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APOkongress Schladming

Wirtschaftliche Ertragskraft der Apotheken in Gefahr

Krisenmanagement, Teamwork-Konzept

Ein Fixpunkt des APOkongresses in Schladming ist die Präsentation des Wirtschaftsberichtes. Probleme macht den Apotheken im Moment vor allem der Personalmangel, die sinkende Spanne bei den Krankenkassenumsätzen und dass Umsatzzuwächse oft nur noch durch Hochpreiser erzielt werden können.

„Die Apotheken beschäftigen immer mehr Mitarbeiter“, erklärte Dr. Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer. So waren in den österreichischen Apotheken im Jahr 2021 erstmals 6.341 Apothekerinnen und Apotheker tätig. Dazu kommen 11.100 pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte, geprüfte Apothekenhelfer bzw. sonstiges Hilfspersonal. Kobinger führt diesen Anstieg vor allem auf die zusätzlichen Dienstleistungen durch die Pandemie zurück, für die mehr pharmazeutisches Personal benötigt wurde.

Betrachtet man die Jobsituation insgesamt, zeigt sich ein seit Jahren gewohntes Bild: In den Bundesländern, in denen man Pharmazie studieren kann, gibt es einen deutlichen Überhang von Stellenlosen gegenüber freien Stellen, in den anderen Bundesländern ist es umgekehrt. So gab es 2021 insgesamt 196 Stellensuchende Apotheker und 155 offene Posten. Kobinger berichtete, dass aktuell den ca. 300 offenen Stellen 130 bis 140 stellensuchende Pharmazeuten gegenüberstehen. Selbst in der Universitätsstadt Graz gibt es freie Apothekerstellen.

Ausgaben der Krankenkassen

Die rund 20,4 Milliarden Euro, die die Krankenkassen im Jahr 2020 ausgegeben haben, gliedern sich auf in rund 6,01 Mrd. für ärztliche Hilfe, 5,92 Mrd. für Anstaltspflege, 0,55 Mrd. für Verwaltungsaufwand, 3,94 Mrd. für Arzneimittel und 3,98 Mrd. für weitere Ausgaben. Zieht man von den ursprünglich 19,3 Prozent des Gesamtbudgets, das die Krankenkassen für Arzneimittel ausgeben, die Rezeptgebühr und die Mehrwertsteuer ab, bleiben nur noch 13,6 Prozent. Zieht man hiervon auch noch den Wareneinsatz ab, zahlen die Krankenkassen für die Apothekenleistung lediglich 2,2 Prozent ihres Budgets.

Kobinger kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Prognoseverhalten des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger. „Diese Prognosen sind immer so, dass man meinen könnte, es kommt ein annus horribilis, der Dachverband steht kurz vor der Pleite und die Defizite ufern immer mehr aus“, ärgerte sich Kobinger. „Am Jahresende sieht man dann in aller Regel, dass diese Befürchtungen nicht wahr geworden sind.“ Das einzige Jahr, in dem die Kassen tatsächlich in die roten Zahlen gerutscht waren, war das Jahr 2019, das Jahr, in dem die Kassenfusion mehr Mittel als vorab geschätzt benötigte. Auch im ersten Jahr der Pandemie hatte der Dachverband ein Minus von 175 Millionen Euro prognostiziert, es wurde dann ein Plus von rund 50 Millionen. Kobinger: „Für heuer sehen wir schon wieder fröhliche Defizite angekündigt, da werden wir einmal schauen müssen, wie das am Ende des Jahres wirklich aussieht.“

Umsätze im Kassenbereich

Durch die Pandemie erzielten die Apotheken in den letzten Jahren zum Teil sehr schwankende Umsätze im Kassenbereich. So hamsterten 2020 viele Menschen am Anfang der Pandemie Medikamente, „dafür war man dann im April und Mai unter Wasser“, so Kobinger. Über das ganze Jahr ergab sich dann beim Kassenumsatz ein Plus von 4,8 Prozent, 2021 konnte sogar ein Plus von 6,2 Prozent erzielt werden.

Was auf den ersten Blick wie ein verhältnismäßig großes Plus aussieht, wird wieder relativiert, wenn man hier die Umsätze der Hochpreiser von den „normalen“ Umsätzen trennt. So ergibt sich bei den Hochpreisern ein Plus von 12,8 Prozent und bei den Normalpreisern ein Plus von 0,2 (!) Prozent. Die Hochpreiser haben auch einen großen Einfluss darauf, ob eine Apotheke ein Umsatzplus erzielen kann oder nicht. So verzeichneten insgesamt 25 Prozent der Apotheken einen Umsatzrückgang. Sieht man sich nur die Arzneimittel mit einem AEP von unter 200 Euro an, haben sogar 50 Prozent der Apotheken einen Umsatzrückgang.

Apothekenvergütung neu verhandeln

In den letzten zehn Jahren (2011–2020) hatten die Apotheken einen Umsatzzuwachs beim Krankenkassenumsatz von 38,6 Prozent. „Sieht man sich die Vergütung der Apotheken an, bewegt sich die gleichbleibend bei 5,2 Prozent“, berichtete Kobinger. „Hier wird es unser Auftrag sein, diese Vergütungen neu zu verhandeln und neu aufzustellen, eventuell um Dienstleistungserträge anzureichern, damit wir wirtschaftlich tragfähige Apothekenbetriebe haben.“ Schon seit Längerem ist die Spanne bei den Kassenumsätzen im Sinken. So lag sie 2009 noch bei 18,6 Prozent, derzeit liegt sie bei 12,9 Prozent. „Wir können uns schon ausrechnen, wann wir bei null sind“, kommentierte Kobinger. „Hier muss etwas geschehen, denn sonst ist die Ertragskraft unserer Apothekenbetriebe in Gefahr.“

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