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MM-Kompakt: Wenn der Kreislauf schlappmacht

Herr G., ein Typ-2-Diabetiker, bekam vor drei Wochen einen SGLT2-Hemmer verschrieben. Er nimmt noch einige andere Medikamente und heute geht es ihm gar nicht gut.

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Herr G. kommt in die Apotheke

Herr G., 70 Jahre, ist ein Stammkunde der Apotheke und in Dauerbehandlung wegen Diabetes, Bluthochdruck und Depressionen. Im Verlauf einer sommerlichen Hitzewelle kommt er an einem sehr heißen Tag in die Apotheke. Er gibt an, sich völlig erschöpft und schwindlig zu fühlen, und bittet um eine Blutdruckmessung. Der Wert ist mit 95/70 mmHg ungewöhnlich niedrig für Herrn G., dafür zeigt sich der Ruhepuls mit 102 Schlägen pro Minute auffällig hoch. Der Kunde ist kaltschweißig und fühlt sich gar nicht gut.

Das Apothekenpersonal zieht internistische Notfälle wie einen Herzinfarkt oder ein plötzlich aufgetretenes Vorhofflimmern in Betracht. Da der Hausarzt von Herrn G. gerade auf Urlaub ist, kommt man überein, den Kunden zum nächstgelegenen Arzt zu begleiten. Dieser ruft eine Viertelstunde später an und bittet um eine vollständige Medikamentenliste aus der Kundenkartei. Herr G. hat bei ihm auch angegeben, seit kurzem ein neues Blutzuckermedikament zu nehmen, das ihm nicht einfallen will.

Die Medikamentenliste lautet wie folgt:
Blopress® plus 16 mg/12,5 mg       (Candesartan/HCT)     1-0-0
Thrombo® ASS 100 mg                  (ASS)                           0-1-0
Crestor® 10 mg                               (Rosuvastatin)             0-0-1
Glucophage® 1000 mg                   (Metformin)                  1-0-1
Cipralex® 10 mg                             (Escitalopram)              1-0-0
Trittico® 150 mg                              (Trazodon)                   0-0-0-2/3
Forxiga® 10 mg                               (Dapagliflozin)             1-0-0 (neu seit 3 Wochen)

Ein Herznotfall konnte vom Arzt ausgeschlossen werden. Nun stellt sich die Frage, ob Herrn G.s Kreislaufproblem mit einer medikamentösen Nebenwirkung/Interaktion zusammenhängen könnte. Welche könnten das sein, insbesondere in Hinblick auf Dapagliflozin, den SGLT2-Hemmer, den Herr G. erst seit kurzem einnimmt?

Hinweis: Die im MM-Fall genannten Fertigarzneimittel hat das MM-Lecture-Board
beispielhaft und wertfrei für die enthaltenen Wirkstoffe bzw. -kombinationen ausgewählt. Die genannten Produkte stehen damit für alle vergleichbaren Präparate.

Lerntext & Auflösung

Herr G., ein Typ-2-Diabetiker, bekam vor drei Wochen einen SGLT2-Hemmer verschrieben. Er nimmt noch einige andere Medikamente und heute geht es ihm gar nicht gut. (Pharmaceutical Tribune 15/2018)

1. MM-Check für Herrn G.

  • Dapagliflozin hemmt selektiv und sehr potent den Natrium-Glucose-Cotransporter 2 (SGLT2) in der Niere. Dies ist der Haupttransporter, der für die Reabsorption von Glucose aus dem glomerulären Filtrat zurück in den Kreislauf verantwortlich ist. Aufgrund dieses Wirkmechanismus kommt es, abhängig von der BlutglucoseKonzentration und der Nierenfunktion (GFR), zur therapeutisch erwünschten Glucoseausscheidung über den Harn.
  • Dies ist allerdings mit einer osmotischen Diurese, gesteigerten Harnmenge und vorübergehenden Natriurese verbunden. Ein Abfall des Blutdrucks kann die Folge sein. Etwa 1,1 % der Behandelten erleiden Nebenwirkungen, die in Zusammenhang mit einem Volumenmangel stehen: Dehydrierung, Hypovolämie oder Hypotonie.
  • Bei älteren Patienten (über 65 Jahre) ist das Risiko für einen Volumenmangel erhöht, dementsprechend erleiden mehr Behandelte aus dieser Altersgruppe Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Hypovolämie.
  • Durch additive diuretische Effekte kann die Kombination mit Diuretika aus der Gruppe der der Thiazid- und Schleifendiuretika das Risiko für einen Volumenmangel unter der Behandlung mit Dapagliflozin verstärken. Dehydrierung und Hypotonie können die Folge sein.
  • Die Anwendung von Dapagliflozin in Kombination mit einem Schleifendiuretikum wird nicht empfohlen. Ebenfalls gilt dies für Patienten mit einem bestehenden Volumenmangel, wie er etwa im Gefolge von MagenDarm-Infekten mit massiven Flüssigkeitsverlusten der Fall sein kann.
  • Bei Herrn G. liegen mehrere Risikofaktoren für einen Volumenmangel vor: Das höhere Lebensalter,
    die Therapie mit einem Thiazid-Diuretikum (Hydrochlorothiazid) sowie der gesteigerte Flüssigkeitsverlust über den Schweiß durch die hochsommerlichen Temperaturen könnten zu dem beschriebenen Zustandsbild beigetragen haben.

Fazit:

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