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COVID-19-Pandemie & die Zeit danach

EU-Gesundheitspolitik: Enkerl & Großeltern wünschen sich mehr Zusammenarbeit

Händedruck von zwei Personen auf dem Hintergrund der EU-Flagge. Diplomatie, Politik, Freundschaft. Vektorbild.

Gleich zwei Drittel der Jüngeren bewerten die europaweite Bewältigung der COVID-19-Pandemie mit „Eher gut“ bzw. „Sehr gut“. Das ist überraschend besser als ihre Elterngeneration, wo nur vier von zehn ein solches Urteil fällten. Überhaupt wollen 15- bis 24-Jährige – aber auch die Großelterngeneration – mehr Zusammenarbeit in der EU in puncto Gesundheit. Das zeigt eine Studie der Donau-Universität für Weiterbildung Krems in Kooperation mit der Universität Graz. Öffentliche Gesundheit könne nicht alleine eine nationale Aufgabe sein, betonte auch Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) anlässlich der aktuellen European Public Health Week.

Schon der kürzlich präsentierte Endbericht der EU-Zukunftskonferenz forderte, die Bereiche Gesundheit und Gesundheitsversorgung in die Zuständigkeiten aufzunehmen, die sich die EU und die EU-Mitgliedstaaten teilen. Doch was denkt man in Österreich darüber? Der zweite Teil einer mehrteiligen Studie* unter der Federführung des Research Lab Democracy and Society in Transition an der Universität für Weiterbildung Krems habe sich u.a. diesem Thema gewidmet, informierte die niederösterreichische Uni am 16. Mai 2022 in einer Aussendung.

Pandemie: Schlechte Noten eher von 45- bis 65-Jährigen

Die Online-Befragung (CAWI, Marketagent) fand zwischen 2. und 16. März 2022 statt und brachte, was die „Einstellungen zur (zukünftigen) europäischen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich“ betrifft, durchaus überraschende Ergebnisse:

  • Insgesamt bewertete knapp die Hälfte der 2.571 Befragten die europäische Zusammenarbeit während der Corona-Pandemie als „Eher gut“ (42 Prozent) bzw. „Sehr gut“ (5 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte hingegen antworteten mit „Eher nicht gut“ (39 Prozent) bzw. „Gar nicht gut“ (14 Prozent).
  • Im Detail gab es jedoch altersspezifische Unterschiede: Gut zwei Drittel der 15- bis 24-Jährigen bewerteten die Pandemiebewältigung als „Eher gut“ (57 Prozent) oder „Sehr gut“ (10 Prozent).
  • Bei den über 65-Jährigen ist es immerhin noch eine knappe Mehrheit (51 Prozent, davon 3 Prozent „Sehr gut“), die die europäische Zusammenarbeit positiv beurteilte.
  • Am wenigsten Anklang mit nur knapp 40 Prozent (davon 35 Prozent „Eher gut“) findet die Pandemiebewältigung bei den 45- bis 64-Jährigen. Knapp ein Fünftel fanden diese „Gar nicht gut“, der höchste Wert von allen Altersgruppen.

Auch 65+: Gemeinsame Gesundheitspolitik künftig ausbauen

Auffallend findet die Studienleiterin, Mag. Dr. Christina Hainzl, Leiterin des Research Lab, dass sich vor allem die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen durchgehend für mehr europäische und internationale Zusammenarbeit in der Gesundheitspolitik ausspricht: 55 Prozent der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen bejahten folgende Frage: „Sind Sie dafür, dass in Zukunft die Zusammenarbeit in der EU hinsichtlich einer gemeinsamen Gesundheitspolitik ausgebaut wird?“

Aber auch die Altersgruppe 65+ wünscht sich mehr Zusammenarbeit, mit 56 Prozent ähnlich viele wie bei den Jungen, wie ein Blick in die Studie zeigt. Über alle Altersgruppen hinweg war es hingegen nur knapp die Hälfte. Wieder waren es die mittleren Altersgruppen, die den Schnitt nach unten drückten: Bei den 25- bis 44-Jährigen bzw. 45- bis 64-Jährigen votierten jeweils nur 45 Prozent für mehr Ausbau der künftigen europäischen gesundheitspolitischen Zusammenarbeit.

Parteipräferenzen spielen eine Rolle

„Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Parteipräferenz eine wichtige Rolle einnimmt“, unterstreicht Hainzl. Bei Personen, die eine der beiden Regierungsparteien wählen würden, ist die Zustimmung nach mehr europäischer Zusammenarbeit am höchsten, nämlich 64 Prozent bei ÖVP-Wählern und 70 Prozent bei Grüne-Wählern. Obwohl für die NEOS Europa-Agenden ein Kernthema darstellen, heißt es weiter, sprechen sich deren potenzielle Wähler mit 60 Prozent vergleichsweise weniger stark für einen europäischen Ausbau aus. Bei möglichen SPÖ-Wählern sind es 63 Prozent. Die geringste Zustimmung kommt von FPÖ-Wählern, nur 34 Prozent befürworten mehr Zusammenarbeit auf EU-Ebene.

Allerdings ergibt sich ein anderes Bild, wenn es um die globale Gesundheitspolitik geht. Diese halten 54 Prozent der Befragten mit FPÖ-Präferenz für eher bzw. sehr wichtig. Aber auch hier ein großer Abstand zu den anderen Parteien: Bei den Grünen findet sich die höchste Zustimmung (95 Prozent eher/sehr), gefolgt von der ÖVP (91 Prozent), der SPÖ (90 Prozent) und den NEOS mit 83 Prozent.

Die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) spricht sich zudem für den Ausbau der internationalen Hilfe im Gesundheitsbereich aus. Wieder sind die Jungen bis 24 Jahre ganz vorne – mit 60 Prozent, gefolgt von der Generation 65+ mit 54 Prozent. Nur ein Fünftel der Jugendlichen sowie der Großelterngeneration verneint mehr internationale Hilfe, bei den anderen Altersgruppen ist es mehr als jeder Vierte.

Der Studie erster Teil: Ärzte genießen hohes Vertrauen

Der erste Teil der Studie, der ebenfalls gemeinsam mit der Universität Graz durchgeführt wurde, widmete sich übrigens den „Einstellungen zu Gesundheitspolitik“ in Österreich. Hier stellte sich heraus, dass 70 Prozent der Befragten denken, dass das österreichische Gesundheitssystem „alles in allem recht gut“ funktioniert. Jene 30 Prozent, die der Meinung sind, das System müsse „grundlegend umgebaut“ werden, konnten in einer offenen Frage antworten, was aus ihrer Sicht verändert werden sollte.

Gut jeder Fünfte nannte da den Personalmangel, insbesondere im Bereich der Kassenärzte und beim Pflegepersonal. Ebenso so viele sahen Verbesserungsbedarf bei Honoraren und Arbeitsbedingungen für Ärzte, Kassenärzte und Pflegepersonal. Jeweils 12 Prozent betrafen einerseits den Abbau der Zweiklassenmedizin sowie andererseits den Ausbau und die Vereinheitlichung von medizinischen Leistungen. Mehr Zeit für Patienten als auch weniger lange Wartezeiten für Termine führte knapp jeder Zehnte an.

„Offensichtlich hat die Bevölkerung ein hohes Bewusstsein für den aktuellen Personalmangel, die teilweise unzureichenden Honorare und die schlechten Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor und sieht, dass dies auch andere Faktoren wie Zeit und Präventionsmöglichkeiten beeinflusst“, analysierte Studienleiterin Hainzl in einer begleitenden Aussendung.

Die Studie zeigte auch, dass das Vertrauen in die Ärztinnen und Ärzte besonders hoch ist. 81 Prozent finden, die Aussage, Ärzte seien vertrauenswürdig, treffe „vollkommen“ (29 Prozent) bzw. „eher“ (52 Prozent) zu. Bei der Frage nach der häufigsten Informationsquelle fand Hainzl es überraschend, dass das Internet bzw. digitale Suchmaschinen mit 21 Prozent Nennung gar nicht an erster Stelle lagen. Vielmehr sind es die Ärzte, bei denen sich jeder vierte Befragte zu Gesundheitsthemen informiert (Mehrfachantworten waren möglich).

Weitere Teile der Studie, die aus vier Themenblöcken besteht, sollen dem Research Lab zufolge im Laufe des Monats veröffentlicht werden.

Public-Health-Motto in Europa: „Gesund durchs ganze Leben“

Derzeit findet auch die European Public Health Week statt. Unter dem Motto „Gesund durchs ganze Leben“ gibt es in ganz Europa vom 16. bis 20. Mai 2022 Veranstaltungen, die das Bewusstsein für die öffentliche Gesundheit schärfen und die Zusammenarbeit zwischen Fachleuten und den nationalen Public-Health-Gesellschaften fördern sollen.

Das diesjährige Motto bringe „das Ziel unserer Anstrengungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf den Punkt“, betont dazu laut APA Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). „Wir wollen gesunde Lebenswelten aller Generationen stärken und die Anzahl unserer Lebensjahre bei guter Gesundheit erhöhen“, fährt Rauch fort. Dabei würden die gegenwärtigen Herausforderungen wie Corona-Pandemie, Klimakrise, Digitalisierung u.v.m. „sehr deutlich“ machen, „dass das nicht alleine eine nationale Aufgabe sein kann, sondern zunehmend die Zusammenarbeit auf europäischer und globaler Ebene erfordert“.

Die European Public Health Week hat heuer ihre vierte Auflage und ist eine Initiative der Europäischen Vereinigung für öffentliche Gesundheit (EUPHA) in Kooperation mit dem WHO-Regionalbüro für Europa und den nationalen Public-Health-Gesellschaften. In den ersten drei Jahren fanden jeweils mehr als 140 Veranstaltungen in mehr als 30 europäischen Ländern statt – eine Zahl, die die Erwartungen der beteiligten Organisationen übertroffen habe.

Hierzulande organisieren u.a. die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG, siehe https://goeg.at/EUPHW_2022) und die Österreichische Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) Veranstaltungen in englischer und deutscher Sprache. Die ÖGPH nutzte auch zeitlich den Rahmen für ihre Jahrestagung, die am 17. Mai über die Bühne ging.

* Hainzl, C.; Juen, I.; Oberluggauer, P.; Emprechtinger, R.; Schernhammer, E.; Steiner, G.; Parycek, P.; Edelmann, N.; Dialer, D. 2022. Gesundheit, Forschung und Politik. Krems/Graz. Mehr unter:
www.donau-uni.ac.at/studie-gesundheit

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