muskuläre Verspannungen (und daraus resultierende Kopfschmerzen) sowie die Unterstützung sportlicher Aktivität. Auch bei Krämpfen der unwillkürlichen Muskulatur, wie Menstruationskrämpfen, kann Magnesium hilfreich sein.
  • Herz-Kreislauf-Funktion: Magnesium wirkt als physiologischer Gegenspieler von Calcium, es kontrolliert den Calciumeinstrom an der Zellmembran und unterstützt dadurch die Regulation des Kontraktionsablaufs und die Vasodilatation koronarer und peripherer Gefäße. Daher kann Magnesium zur unterstützenden Anwendung bei Bluthochdruck empfohlen werden, des Weiteren bei der koronaren Herzerkrankung, nervösen Herzbeschwerden, Palpitationen und tachykarden Arhythmien (CAVE: Herzrhythmusstörungen immer vorher ärztlich abklären lassen!).
  • Neurotransmitter- und Hormonhaushalt, Stressregulation: Magnesium ist beteiligt an der Regulation der zellulären Signalübertragung von Hormonen und Neurotransmittern sowie an der Freisetzung von Hormonen (z.B. Insulin) und Neurotransmittern (z.B. Dopamin, Glutamat). Es wirkt als physiologischer NMDA-Rezeptor-Antagonist (Hemmung exzitatorischer Aminosäuren) und bremst die Adrenalinausschüttung. Daher kann Magnesium bei Stressbelastung, Nervosität und Schlafstörungen eingesetzt werden.

1.2. Welche Patienten könnten eine Magnesiumunterversorgung aufweisen?

Magnesiumunterversorgung kann sich in vielfältigen Symptomen äußern. Folgende Beschwerden können einen Hinweis darauf geben, dass der Patient von Magnesiumsupplementierung profitieren könnte:

  • „Ich leide unter nächtlichen Wadenkrämpfen.“
  • „Ich habe unwillkürliche Muskelzuckungen/Tics.“
  • „Ich fühle mich gestresst, nervös, habe nervöses Herzklopfen, kann mich nicht beruhigen, schlafe schlecht.“
  • „Ich leide unter starken Menstruationskrämpfen.“
  • „Ich habe häufig Kopfschmerzen oder Migräne.“
  • „Ich betreibe viel Sport/Leistungssport.“
  • „Ich trinke regelmäßig Alkohol.“
  • „Ich nehme regelmäßig Diuretika oder Protonenpumpenblocker.“
  • „Ich habe Bluthochdruck oder eine koronare Herzerkrankung.“
  • „Ich leide an Diabetes.“

2. Tipps zur Magnesiumeinnahme

  • Bei nächtlichen Wadenkrämpfen sollte Magnesium abends eingenommen werden, da der Magnesiumspiegel nachts absinkt. Flüssigkeitszufuhr überprüfen! Kombinationen mit Kalium sprechen bei manchen Patienten besser an als Magnesium allein (länger bestehender Magnesiummangel führt durch die eingeschränkte Funktion der Na/K-ATPase auch zu Kaliumverlusten). Bei Muskelkrämpfen, die sich nicht auf Magnesium bessern, müssen andere Ursachen in Betracht gezogen werden (z.B. Mangel an Natrium, Calcium, Flüssigkeitsmangel, Durchblutungsstörungen, neurogene Krämpfe, Restless Legs: ärztliche Abklärung erwägen).
  • Ehrgeiziger Freizeitsport und Leistungssport führt zu vermehrten Magnesiumumsatz durch Muskelaktivität und Schwitzen, der Bedarf kann gegenüber dem nicht sportlich aktiven Menschen stark ansteigen (individuell z.B. auf 400–600mg täglich). Magnesiummangel führt zu verstärkter Krampfanfälligkeit, verminderter Energiebereitstellung und Leistungsfähigkeit sowie verlängerten Regenerationszeiten im Sport. Tipp: zusätzliche Einnahme von 150mg Magnesium bereits zwei Stunden vor dem Sport.
  • Bei Menstruationskrämpfen und beim prämenstruellen Syndrom sollte Magnesium mindestens ab der zweiten Zyklushälfte oder durchgehend supplementiert werden. Magnesium vermindert das Risiko diverser Schwangerschaftskomplikationen (z.B. vorzeitige Wehen, Präeklampsie), daher in der Schwangerschaft Magnesiumeinnahme mit dem betreuenden Frauenarzt besprechen.
  • Stressbelastung, Nervosität und Schlafstörungen: Psychischer und physischer Stress führen zu einem erhöhten Magnesiumbedarf. Magnesium gilt als beruhigender Anti-Stress-Mineralstoff, idealer orthomolekularer Kombinationspartner sind hier die B-Vitamine.
  • Herz-Kreislauf-System: Magnesium kann unterstützend bei Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung und nervösen Herzbeschwerden verwendet werden.
  • Als Migräneprophylaktikum wird Magnesium in einer Dosierung von 2 x 300mg entweder allein oder in Kombination mit Coenzym Q10 und Vitamin B2 verwendet, laut Leitlinie „Therapie und Propyhlaxe der Migräne“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist die wissenschaftliche Evidenz gering.⁴

3. Zu beachten

  • Als zweiwertiges Kation bildet Magnesium Komplexe mit diversen Arzneistoffen, z.B. mit Tetracyclinen, Gyrasehemmern, Penicillamin und Bisphosphonaten.⁵ Die Einnahme muss daher mindestens zwei Stunden zeitversetzt erfolgen.
  • Bei Nierenerkrankungen den Arzt befragen, da bei Niereninsuffizienz die Ausscheidung von Magnesium über die Nieren vermindert ist.
  • Im Vollblut liegen etwa 70% des Magnesiums in den Blutzellen und nur 30% im Serum vor. Normale Serumkonzentrationen schließen daher einen intrazellulären Mangel nicht aus.³
  • Hypomagnesiämien können als Nebenwirkung diverser Arzneistoffe auftreten, etwa durch Diuretika (v.a. Schleifen- und Thiaziddiuretika) oder Protonenpumpenhemmer.⁵ Magnesiummangel kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärken. Anwender dieser Arzneistoffe sollten besonders auf das Auftreten von Magnesiummangelsymptomen achten.

4. Tipps für die Anwendung

  • Für eine optimale Resorption sollte die Tagesdosis über den Tag verteilt eingenommen werden (maximale Einzeldosis 150mg).
  • Für die optimale Auffüllung der Speicher wird empfohlen, die Einnahme zumindest 3 Monate lang fortzusetzen.
  • Die häufigste Nebenwirkung von Magnesiumsupplementen ist die Diarrhoe. Möglichkeiten, um die Verträglichkeit zu verbessern, sind die Aufteilung der Tagesdosis auf mehrere kleine Einzeldosen, Einnahme zwischen den Mahlzeiten, Umstellung der Darreichungsform (z.B. feste Arzneiformen anstatt Brausetabletten) sowie ein Versuch mit einem anderen Magnesiumsalz (z.B. organische Verbindungen). Umgekehrt kann die Anwendung von Magnesium bei Obstipation versucht werden.
  • Organische Magnesiumverbindungen (z.B. Magnesiumcitrat, -aspartat, -orotat, -glycinat) sind leichter löslich als anorganische Verbindungen (Magnesiumoxid, -carbonat). Bei Patienten mit vermindertem Magen-pH-Wert (z.B. durch Protonenpumpenblocker) sollten bevorzugt die leichter löslichen Verbindungen verwendet werden.
  • Magnesiumreiche Lebensmittel sind zusätzlich empfehlenswert, z.B. Haferflocken, Sojabohnen, Vollkornreis, Nüsse und Samen, Hülsenfrüchte, magnesiumreiches Mineralwasser und grünes Gemüse.
  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, www.dge.de
  2. Österreichischer Ernährungsbericht 2017
  3. Gröber U., Mikronährstoffe, Metabolic Tuning, Prävention, Therapie; 3. AFL 2011, WVG Stuttgart
  4. S1 Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, DGN und DMKG, AWMF Reg. Nr. 030-057
  5. Austria Codex Fachinformation

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