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Back to normal?

Der Höhepunkt der C-Krise ist überwunden, wir hoffen ja, dass es keinen zweiten geben wird, aber das ist eher unwahrscheinlich laut internationalen Expertentum. Dazwischen schwankt die Menschheit zwischen einer neuen Normalität (was genau ist das??) und  dem Wunsch, die alte wiederherzustellen (wollen wir das wirklich?).

Dass wir uns auch in der Apotheke auf diesem Grat befinden, merken wir einerseits an wieder recht üblichen Besucherströmen, andererseits auch an verändertem Verhalten in verschiedensten Formen.Zwar gibt es immer noch Anfragen nach Masken und Desinfektionsmitteln, da sie aber inzwischen keine Mangelware mehr darstellen und wir gefühlt ganz Meidling in den letzten Wochen damit versorgt haben, sinkt das Interesse daran, wiewohl die Maske jetzt natürlich Pflicht ist an vielen öffentlichen Orten. Was steigt, ist die Lust an Zusatzkäufen. Das beginnt damit, dass Menschen, die gern telefonisch bei uns bestellen oder reservieren lassen, am Telefon fragen: „ Was haben sie denn grad so im Angebot? Gibt es irgendwelche neuen Kosmetika?“ Oder auch, beim live Einkauf: „Dann hätte ich noch gern Proben.“  „Wofür? Gesicht oder Körper? Spezielles Hautproblem?“ frage ich rück. Die Antwort lässt viel Spielraum offen: „Ach, egal. Geben Sie mir irgendetwas.“

Kunden, die schon immer einen harschen Ton uns gegenüber anschlugen, können das jetzt noch besser. So wie jener Mann, der sich frech in unsere Ladezone direkt vor den Eingang stellt, während unsere Chefin zeitgleich mit ihm einfährt und zig Liter magistrale Flüssigkeiten meterweit schleppen darf, weil er auf ihren Zuruf abweisend reagiert. „Aber geh! A eigene Ladezone hat niemand! I geh da jetzt einkaufen…“ Sprach´s und schritt seelenruhig zur Tara, während Frau Chef ihm fassungslos nachschaute.

Am meisten freut mich aber, dass die üblichen skurrilen Meidlinger Tarastories wieder auftauchen: Kommen zwei junge hübsche Frauen zu mir und fragen nach Wasserstoffperoxidlösung. Ich bringe ihnen prompt unsere Abfüllung mit dreiprozentiger Lösung zum Gurgeln. Interessiert nehmen sie das Fläschchen in die Hand und studieren eifrig das Etikett. Auf meine Frage, ob ich helfen könne, nicken sie: „Haben Sie die auch in höherer Konzentration?“ „Was möchten Sie denn damit tun?“ „Naja, wir haben im Wald einen Wildschweinschädel gefunden. Er ist zwar schon ohne Fleisch, aber wir möchten ihn gern noch ein bisschen bleichen, weil er so gelb ist….“ Irgendwie passt in meinem Kopf die Vorstellung so einer Tätigkeit mit diesen beiden anmutigen Geschöpfen nicht wirklich zusammen, aber  man soll ja seine Vorurteile überwinden. So erkläre ich ihnen, was es mit Konzentration, Lizenzen und Gebrauchsanwendung auf sich hat. Ihr Gesicht leuchtet erst wieder auf, als ich frage: „Kennen Sie vielleicht einen Jäger? Vielleicht kann ihnen der behilflich sein.“ „Ja, das machen wir. Wir haben einen Freund, der jagt.“

Nicht jedes Erlebnis ist so erfreulich. Eine Kollegin berichtet auf Social Media, dass sie im Nachtdienst nach Öffnen der Klappe mit den Worten „Ihr seids ja alles Trotteln“ begrüßt wurde, weil sie eine Maske trug. Auffällig ist auch, dass ausgerechnet bei uns wenig kontaktlos bezahlt wird. Und dann gibt es die gebührenbefreiten Menschen, die trotzdem ihre paar Cent für ein Sackerl zahlen wollen u jene besser Situierten, die deswegen mit mir diskutieren. Normal hat uns fast wieder…

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