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Nemogramm

5-Hydroxytryptophan – die Vorstufe des Glückshormons

5-Hydroxytryptophan (5-HTP) ist ein Zwischenprodukt der Synthese von Tryptophan zu Serotonin und Melatonin. Es ist eine nicht proteinogene Aminosäure, die aus der essenziellen Aminosäure Tryptophan entsteht. Als Vorstufe des Glückshormons „Serotonin“ wird es nicht nur bei depressiven Verstimmungen eingesetzt.

Physiologie

Serotonin entsteht im Körper aus der essenziellen Aminosäure Tryptophan. Diese wird durch Hydroxylierung zu 5-HTP und durch eine anschließende Decarboxylierung zu Serotonin, welches auch 5-Hydroxytryptamin genannt wird.1 Diese Umwandlung ist von den Cofaktoren Folsäure, Vitamin B3, Eisen, Kupfer und Vitamin C abhängig.2 5-HTP ist dabei der limitierende Faktor der Serotoninsynthese. Ein höheres Angebot an 5-HTP führt direkt zu einer Erhöhung der Verfügbarkeit des Serotonins im synaptischen Spalt. 5-HTP kann oral in Form von zum Beispiel Kapseln zugeführt werden, dabei können ca. 70 Prozent davon die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Das führt zu einer Erhöhung der Serotoninsynthese und der Serotoninkonzentration im ZNS. Ein zu niedriger Serotoninspiegel kann zu Depressionen, Angst, Aggressionen und Panikattacken führen. Dieser Serotoninspiegel ist bei depressiven Patienten oft um bis zu 50 Prozent vermindert. Daher kann 5-HTP als natürliches Antidepressivum unbedenklich eingesetzt werden, weiters kann es auch die Wirksamkeit anderer Antidepressiva erhöhen. Beim gleichzeitigen Einsatz von MAO-Hemmern und SSRIs kann es jedoch zum Serotoninsyndrom kommen. In der Epiphyse wird aus Serotonin das Schlafhormon Melatonin produziert, somit hat eine Zufuhr von 5-HTP auch positive Auswirkungen auf den Schlaf. Serotonin kommt aber nicht nur neuronal, sondern auch im Gastrointestinaltrakt vor. Als Neurotransmitter des enteritischen Nervensystems ist es wichtig für die Appetitkontrolle und kann bei adipösen Patienten als Begleittherapie eingesetzt werden. Es reduziert den Appetit, erhöht das Sättigungsgefühl und wirkt der Aufnahme von Kohlenhydraten entgegen.3,4

Health Claims

Für 5-Hydroxytryptophan liegt kein Health Claim vor.5

Mangel

Ein Mangel an 5-HTP macht sich vor allem durch ein gestörtes Allgemeinbefinden mit Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und durch den Heißhunger auf Süßes und Kohlenhydrate bemerkbar. Durch den daraus folgenden erniedrigten Serotoninspiegel kommt es zu depressiven Verstimmungen, Aggressivität, geringer Stresstoleranz und Ängsten. Durch die verminderte Melatonin Synthese kann es zu Ein- und Durchschlafstörungen kommen.3,4

Steckbrief

Vorkommen3,4

5-HTP kommt in Bananen und der afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia) vor.

Erhöhter Bedarf3,4

Bei Stress und im Wachstum, weiters auch bei der Einnahme von oralen Kontrazeptiva.

Eingesetzt bei3,4

  • depressiven Verstimmungen, Angst- und Panikattacken, Aggressionen
  • Ein- und Durchschlafproblemen
  • prämenstruellen und menopausalen Stimmungsschwankungen
  • begleitend zur Adipositasbehandlung
  • Migräne und Kopfschmerzen

Mangelsymptome3,4

  • Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, niedrige Stresstoleranz
  • Depressive Verstimmung, Angst- und Panikzustände
  • Heißhunger auf Süßes
  • Ein- und Durchschlafstörungen

Praxistipps

Ein 5-HTP Mangel kann zu einem Melatonin Mangel führen, wodurch Ein- und Durchschlafstörungen hervorgerufen werden können. Patienten mit diesen Beschwerden kann man gut mit der Substitution von Melatonin helfen.

Aufnahme verbessern 3,4

Eingenommen wird 5-HTP bei depressiven Verstimmungen am besten zwischen den Mahlzeiten. Als Ein- und Durchschlafhilfe empfiehlt sich die Einnahme 30 Minuten vor dem Zubettgehen. Weiters soll man alle 4 Wochen eine Einnahmepause von 1 Woche einhalten.

Tagesbedarf / Umrechnung

Eine Einnahme von 100-200 mg/Tag gilt für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Es sind keine UL (Tolerable Upper Intake Level) oder NOAEL (No Observed Adverse Effect Level) beschrieben.

CAVE

Schwangeren und Stillenden sollte man von der Einnahme von 5-HTP aufgrund der zu geringen Studienlage abraten. 3,4

CAVE

Bei Patienten die SSRI oder MAO Hemmer einnehmen, besteht bei gleichzeitiger Einnahme von 5-HTP das Risiko eines Serotoninsyndroms. 2,3,4

Wechselspiel

Wirkung

Erhöhung der Serotoninspiegel (CAVE: Serotoninsyndrom)

Mechanismus

potenzielle additive serotonerge Stimulation kann zu toxischen Serotoninkonzentrationen führen

Praxis-Tipp

die gleichzeitige Einnahme von SSRIs und 5-HTP ist zu vermeiden oder hat unter labordiagnostischer Kontrolle des Serotoninspiegel zu erfolgen.

Wirkung

Erhöhung der Serotoninspiegel (CAVE: Serotoninsyndrom)

Mechanismus

potenzielle additive serotonerge Stimulation kann zu toxischen Serotoninkonzentrationen führen

Praxis-Tipp

die gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmer und 5-HTP ist zu vermeiden oder hat unter labordiagnostischer Kontrolle des Serotoninspiegel zu erfolgen.

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