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Von Brexit bis Pharmakovigilanz

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat vor Kurzem den Jahresbericht für 2018 vorgelegt. Im Zentrum stand zwar der Brexit, doch auch sonst war man im Vorjahr nicht untätig. (Pharmaceutical Tribune 11-12/19)

Das Jahr 2018 war für die Europäische Arzneimittelagentur EMA eine Herausforderung. Hauptthema war – wie könnte es anders sein – der Brexit und der damit verbundene Umzug der Agentur nach Amsterdam. Um das zu bewerkstelligen, wurden nicht weniger als 82 Mitarbeiter abgestellt, um sich ausschließlich dem Brexit und dem Umzug zu widmen. Dass diese Vorbereitungen Ressourcen verschlangen, beklagt auch Guido Rasi, Executive Director der EMA, im vor Kurzem vorgelegten Jahresbericht für 2018. So mussten einige Projekte zurückgestellt werden, um alles andere stemmen zu können.

Als ein Beispiel von vielen nennt er einerseits die Verschiebung der Deadlines für die Richtlinien zur Entwicklung neuer Medikamente für Hämophilie A und B und andererseits die Verschiebung der dringend benötigten Upgrades für die IT-Infrastruktur der EMA. Die Vorbereitungen auf den Brexit selbst schreiten voran, wie DI Dr. Chrstia Wirthumer-Hoche, Vorsitzende des EMA-Management- Boards in ihrem Vorwort zum Jahresbericht betont. So wurden bereits 370 zentral zugelassene Arzneimittel, bei denen England Rapporteur war, auf andere Länder verteilt. „Es besteht kein Zweifel, dass die Expertise von UK im Netzwerk fehlen wird, aber wir arbeiten hart daran, die Lücke zu füllen“, so Wirthumer-Hoche.

Arzneimittelzulassungen

Hauptaufgabengebiet der EMA war natürlich die Zulassung von Arzneimitteln. So wurden im Jahr 2018 im Bereich Humanmedizin insgesamt 84 neue Arzneimittel zugelassen, 42 davon mit einem neuen Wirkstoff. Unter diesen neuen Zulassungen waren z.B. Amglidia, ein Arzneimittel zur Behandlung von Diabetes mellitus bei Neugeborenen, Kleinkindern und Kindern, oder MepseviiTM zur Therapie der Mukopolysaccharidose Typ 7.

Arzneimittel mit Priorität

Bereits im März 2016 hat die EMA eine neue Maßnahme für die Entwicklung bestimmter Arzneimittel eingeführt, um Patienten, für deren Erkrankungen es bisher noch keine Therapiemöglichkeit gibt oder die bessere Behandlungsmöglichkeiten benötigen, einen früheren Zugang zu Arzneimitteln zu ermöglichen. Konkret beginnt im Rahmen der sogenannten PRIME-Plattform (PRIority MEdicines) die Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Zulassungsbehörde in einem sehr frühen Stadium. Um den administrativen Aufwand, der mit der Zulassung einhergeht, möglichst gering zu halten, bringt sich die Behörde auch beratend ein und hilft, den geeignetsten regulatorischen Pfad auszuwählen.

Im Juni 2018 war es dann so weit: Die ersten beiden Arzneimittel, die von PRIME unterstützt worden waren, erhielten eine positive Zulassungsempfehlung des CHMP (Committee für Medicinal Products für Human Use). Kymriah® (Tisagenlecleucel) und Yescarta® (Axicabtagen-Ciloleucel) gehören zu einer neuen Generation personalisierter Immuntherapien (CART-Zell-Therapien). Die beiden Arzneimittel basieren auf genetisch veränderten autologen T-Zellen und sind zur Therapie von bestimmten Arten von Blutkrebs zugelassen. Seit dem Start von PRIME verzeichnete die EMA 215 entsprechende Ansuchen, von denen 48 (22 Prozent) akzeptiert wurden. Bis Dezember 2018 gab es 40 Kickoff- Meetings mit erfolgreichen Bewerbern.

Pharmakovigilanz

Ein wichtiges Thema war die Arzneimittelsicherheit. So gab es am 13. Juni 2018 das zweite Public Hearing der EMA. Dabei konnten die 69 Teilnehmer, darunter 40 Patienten, ihre Meinung zu Chinolonen und Flourchinolonen abgeben. Als Folge dieser öffentlichen Anhörung empfahl die EMA die Aufhebung der Arzneimittelzulassung für Medikamente aus der Gruppe der Chinolone (Cinoxacin, Nalidixinsäure, Pipemidsäure) und Flumequin sowie die Einführung von Einschränkungen in der Verschreibung der verbleibenden Flourchinolone. Zusätzlich wurden die Fach- und Gebrauchsinformationen um den Hinweis auf die schweren Nebenwirkungen versehen, um die Patienten darauf hinzuweisen, die Therapie bei den ersten Anzeichen von Nebenwirkungen abzubrechen. Insgesamt war die Detektion von Nebenwirkungen ein wichtiges Thema. So gingen 2018 2.204 potenzielle Nebenwirkungsmeldungen bei der EMA ein, 80 Prozent davon stammten aus dem Eudra Vigilance-Netzwerk. Diese hatten zum Teil auch Auswirkungen auf die Fach- und Gebrauchsinformation sowie die Risikoüberwachung der Produkte (siehe Grafik).

Arzneimittelüberwachung

Dass die kontinuierlichen Aktivitäten der EMA auch deutliche Auswirkungen haben, zeigen folgende Beispiele:

  • Die Zulassung für alle Arzneimittel gegen Multiple Sklerose, die den monoklonalen Antikörper Daclizumab (Zinbryta® und Zenapax®) enthalten, wurde aufgrund schwerer unerwünschter Nebenwirkungen widerrufen.
  • Es wurde die Empfehlung ausgesprochen, die Verwendung von Keytruda® (Pembrolizumab) und Texentriq® (Atezolizumab) als Erstlinientherapie beim Urothelialkarzinom bei Patienten mit einem hohen Level des Proteins PD-L1 einzuschränken.
  • Die Fachkreise wurden gewarnt, dass in einer klinischen Studie zum Thema Wachstumshemmung bei der Off-Label-Verwendung von Sildenafil (Revatio®, Viagra®) bei Kindern die im Mutterleib dem Wirkstoff ausgesetzt werden, das Risiko für pulmonare Hypertension und Tod erhöht ist.

Lieferengpässe

Um das Problem der immer wieder auftretenden Lieferengpässe in den Griff zu bekommen, wurde von der EMA gemeinsam mit der HMA (Heads of Medicines Agencies – ein Netzwerk der Nationalen Arzneimittelzulassungsbehörden) eine Task Force gegründet, die ein Zwei-Jahres-Arbeitsprogramm ins Leben rief, das helfen soll, Lieferengpässe zu verhindern und die Auswirkungen auf Patienten zu minimieren.

Quelle: www.ema.europa.eu/en/about-us/annual-reports-work-programmes

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