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COVID-19-Schutzimpfung

Impfende Apotheker in immer mehr Ländern

Medizinische Geräte, Weichzeichner Haftverband an einem weiblichen Brachium nach der Impfung gegen Covid 19. Erste Hilfe. Medizin-, Apotheken- und Gesundheitskonzept.

In Deutschland sollen künftig Apotheker auch erstmals Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren gegen COVID-19 impfen dürfen. Zunächst war ab 18 Jahren geplant – doch der entsprechende Gesetzesentwurf wurde überarbeitet. In Südtirol impfen Apotheker schon gegen SARS-CoV-2, und zwar seit dem 2. November 2021. In Österreich stehen mittlerweile mehr als 1.500 Apotheker in der „Warteschleife“, bestätigt die Österreichische Apothekerkammer auf Anfrage der Redaktion und schlägt als ersten Schritt eine Modellregion vor.

Bereits im ersten Entwurf zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes planten die deutschen Ampel-Parteien neben einer Impfpflicht, dass auch Apotheker, Zahnärzte und Tierärzte ab Jänner 2022 erwachsene Personen gegen COVID-19 impfen dürfen – als befristete Maßnahme. Nun wurde der Gesetzesentwurf überarbeitet: Künftig sollen die genannten Berufsgruppen auch erstmals Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren impfen, berichtet die Pharmazeutische Zeitung am Nikolaustag. Das Gesetz könnte bereits in wenigen Tagen in Kraft treten.

Ergänzungsschulungen für Teenager-Impfungen

Dabei sollen Modellprojekte zur Grippe-Impfung (wie im Juli bereits berichtet) den Weg weisen und die Impf-Schulungen auch für die COVID-19-Impfung anerkannt werden. Dass nun auch Kinder ab 12 Jahren von Apothekern geimpft werden dürfen, wird damit begründet, dass der Impfstoff von BioNTech/Pfizer hinsichtlich Zusammensetzung und Dosierung bei Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen identisch ist. Allerdings seien „Ergänzungsschulungen“ für die Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren vorgesehen. Bei Impflingen ab 18 Jahren könnten alle Apotheker, die die Grippe-Impf-Fortbildungen absolviert haben, sofort loslegen.

Südtiroler Apotheker impfen seit Anfang November

Die Südtiroler Apotheker haben bereits losgelegt: Seit 02.11.2021 dürfen sie COVID-19-Schutzimpfungen verabreichen, verwies die Österreichische Apothekerkammer in einer Aussendung auf einen Bericht des Internetportals apotheke adhoc: Auch in Italien hinke die Impfquote bei steigenden Inzidenzen, weshalb das Land nach einem Weg gesucht habe, „schnell vielen Menschen eine Impfung zu ermöglichen – und hat nun die Apotheken gefunden“.

Die Österreichische Apothekerkammer hat diese Entwicklung im benachbarten Südtirol zu Anlass genommen, ihr Impf-Angebot an die Bundesregierung zu erneuern. „Das Impfen in der Apotheke ist der bei Weitem effektivste Weg, die Durchimpfungsrate zu erhöhen“, sagte Präsidiumsmitglied Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, „wir punkten mit langen Öffnungszeiten, auch Wartezeiten gibt es in der Apotheke praktisch keine. Die Impfberatung ist bereits bewährter Teil unseres Leistungsportfolios. Die Entwicklungen in vielen Nachbarländern zeigen: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, der Bevölkerung auch die Impfung in der Apotheke anzubieten.“

„Wo Apotheker Teil der Impfstrategie sind, impfen auch die Ärzte mehr als je zuvor“

Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 1.500 Apotheker eine entsprechende Impf-Fortbildung absolviert. Sie stünden „in der Warteschleife“, hieß es damals. Als ersten Schritt schlug die Standesvertretung der Apotheker vor, eine Modellregion zum Impfen in der Apotheke zu schaffen. Dies sei international üblich und ein erfolgreicher Weg, um erste Erfahrungen genau zu evaluieren. „Wo Apothekerinnen und Apotheker Teil der Impfstrategie sind, impfen auch die Ärzte mehr als je zuvor, das ganze Impfthema bekommt einen ‚Kick‘ und die Durchimpfung steigt signifikant“, betonte Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, ebenfalls Präsidiumsmitglied der Apothekerkammer.

Am 18. November 2021 hat die Apothekerkammer nochmals nachgelegt, warum sie die „Erlaubnis zum Impfen“ wolle. Es handle sich um eine nationale Notlage: „Wir schließen uns dem Statement von Prof. Lothar Wieler, dem Präsidenten des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), an, der heute in einer emotionalen Rede von der Regierung in Berlin die Impffreigabe für die Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland gefordert hat“, sagte Kobinger. Auch für Österreich gelte: „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Um das Impf-Tempo zu erhöhen, sollte auch in Apotheken geimpft werden.“

Schon über 1.500 stehen bereit, „es werden laufend mehr“

Mittlerweile seien es schon über 1.500 speziell ausgebildete Apotheker, informiert die Apothekerkammer auf aktuelle Nachfrage, „es werden laufend mehr“. Auch der Vorschlag einer Modellregion sei nach wie vor aufrecht – wie alles andere auch, man stehe weiterhin bereit.

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