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Novelle in Deutschland für Grippe-impfende Apotheker

Apothekerkammer fordert Startschuss für Impfen in Apotheken auch in Österreich

Ältere Frau zögert, eine Grippeschutzimpfung zu erhalten. Eine Ärztin oder Apothekerin verabreicht die Spritze.

Künftig können deutsche Apotheker neben COVID-19-Impfungen auch Vakzine gegen Influenza verabreichen, das erlaubt ein neues „Omnibusgesetz“. Die Österreichische Apothekerkammer verspürt Rückenwind und fordert erneut, auch hierzulande nachzuziehen. Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, pfeift die Apotheker einmal mehr zurück, diese sollten sich auf ihre Kompetenzen „besinnen“, er fürchtet um die Patientensicherheit. Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Präsidiumsmitglied der Apothekerkammer, betont jedoch, dass inzwischen über 1.600 „hochmotivierte“ Apotheker bestens ausgebildet seien – auch für spezifische Erste Hilfe.

In Deutschland werden Grippe-Impfungen in Apotheken bereits ab Herbst möglich sein. Eine entsprechende Ergänzung des Infektionsschutzgesetzes hat der Bundestag am 19. Mai 2022 beschlossen, und zwar als „Omnibusgesetz“: Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nutzte der Einfachheit halber das Pflegebonusgesetz (mit dem Bonuszahlungen für Pflegekräfte beschlossen wurden), um auch gleich die Impfungen in Apotheken gesetzlich zu verankern.

Über 100.000 Corona-Impfungen in deutschen Apotheken verabreicht

„Mehr als 100.000 Corona-Impfungen in den Apotheken haben gezeigt, dass Impfungen in den Apotheken genauso sicher sind wie in den Arztpraxen und bei entsprechendem Bedarf ganz selbstverständlich in Anspruch genommen werden“, betont Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), tags darauf in einer Pressemitteilung (20.05.2022). Die Apotheken in Deutschland stünden bereit, „die Impfangebote in den Haus- und Facharztpraxen ab der kommenden Grippesaison zu ergänzen“.

Bevor es im Herbst mit den Grippeschutzimpfungen losgehen könne, sei aber noch einiges zu tun, fährt Overwiening fort, u.a. würden noch ärztliche Fortbildungen absolviert sowie Abrechnungswege und Erfassungsprozeduren zu etablieren sein. In Deutschland gibt es wie berichtet seit 2020 Modellregionen mit Grippeschutzimpfungen in Apotheken. Die Menschen schätzen der ABDA-Präsidentin zufolge die „Verlässlichkeit“ ihrer Apotheke und dass diese „niedrigschwellig“ erreichbar ist. Sie ist auch überzeugt, dass die „viel zu niedrige“ Impfquote durch impfende Apotheker steigen wird.

Apothekerkammer fordert Impfberechtigung auch für FSME-Impfstoffe

Das führt auch die Österreichische Apothekerkammer in einer Aussendung anlässlich des deutschen Startschusses ins Treffen. „Es ist international erwiesen, dass durch das Impfen in der Apotheke deutlich höhere Durchimpfungsraten in der Bevölkerung erzielt werden“, erklärt Präsidiumsmitglied Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, warum die Apothekerkammer „grünes Licht“ zum Impfen in Apotheken auch in Österreich fordert.

Und zwar für mehr Impfstoffe als in Deutschland: Neben Corona- und Grippeimpfungen fordert die Standesvertretung der rund 6.800 Apotheker in Österreich auch die Berechtigung für Impfungen gegen FSME. Als Hauptargumente nennt Kobinger den wohnortnahen und niederschwelligen Zugang der Apotheken, die flächendeckende Verteilung, ein „über viele Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis zu Patientinnen und Patienten“ sowie „unsere kundenfreundlichen Öffnungszeiten“.

Durch impfende Apotheker würden auch Ärzte profitieren

Außerdem hätten die Ärzte auch etwas davon, führt Kobinger internationale Erfolgsbeispiele an: In Irland stieg seit dem Start der Grippeimpfung in den Apotheken die nationale Grippeimpfrate um 60 Prozent, auch die dortige Ärzteschaft verzeichnet um gut ein Viertel (27 Prozent) mehr Grippeimpfungen. „Das zeigt deutlich: Von einer Impfberechtigung der Apothekerinnen und Apotheker profitieren auch die Arztpraxen – eine klassische Win-win-Situation“.

Kobinger gibt auch zu bedenken, dass Österreich mit dem „ausstehenden Impf-Startschuss“ für Apotheker EU-weit zunehmend ins Hintertreffen gerät. So wird in Portugal bereits jede zweite Grippeimpfung in der Apotheke verabreicht. In Dänemark sind Impfungen seit 2021 in Apotheken möglich, seither stieg die Impfquote um ein Viertel. Frankreichs Apothekerschaft hat 2019 innerhalb von elf Wochen 2,3 Millionen Menschen gegen Grippe geimpft – knapp 27 Prozent aller Grippeimpfungen.

In Österreich ist laut Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, ebenfalls Präsidiumsmitglied, seitens der Apothekerschaft auf alles vorbereitet: „Mehr als 1.600 hochmotivierte Apothekerinnen und Apotheker in Österreich haben eine spezielle und nach internationalem Vorbild konzipierte Impf-Fortbildung absolviert.“ Sie müssten aber warten, weil sie von Gesetzes wegen nicht impfen dürfen.

Ärztekammer: „Dichtes Netz“ an niedergelassenen Ärzten macht den Unterschied

Geht es nach der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), dürften die Apotheker noch länger warten. Die niedergelassene Ärzteschaft signalisiere „volle Ablehnung“ für die „neuerliche Begehrlichkeit“ der Apothekerkammer, kommentierte Dr. Johannes Steinhart, ÖÄK-Vizepräsident und Niedergelassenen-Bundeskurienobmann. Zu den deutschen Entwicklungen stellt er klar: „Österreich verfügt im Gegensatz zu anderen Ländern über ein dichtes und leistungsfähiges Netz an wohnortnaher Gesundheitsversorgung durch niedergelassene Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sowie Fachärzte und Fachärzte.“

Apotheker würden „einen wertvollen Beitrag für den Impfschutz der Bevölkerung“ leisten, fährt Steinhart fort, „indem sie die Lagerung und die Abgabe von Impfstoffen managen. Das sind ihre Kompetenzen und darauf sollten sie sich besinnen“. Ärzte hätten andere Kompetenzen: „Wir kennen unsere Patienten, wir können die Impftauglichkeit dank unseres Studiums und der verpflichtenden Fortbildungen feststellen und auch bei seltenen Nebenwirkungen maximale Patientensicherheit garantieren. Zudem sind unsere Ordinationen sowohl von der Ausbildung als auch von der Ausstattung her auf Notfälle trainiert.“ Steinhart hält es zudem für „unnötig, für finanzielle Interessen der Apothekerschaft die Patientensicherheit zu gefährden“.

Jede Impfung könne von Ärzten „jederzeit ausreichend in jeder beliebigen Anzahl“ angeboten werden, ergänzt Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des ÖÄK-Impfreferates. Auch die FSME-Impfung zeige mit ihrer international herausragenden Impfquote, „dass wir hier sicher keine Unterstützung von Apothekern mit Schnellsiederkurs in Impftechnik brauchen“.

Impf-Fortbildung: Alle relevanten Bereiche „bestens“ abgedeckt

„Unser Impf-Fortbildung umfasst alle wesentlichen Aspekte, von der Beurteilung der Impfeignung über die Beratung und die Injektion bis hin zur Nachsorge“, wird Ergott-Badawi in diesem Zusammenhang nicht müde zu betonen, „besonderes Augenmerk legen wir im Praxisteil auf die Injektionstechnik und spezifische Erste Hilfe.“ Somit würden alle relevanten Bereiche rund um das Thema Impfen „bestens“ abgedeckt.

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