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Ein guter KV-Abschluss unserer Branche

Wenn die Inflation auf ein Niveau klettert, wie wir es in Österreich zuletzt in den 1970er Jahren hatten, dann ist das eine schwierige Ausgangslage für Kollektivvertragsverhandlungen. Dementsprechend aufmerksam wurden die diesjährigen Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite in den unterschiedlichen Branchen verfolgt. Egal ob bei den Metallern, im öffentlichen Nahverkehr oder im Handel – überall wurde von den Gewerkschaften ein deutliches Gehaltsplus gefordert und letztlich auch erreicht. In der Metallindustrie wurde mit einem durchschnittlichen Plus von 7,4 Prozent abgeschlossen, im Handel – wo zuvor Warnstreiks in den Raum gestellt wurden – mit 7,3 Prozent und bei den ÖBB gab es nach einem 24-stündigen Streik eine Anhebung der Gehälter um 480 Euro.

Mag. pharm. Thomas Veitschegger
Präsident des Österreichischen Apothekerverbands

Die KV-Verhandlungen für Pharmazeutinnen und Pharmazeuten haben sich hiervon deutlich unterschieden – im Verlauf und im Ergebnis. Als Arbeitgebervertretung war unser Zugang klar: Die Apotheken haben selbst mit genau denselben Teuerungen zu kämpfen wie die Beschäftigten (Stichwort Strom- und Gaspreise), können die gestiegenen Kosten allerdings nicht, wie andere Branchen, über die Preisbildung abfedern – sind doch die Preise für Arzneimittel gesetzlich geregelt. Bei diesen Voraussetzungen muss bei einer allfälligen Erhöhung der Schemagehälter äußerst umsichtig vorgegangen werden, soll die wirtschaftliche Grundlage der Betriebe und damit die Jobsicherheit der Beschäftigten nicht gefährdet werden. Unser Ziel war daher, die nachhaltig wirksame Erhöhung der Schemagehälter in einem moderaten Ausmaß zu halten. Das ist letztlich auch gelungen: Die Schemagehälter der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten werden ab 1.1.2023 um durchschnittlich 5 Prozent angehoben. Das wird durch eine steuerfreie Teuerungsprämie ergänzt, die auf das Jahr 2023 befristet ist. Gerade „Einmalzahlungen“ – also Zahlungen, die die Schemagehälter nicht dauerhaft erhöhen – sind für Arbeitnehmervertretungen ansonsten ein rotes Tuch. Wir konnten das durchsetzen – und zwar mit gutem Grund: Nur so konnte sichergestellt werden, dass die Betriebe auch in Zukunft gut wirtschaften können und kein Personal abbauen müssen. Und damit haben wir eine gute Ausgangsbasis für die kommenden Jahre geschaffen.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastkommentar, für den der jeweilige Autor verantwortlich ist; die Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und Herausgeber wieder.

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