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Wie gesund fühlt sich Österreich?

Umfrage: Gesundheitszustand hat sich bei einem Drittel verschlechtert

Computertastatur mit farbigen Tasten, die positive und negative Emotionen von rot über gelb bis grün zeigen

Die Mehrheit der Österreicher schätzt ihren Gesundheitszustand zwar als gut ein, allerdings hat er sich im letzten Jahr bei 30 Prozent verschlechtert. Corona spielt nach wie vor eine große Rolle, mehr als die Hälfte der Befragten ist daran erkrankt. Und besonders Jugendliche sind psychisch stark belastet.

Diese und weitere Erkenntnisse gehen aus einer repräsentativen Online-Umfrage unter 1.000 Österreichern zwischen 16 und 70 Jahren hervor, die das Gallup Institut im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung im Zeitraum 25.–31. Juli 2022 durchgeführt hat, wie Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen, bei der Präsentation der Ergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz erklärte.

Ihren aktuellen körperlichen und mentalen Gesundheitszustand bewerten rund 60 Prozent der Befragten als gut bis sehr gut. Dem gegenüber stehen 30 Prozent, deren gesundheitliche Verfassung sich im Verlauf der letzten zwölf Monate verschlechtert hat, vor allem im körperlichen Bereich: Etwa jeder Dritte berichtet von einer Verschlechterung seines körperlichen Gesundheitszustandes, jeder Vierte von einer Verschlechterung des mentalen Befindens. Außerdem korreliert der jeweilige körperliche sowie mentale Zustand mit der Haushaltsgröße – so fühlen sich Menschen, die allein wohnen, weniger gut als jene, die in Mehrpersonenhaushalten leben – und mit dem Alter, da Jüngere sich naturgemäß gesünder fühlen als Ältere. Als Grund für die Verschlechterung werden primär Belastungen im Alltag sowie die Pandemie und ihre Auswirkungen genannt.

43 Prozent der Befragten mit Kindern bis 18 Jahre im Haushalt sehen eine deutliche Belastung von Kindern und Jugendlichen, vor allem in der Altersgruppe der 15- bis 18-Jährigen. Ein Fünftel der Eltern berichtet zudem von einer Verschlechterung des psychischen Befindens bei ihren Kindern in den letzten zwölf Monaten. In Haushalten mit niedrigem Bildungsniveau ist die Situation besonders schwierig.

Corona-Erkrankungen und Impfverhalten

53 Prozent der Befragten sind in den letzten zwölf Monaten an Corona erkrankt, 7 Prozent davon sogar mehrfach. Besonders stark betroffen von einer Coronaerkrankung waren Frauen (58%), Jüngere bis 35 Jahre (65%) sowie die ländliche Bevölkerung (58%). 39 Prozent der Genesenen berichten, an Symptomen von Long Covid zu leiden, vor allem an körperlicher Erschöpfung und mentaler Antriebslosigkeit.

Was die Corona-Impfung betrifft, geben 69 Prozent an, vollständig geimpft zu sein. Diese Zahl entspricht allerdings nicht den Tatsachen, da Ende Juli laut offiziellen Zahlen nur 56 Prozent der Bevölkerung geimpft waren. Dies sei darauf zurückzuführen, so Gabriele Reithner, Studienleiterin des Gallup Instituts, dass ein Teil der Befragten die sozial erwünschte Antwort gibt und nicht wahrheitsgemäß antwortet. 16 Prozent outen sich als Impfskeptiker. 58 Prozent der Geimpften sind bereit, sich im Herbst weiter impfen zu lassen, wenn es eine Empfehlung des Nationalen Impfgremiums gibt; es sind dies v.a. ältere Männer mit höherer Bildung. 80 Prozent jener mit einer positiven Impfeinstellung sind auch zu jährlichen Corona-Impfungen bereit.

Interesse an Alternativmedizin und privater Vorsorge

Alternativ- und Komplementärmedizin ist für 69 Prozent von Bedeutung, besonders für ältere Frauen auf dem Land. Dabei liegen Homöopathie (42%), Bachblüten (25%) und Akupunktur (25%) auf den vorderen Rängen. Das Interesse an diesen Formen der Medizin ist bei 27 Prozent der Befragten im letzten Jahr gestiegen, vor allem bei jungen Frauen.

In puncto Gesundheitsbewusstsein achten 35 Prozent jetzt mehr auf ihre Gesundheit, wobei Frauen mit 38 Prozent vorne liegen. 29 Prozent der Befragten haben ihre Ernährung verbessert, die Mehrheit (61%) hat aber nichts verändert. Mehr Sport betreiben nur 15 Prozent, während 46 Prozent sich gar nicht sportlich betätigen.

Dem österreichischen Gesundheitssystem stellen insgesamt 56 Prozent der Befragten ein positives Zeugnis aus, 2021 sind es allerdings noch 68 Prozent gewesen. Gleichzeitig nehmen 31 Prozent eine private Gesundheitsvorsorge in Anspruch, das Interesse daran ist vor allem in der Gruppe der 16- bis 35-Jährigen gestiegen. Die meistgenannten Gründe für den Abschluss einer privaten Gesundheitsvorsorge waren lange Wartezeiten auf Termine bei Kassenärzten (63%), wenig Zeit, die Kassenärzte für Patienten zur Verfügung haben (51%), steigende Selbstbehalte für Leistungen (47%), Leistungseinschränkungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (40%) und schwere Bewilligung von Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (29%).

Pressekonferenz der Wiener Städtischen Versicherung, 7.9.2022

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