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Nemogramm

Gut versorgt mit Niacin?

Niacin-Mangel tritt auf bei Alkoholismus, Magersucht, chronischen Durchfällen, Leberzhirrose oder einseitiger Ernährung mit viel Mais.

Physiologie: Das wasserlösliche Niacin, also Vitamin B3, kommt als Nikotinsäure und Nikotinamid vor. Beide werden im oberen Dünndarm über einen Natrium-­abhängigen Transporter aufgenommen, höhere Dosen über passive Diffusion.
Selbst im Falle einer Niacinarmen Ernährung ist kein Vitamin-B3-Mangel vorprogrammiert. Der Körper kann dieses aus der Aminosäure Tryptophan, die in der Nahrung im Allgemeinen in genügender Menge vorhanden ist, herstellen. Es werden etwa 60 mg Tryptophan im Rahmen des Kynureninstoffwechsels zu 1 mg Niacin umgewandelt. Vitamin B2 und B6 sind für diesen Prozess Cofaktoren.
Nikotinamid kommt im Körper als NAD+/NADH und NADP+/NADPH vor, ist Cofakor von über 200 Enzymen und spielt eine zentrale Rolle beim Auf- und Abbau von Kohlenhydraten, Proteinen und Fettsäuren.
Gemeinsam mit Chrom ist Niacin an der Bildung des Glu­cosetoleranzfaktors (= GTF) und somit an der Regulation des Blutzuckers beteiligt. Im Cholesterinstoffwechsel liegt seine Bedeutung in Form der Nikotinsäure vor. Sie senkt dosisabhängig Lipoprotein a, Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie Tri­glyceride. Dieser Effekt kommt durch eine Hemmung der Triglyceridlipase und Synthese von Lipiden in der Leber zustande.

Health Claim: Niacin unterstützt Nerven und Psyche, ist wertvoll in der Verringerung von Müdigkeit, da es am Energiestoffwechsel beteiligt ist, und erhält normale Haut und Schleimhäute.

Steckbrief

Niacin ist enthalten in magerem Fleisch, Innereien, Fisch, Milch und Eiern sowie in Brot, Kartoffeln und Mais.
Symptome bei Mangel: Gerötete, rissige Haut, Durchfälle und eine Abnahme der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit sind möglich. Eine Vollausprägung der Pellagra mit den typischen Symptomen Dermatitis, Diarrhoe und Demenz tritt nur auf, wenn der Tryptophanstoffwechsel gestört oder die Zufuhr an Protein und Vitamin B3 sehr eingeschränkt ist.
Nebenwirkungen wie Rötung der Haut mit Flush, Senkung des Blutdrucks oder erhöhte Homocysteinspiegel können in hohen Dosen auftreten.

Praxistipps

  • Der Verzehr tierischer Lebensmittel ermöglicht eine nahezu vollständige Resorption von Niacin, während diese aus pflanzlicher Nahrung nur etwa bei 30 Prozent liegt. In Letzteren ist Niacin an Proteine und Kohlenhydrate gebunden. In Kaffeebohnen liegt es etwa als 1-Methyl-Nicotinsäure, in Mais gebunden an Leucin vor. Um die Bioverfügbarkeit zu verbessern, wird Kaffee geröstet und der Mais zur Tortillaherstellung in Mexiko mit Kalkwasser vorbehandelt.
  • Beim Kochvorgang ist Vitamin B3 relativ stabil, wird aber ins Kochwasser ausgewaschen. Daher sollte nur wenig Kochwasser verwendet oder dieses mitverzehrt werden.
  • Im Getreide befinden sich etwa 80 Prozent des Niacins in der Aleuronschicht, sodass mit steigendem Ausmahlungsgrad erhebliche Verluste entstehen. Vollkorn ist Weißbrot daher unbedingt vorzuziehen.

Vitamin B3 und Arzneimittel – Wechselwirkungen

Wirkung

Pellagra-ähnliche Dermatitiden

Mechanismus

Sekundärer Niacinmangel­ – es steht weniger Ausgangsstoff für die Vitamin B3-Synthese zur Verfügung.

Praxis-Tipp

B-Komplex in physiologischer Dosis substituieren.

Wirkung

Störung des zentralen Nervensystems (z.B. Verwirrung, Halluzination, Demenz)

Mechanismus

Synthese von Niacin wird verringert.

Praxis-Tipp

200 mg Niacinamid/Tag

Vitamin B3 und Arzneimittel – Synergismen

Wirkung

Günstiger Einfluss auf die Nebenwirkungen von Tamo- xifen (z.B. Hypertriglyceri- dämie) und evt. auf Rezidiv- und Metastasenbildung.

Mechanismus

Niacin ist ein mitochondriales Substrat und hat antiangiogenetische Wirkung.

Praxis-Tipp

50 mg Niacin kombiniert mit 100 mg Coenzym Q10 und 10 mg Riboflavin pro Tag.

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