Home / Lernwelt / Apothekerfortbildung / MM-Kompakt / MM-Kompakt: Anticholinerge Nebenwirkungen

MM-Kompakt: Anticholinerge Nebenwirkungen

Bei Frau R. summieren sich durch die Kombination anticholinerg wirksamer Arzneimittel die zentralen Nebenwirkungen und die Gefahr anderer UAW steigt. Wie gehen Sie vor?

Login

Frau R. kommt in die Apotheke

Frau R., 75 Jahre, leidet seit vielen Jahren unter Diabetes mellitus Typ 2, Hypercholesterinämie, Hyperthyreose und Dranginkontinenz.

Ihre Dauermedikation:

Metformin 850 mg                    1-0-1
Thyrex® 75 mcg                        1-0-0
Tolterodin (Detrusitol®) 2 mg    1-0-1
Crestor® 20 mg                          0-0-1

Seit einiger Zeit ist ein chronischer, generalisierter Juckreiz aufgetreten, der sie besonders in der Nacht stark quält und zu Schlafstörungen geführt hat. Der Hausarzt hat ihr Noctor® (Diphenhydramin 50 mg) verordnet. Da daraufhin keine ausreichende Besserung auftritt und die quälende Situation Frau R.s Nerven bereits stark strapaziert, ent- schließt sie sich, einen Dermatologen aufzusuchen. Dieser verordnet:

Neriforte® Creme 30,0
Ultrasicc® ad 100,0 für 7–10 Tage
Excipial® U Lipolotio 500 g für die Dauerpflege
Balneum® Hermal plus zum Baden/Duschen
Atarax® FTBL 25 mg (Hydroxyzin) 3 x 1

Frau R. führt die Therapie wie vorgesehen durch, jedoch fühlt sie sich zusehends müde und schwindlig. Besonders der Schwindel macht ihr Sorgen, da sie vor einiger Zeit bereits einmal gestürzt ist. Auf der Suche nach einem Mittel gegen den Schwindel spricht sie in der Apotheke vor. Obwohl sie sich derzeit sehr schwer konzentrieren kann und auf Nachfrage ihre Dauermedikamente miteinander verwechselt, fällt ihr ein, dass sie vor vielen Jahren einmal kurzfristig Vertirosan® 50 mg Dragees (Dimenhydrinat) gegen Schwindel eingenommen hat. Diese möchte sie nun wieder kaufen.

Wie ist am besten vorzugehen?

Hinweis: Die im MM-Fall genannten Fertigarzneimittel hat das MM-Lecture-Board beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Lerntext & Auflösung

Bei Frau R. summieren sich durch die Kombination anticholinerg wirksamer Arzneimittel die zentralen Nebenwirkungen und die Gefahr anderer UAW steigt. Wie gehen Sie vor? (Pharmaceutical Tribune 13/2018)

1. MM-Check für Frau R.

  • Beim vom Hausarzt verordneten Noctor® handelt es sich um ein H1-Antihistaminikum der ersten Generation, das sowohl als Antiallergikum/Antihistaminikum als auch als Hypnotikum/Sedativum eingesetzt werden kann. Es eignet sich daher als Arzneimittel bei Schlafstörungen, die von Juckreiz und allergischen Reaktionen begleitet sind, und wurde vom Hausarzt offensichtlich genau deshalb ausgewählt. Wie alle H1-Antihistminika der ersten Generation ist Diphenhydramin zentralgängig und besitzt anticholinerge Nebenwirkungen (die daraus resultierende Nebenwirkung „Müdigkeit“ wurde in diesem Fall zur erwünschten Wirkung).
  • Das vom Dermatologen verordnete Atarax® (Hydroxyzin) ist ein Anxiolytikum, aus dem als Hauptmetabolit das Antiallergikum Cetirizin gebildet wird. Es eignet sich daher zur symptomatischen Therapie von Angststörungen genauso wie zur Behandlung von Pruritus. Hydroxyzin besitzt einausgeprägtes anticholinerges Nebenwirkungspotenzial. Die Fachinformation von Atarax® weist darauf hin, dass das Risiko für derartige Nebenwirkung bei älteren Patienten verstärkt sein kann. Atarax® wird daher für ältere Patienten nicht empfohlen, und wenn, dann sollte die Dosis auf maximal 50 mg pro Tag (2 x 1) begrenzt werden.
  • Frau R. nimmt eine höhere Dosis Atarax® als für ihre Altersgruppe vorgesehen ist. Außerdem besteht bereits eine Vormedikation mit einem H1-Antihistaminikum (Diphenhydramin), sodass die anticholinergen Nebeneffekte sich potenzieren. Als zusätzlicher Faktor kommt die Anwendung von Tolterodin (Detrusitol®) dazu: Das als urologisches Spasmolytikum verwendete Antimuskarinikum wirkt natürlich ebenfalls anticholinerg, wozu sich die neu verordneten Medikamente nun hinzusummieren.
  • Die Abgabe von Vertirosan® (Dimenhydrinat) wäre hier einerseits aufgrund des Rezeptpflichtstatus nicht möglich, andererseits aufgrund der vorbestehenden Medikation kontraproduktiv. Es ist wahrscheinlich, dass die von Frau R. gezeigten Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Schwindel durch anticholinerge Nebenwirkungen der inadäquaten Medikamentenkombination entstanden sind. Frau R. sollte so schnell wie möglich ihren Hausarzt aufsuchen, um dies mit ihm zu besprechen.
  • Zu bedenken ist auch, dass sich bei der Kombination dieser anticholinerg wirksamen Stoffe nicht nur die zentralen Nebenwirkungen summieren, sondern auch die Gefahr anderer Nebeneffekte wie Harnverhalt ansteigt. Außerdem müsste das Risiko einer QT-verlängernden Wirkung in dieser Kombination evaluiert werden.

2. FAQs Anticholinerge UAW

? Wie äußern sich zentrale anticholinerge Nebenwirkungen?

So profitieren Sie von Pharmaceutical-Tribune.at

  • Apothekerfortbildung & MM-Kurse
  • Beratungshilfe für Ihren Arbeitsalltag
  • Aktuelle Fachartikel, State-of-the-Art-Beiträge, Experteninterviews

Melden Sie sich jetzt an & bleiben Sie top-informiert!

Quiz

So profitieren Sie von Pharmaceutical-Tribune.at

  • Apothekerfortbildung & MM-Kurse
  • Beratungshilfe für Ihren Arbeitsalltag
  • Aktuelle Fachartikel, State-of-the-Art-Beiträge, Experteninterviews

Melden Sie sich jetzt an & bleiben Sie top-informiert!

LOGIN

Login

Passwort vergessen?