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Endlich den Impf-Turbo anwerfen

Es wird Zeit, dass die Politik auf unsere Hilfe beim Impfen der Bevölkerung zurückgreift. Unser Angebot ist nicht neu – die unmittelbare Dringlichkeit schon.

Apothekerinnen und Apotheker gehen – wohl zu Recht – davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch in Österreich das Impfen in der Apotheke erlaubt sein wird. Klar ist: Wichtig wäre es genau jetzt. Doch wir sind noch nicht so weit – zumindest politisch. Organisatorisch und mental sind wir voll gerüstet. Mehr als 1.500 Apothekerinnen und Apotheker stehen bereit, nachdem sie die vorgeschriebene Impf-Fortbildung absolviert haben. Und auch der Wille zum aktiven Impfen ist vorhanden. Es hapert halt (noch) an der Erlaubnis „von oben“. Übrigens: Mit diesem „von oben“ ist explizit die Regierung gemeint, und nicht andere Gesundheitsberufsgruppen, die sich berufen fühlen, über eine Ausweitung der Dienstleistungen von Apothekerinnen und Apothekern zu entscheiden – oder eine solche zu verhindern.

Mag. Christian Wurstbauer, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer

It’s now or – later

So sinnvoll es angesichts der Corona-Situation wäre, sofort mit dem Impfen in der Apotheke zu beginnen, so wenig ist das realistisch. Aber der Weg dorthin ist vorgegeben. Das zeigen zum einen die Beispiele aus mittlerweile fast 50 Ländern und Gebieten auf der ganzen Welt, zum anderen die jüngsten Entwicklungen in unserer geografischen Nachbarschaft. Erst am 18. November forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich einen „Booster-Turbo mit Auffrischungsimpfungen in den Apotheken“. Nur etwa zwei Wochen davor hatte die Regionalregierung von Südtirol die Ampel für das Impfen in den dortigen Apotheken auf Grün gestellt, das Argument laut dem Portal apotheke ad hoc: „Auch in Italien hinkt die Impfquote bei steigenden Inzidenzen. Das Land sucht daher ebenso nach einem Weg, schnell vielen Menschen eine Impfung zu ermöglichen – und hat nun die Apotheken gefunden.“

Wutausbruch vonseiten der Wissenschaft

Bleiben wir bei unseren Nachbarländern: Ende November platzte sogar dem Präsidenten des deutschen Robert Koch-Instituts Lothar Wieler angesichts der geringen Durchimpfungsrate und der Zwischenrufe der Ärzteschaft der Kragen: „Es muss jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen aufgrund von irgendwelchen Umständen nicht gestattet, zu impfen. Wir sind in einer Notlage.“ Wielers Statement schließe ich mich vollinhaltlich an: „Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff. Wir müssen nicht ständig etwas Neues erfinden. Alle diese Konzepte und Rezepte sind vorhanden.“

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastkommentar, für den der jeweilige Autor verantwortlich ist; die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und Herausgeber wieder.

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