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Nemogramm

Ein Mineralstoff unter Beobachtung

Physiologie: Mehr als 95 Prozent des im Körper vorhandenen Kaliums mit insgesamt etwa 150 g befinden sich im Intrazellulärraum. Die Aufrechterhaltung erfolgt durch die Na/K-ATPase, welche in ihrer Aktivität von Magnesium unterstützt wird. Ein Magnesiummangel bewirkt erhöhte renale Kaliumverluste, weshalb immer auf eine gute Magnesiumversorgung zu achten ist. Die Na/K-ATPase wird über den pH-Wert und Hormone reguliert. Insulin, Aldosteron und Katecholamine steigern die Aufnahme in die Zelle.
Zusätzlich ist Kalium für den Glucosetransport in die Zelle verantwortlich und reguliert den Säure-Basen-Haushalt.

In der Muskulatur wird Kalium gemeinsam mit Glycogen eingelagert. Während einer sportlichen Betätigung wird Glycogen abgebaut. Es kommt zu einer Kaliumverschiebung von intra- nach extrazellulär. Damit sind renale Verluste möglich. Wichtig ist es, die Kaliumspeicher nach der Belastung in der Regenerationsphase wieder zu füllen.

Health Claim: Kalium unterstützt die Nerven- und Muskelfunktion und hilft, einen normalen Blutdruck aufrechtzuerhalten.

Arzneimittel, die eine Hyperkaliämie begünstigen

Wechselwirkung
Mechanismus
Praxis-Tipp
ACE-Hemmer und AT1-Blocker(z.B. Candesartan)
  • Bradykardie
  • Arrhythmie
  • Parästhesie
  • Muskelschwäche
additive Kaliumretention
Keine Selbstmedikation hochdosierter Kaliumpräparate über 600 mg täglich!
Analgetika(z.B. Ibuprofen)
  • Bradykardie
  • Parästhesie
  • Muskelschwäche
additive Kaliumretention infolge beeinträchtigter Nierenfunktion Keine Selbstmedikationunter NSAID-Therapie!
Antibiotika(z.B. Trimethoprim)
strukturelle Ähnlichkeit mitdem kaliumsparendenDiuretikum Triamteren
Bei Behandlung eines HWI mitTrimethoprim und
gleichzeitiger ACE-Hemmer-Therapie Kalium-spiegel sorgfältig überwachen!
Antimykotika(z.B. Amphotericin B)
  • erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen
  • Muskelschmerzen
  • Krämpfe
Störung der renal tubulären Rückresorption
Serumelektrolyte bei parenteraler Gabe von Amphotericin Bengmaschig kontrollieren!
Immunsuppressiva(z.B. Ciclosporin)
  • Bradykardie
  • Blutdruckabfall
  • Schwäche
  • Unruhe
additive Kaliumretention
Elektrolythaushalt engmaschigkontrollieren!
Supplementierung mit kalium-haltigen Mineralstoffen vermeiden!
kaliumsparende Diu­retika (z.B. Spironolacton)
  • neuromuskuläre Störungen
  • kardiovaskuläre Störungen
additive Kaliumretention infolge verringerter Kaliumexkretion
Verzicht auf unkontrollierte
Selbstmedikation!

 

Arzneimittel, die eine Hypokaliämie begünstigen

Wechselwirkung
Mechanismus
Praxis-Tipp
Aminoglycosid-Anti­biotika (z.B. Gentamicin)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelschwäche
  • Krämpfe
erhöhte Kaliumexkretion engmaschige Kontrolle der
Serumelektrolyte bei parenteraler Gabe von Aminoglycosiden
Cortisone
(z.B. Fludrocortison)
  • Ödeme
  • Muskelschwäche
erhöhte Kaliumexkretion Kaliumhaushalt engmaschig kon-
trollieren bei Langzeittherapie!
Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika)
  • nächtliche Wadenkrämpfe
  • Muskelschwäche
  • Obstipation
  • Arrhythmien
  • Störungen von Glucose-toleranz und Lipidstoff­wechsel
Verlust an Kaliumionen
v.a. bei gleichzeitigem
Magnesiummangel
Magnesium- und Kaliumspiegel sorgfältig überwachen,
400–1200 mg Magnesiumcitrat oder -orotat täglich,
Kaliumhaushalt durch Kartoffeln, Salat, Bananen verbessern
Herzglycoside
(z.B. Digitoxin)
  • Toxizität der Herzglycoside
    wird verstärkt
Erhöhung von Affinität und Rezeptorbindung der Herzglykoside an die Na/K-ATPase der Herzmuskelzelle Kaliumspiegel sorgfältig
überwachen und gegebenenfalls oral substituieren
Laxanzien
(z.B. Bisacodyl,
Natriumpicosulfat)
    • Obstipation
Elektrolytverlust Elektrolytzufuhr,
weitere Maßnahmen gegen
Obstipation

 

Steckbrief

Kalium ist enthalten in weißen Bohnen, Linsen und Spinat. In diesen Lebensmitteln sind mehr als 500 mg pro 100 g vorhanden. Kleinere Mengen finden sich in Bananen, Kartoffeln, Brokkoli und anderem Gemüse und Salat.
Erhöhter Bedarf bei Leistungssport, starkem Schwitzen und schwerer körperlicher Arbeit.
Symptome bei Mangel sind oft unspezifisch und äußern sich durch Müdigkeit, Verstopfung, Schwindel, Muskelschwäche, Störungen im Säure-Basen-Haushalt, Veränderungen der Herztätigkeit mit Arrhythmien, gesteigerter Herzschlagfrequenz und Abfall von Blutdruck und -zucker.

Praxistipps

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Zufuhr von 4000 mg Kalium pro Tag für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene wird im Durchschnitt nicht erreicht. Mit stark eingeschränkter Kaliumzufuhr ist bei Fastenkuren, Anorexia nervosa und übermäßigem Kochsalzkonsum zu rechnen. Ausdauersportler verlieren mit dem Schweiß besonders viel Kalium.
Um diesen Verlust auszugleichen, können pro Liter Sportgetränk 150 bis 300 mg Kalium zugeführt werden.
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Kalium zur begleitenden Therapie in Dosierungen zwischen 1.500 und 5.000 mg möglich. Dies sollte grundsätz­­lich nur unter ärztlicher Überwachung stattfinden.

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