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COVID-19

Gefälschte Impfzertifikate in Tirol: Staatsanwalt ermittelt

detaillierte Impfbescheinigung mit zweiter Covid-19-Impfung

Aufregung in Tirol um mutmaßlich gefälschte Impfzertifikate im Oberland: Bei einem hospitalisierten Patienten mit vermeintlichem Impfdurchbruch stellte sich heraus, dass er gar nicht geimpft war. Die Tirol Kliniken wurden daraufhin aktiv und schickten eine Mitteilung an die Gesundheitsbehörde und Staatsanwaltschaft. Diese veranlasste noch am selben Tag eine erste Vernehmung und inzwischen wird gegen „Verantwortliche der Apotheke“ ermittelt. Die Österreichische Apothekerkammer verweist auf die Verantwortung der Ärzte, die Ärztekammer Tirol will den konkreten Sachverhalt abwarten.

Der ZIB1-Bericht vom 17.11.2021 hatte es in sich: Demnach wurde Anfang November ein Mann mit COVID-19 ins LKH Hall eingeliefert – laut elektronischer Gesundheitsakte ELGA war er geimpft. Doch es stellte sich heraus, dass der Eintrag gefälscht sein dürfte, noch dazu „mutmaßlich kein Einzelfall“. Denn auf ORF-Anfrage teilte die Pressestelle der Tirol Kliniken mit, dass dies „in mehreren Fällen“ vorgekommen sein könnte, weshalb nun wegen einer möglichen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit eine „Mitteilung“ an die Gesundheits- und Ermittlungsbehörden gerichtet worden sei (gesamte Stellungnahme siehe Kasten).

Apotheker: Impfaktion für „Mitarbeiter, Angehörige und weitere Personen“

ORF-Recherchen zufolge soll es sich sogar um „mehrere Dutzend Personen“ handeln. Diese sollen in einer Apotheke in Landeck ein COVID-Impfzertifikat erhalten haben, ohne geimpft worden zu sein. Die Apotheke gehöre einem ehemaligen FPÖ-Funktionär, der aus der Partei ausgeschlossen worden sei. Dieser könne den Vorwurf jedoch nicht nachvollziehen. „Ich habe Anfang Oktober für Mitarbeiter, Angehörige und weitere Personen eine Impfaktion organisiert, geimpft hat eine Ärztin“, so der betroffene Apotheker in einer Stellungnahme gegenüber dem ORF.

Die Österreichische Apothekerkammer spricht in einer Aussendung am nächsten Tag, 18.11.2021, sogar von einer „Falschmeldung“. Die erhobenen Vorwürfe würden jeglicher technischer Grundlage entbehren, da Apotheker keine Schreibberechtigung im E-Impfpass haben. „Die Aufklärung, Durchführung und Eintragung der Impfung liegt allein in der Verantwortung der Ärzte.“

Mit der in der Apotheke angebotenen Möglichkeit, sich von Ärzten vor Ort impfen zu lassen, „wollten Ärzte und Apotheker dazu beitragen, die Impfquote zu steigern“, heißt es. Man wünsche „dem betroffenen Patienten“ alles Gute und hoffe, dass es ihm bald wieder besser gehen werde.

Tirol Kliniken nannten weder Apotheke noch Ärztin

Die Meldung sei an die Staatsanwaltschaft und die Gesundheitsdirektion Tirol ergangen, hieß es auf Nachfrage der Redaktion bei den Tirol Kliniken. Warum eine bestimmte Apotheke im Visier stehen soll, wisse man nicht: „Da wir keine Apotheke oder andere Impfstelle genannt haben, können wir dazu auch keine Stellung nehmen.“

Doch inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen „Verantwortliche der Apotheke“, wurden der Redaktion entsprechende Medienberichte bestätigt. „Wir stehen aber erst am Beginn“, sagt dazu Staatsanwalt Mag. Hansjörg Mayr, Leiter der Medienstelle. Und: Gegenstand dieser Ermittlungen sei auch, warum die Eintragung der Impfungen für ein Impfzertifikat von ärztlicher Seite „bestätigt“ wurden.

Ärztekammer Tirol will auf Sachverhalt warten

Warum just eine bestimmte Apotheke im Vordergrund stehe, habe mit den ersten Vernehmungen zu tun, die bereits am Mittwochabend stattfanden. Die Tirol Kliniken hätten nur eine sehr allgemeine Mitteilung geschickt – also ohne eine Apotheke zu nennen –, woraufhin die Staatsanwaltschaft umgehend das Landeskriminalamt mit Ermittlungen beauftragt hat.

Was die Impfärztin betrifft, sieht die Ärztekammer Tirol vorerst keine Veranlassung, tätig zu werden. Das sei auch nicht vorgesehen, da ohnehin ermittelt werde. Dr. Günter Atzl, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer Tirol: „Wir warten auf den konkreten Sachverhalt, der Hand und Fuß hat.“

ELGA GmbH: Apotheker können keine Impfungen in e-Impfpass eintragen

Die ELGA GmbH bestätigt in einer Aussendung am Donnerstag, 18.11.2021, dass Apotheken technisch keine Eintragungen in den e-Impfpass durchführen können: „Eintragungen von Impfungen im e-Impfpass könnten ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten oder Gesundheitseinrichtungen wie bspw. Krankenanstalten vorgenommen werden. Impfzertifikate werden auf Basis der Eintragungen im e-Impfpass automatisch erstellt.“

Apotheken könnten diese Impfzertifikate als Service ausdrucken, jedoch nicht selbst erzeugen.

Tirol Kliniken in einer Stellungnahme gegenüber dem ORF (ungekürzt):

„Wir haben auf der Intensivstation im Landeskrankenhaus Hall einen COVID-Patienten, der angibt, dass es im Tiroler Oberland bei der Durchführung, Dokumentation oder Zertifizierung von COVID-Impfungen zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Da der Anschein besteht, dass dies in mehreren Fällen vorgekommen sein könnte, haben wir uns wegen einer möglichen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit entschlossen, eine Mitteilung an die Gesundheits- und Ermittlungsbehörden zu richten.“

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