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Nemogramm

L-Glutamin – die Aminosäure mit Power

Süß-saurer Tofu, Hähnchenschenkel, chinesische Woknudeln, verwelkter Grünkohl, Sesam, roter Chili, Frühlingszwiebeln, serviert auf einer Pfanne mit Stäbchen auf dunklem Holzhintergrund, Draufsicht, Nahaufnahme

Die am häufigsten im menschlichen Körper vorkommende Aminosäure ist L-Glutamin. Es wird selbst vom Körper hergestellt, muss jedoch zusätzlich dem Körper hinzugefügt werden, vor allem wenn es durch Verletzungen, Verbrennungen oder schweren Erkrankungen zu einem Mangel kommt. Als Energielieferant und zur Regeneration der Muskeln ist es besonders bei Sportlern beliebt.1

Physiologie

L-Glutamin ist eine proteinogene, nicht essenzielle Aminosäure. Bei einem Mangel, hervorgerufen durch traumatische oder entzündliche Erkrankungen, kann der Körper nicht genug davon herstellen und es muss von außen über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel dem Körper hinzugefügt werden. Das auch als Laevoglutamid bezeichnete Halbamid der Glutaminsäure spielt im Stickstoffmetabolismus eine zentrale Rolle. Für das Gehirn ist es ein wichtiger Nährstoff, weiters ist es auch für den Magen-Darm-Trakt und für Ausdauersportler von Bedeutung.2

Es ist an der Biosynthese von Hexosaminen beteiligt und fördert dadurch die Regeneration von Mukoiden im Darmepithel. Da die Mukosazellen des Darms Zellen mit hohen Teilungsraten sind, brauchen sie rund 70% des aufgenommenen L-Glutamins zur Erhaltung der intestinalen Permeabilität. Durch gezielte Glutaminsubstitution kann eine gestörte Darmmukosa regeneriert und eine Verbesserung der Mikrovilihöhe und Kryptentiefe der Darmschleimhaut erzielt werden.

Auch für die Glutathionbiosynthese ist L-Glutamin ein Ausgangsedukt und daher unentbehrlich für die Produktion antioxidativer Stoffe. Weiters weisen neue Studien darauf hin, dass L-Glutamin eine protektive Wirkung bei Helicobacter-pylori-Infektionen aufweist. Dabei wird das vom Bakterium produzierte Ammoniak neutralisiert und somit können Zellschädigungen im Magen verhindert werden. Auch schon durch Helicobacter-pylori entstandene Magenschleimhautschäden regenerieren sich unter Einnahme von L-Glutamin schneller.

Durch intensive Trainings kommt es zum vermehrten Verbrauch von Aminosäuren, vor allem von L-Glutamin. Damit die Aminosäurenkonzentration im Plasma wiederhergestellt werden kann, transportiert der Körper das im Muskel enthaltene Glutamin ins Plasma. Wird dieses dem Körper danach unzureichend zugeführt, kann es zum Abbau von Muskelmasse kommen.1,3

Health Claims

Für L-Glutamin liegt kein Health Claim vor.4 

Mangel

Ein Mangel an L-Glutamin ist selten, es kann aber durch falsche Ernährung oder indirekt durch einen Cystein-Mangel dazu kommen. Diagnostiziert wird dieser durch eine Untersuchung des Blutplasmas. Als Normbereich ist ein Wert zwischen 600 und 900 µmol/l beschrieben.

Ein Mangel an L-Glutamin macht sich vor allem durch verringerte körperliche Leistungsfähigkeit bemerkbar. Wunden heilen schlechter, aber auch die Regeneration der Muskulatur dauert länger. Muskelabbau und Störungen der Darmfunktion sind Folgen eines länger andauernden Mangels.1,3  

Steckbrief

Vorkommen1

L-Glutamin kommt sowohl gebunden als auch frei in Käse, Fleisch, Soja und Haferflocken vor.

Erhöhter Bedarf1
  • Leistungssportler
  • Patienten mit Verbrennungen
  • Tumorpatienten
Eingesetzt bei1
  • Leistungssportlern zum Muskelaufbau und -erhalt
  • entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen als ergänzende Therapieoption
  • Immunschwäche
  • Verletzungen und chirurgischen Eingriffen als ergänzende Therapieoption 
Mangelsymptome1,3
  • Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Erhöhte Krankheitsanfälligkeit
  • Muskelschwäche und Abbau von Muskelmasse
  • Wundheilungsstörungen
  • Störung der Darmfunktion mit Mukositis oder auch Leaky-Gut-Syndrom
Aufnahme verbessern3

Die Einnahme von L-Glutamin sollte zwischen den Mahlzeiten erfolgen.

Bei Leistungssportlern empfiehlt sich eine Einnahme vor und nach dem Training.

Praxistipp1

L-Glutamin wird durch heiße Getränke zerstört. Ideal ist die Einnahme mit einem großen Glas Wasser.

Tagesbedarf/Umrechnung1,3

Eine Einnahme von bis zu 40 g/Tag gilt für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Es sind keine UL (Tolerable Upper Intake Level) oder NOAEL (No Observed Adverse Effect Level) beschrieben. 

CAVE

In sehr seltenen Fällen kann es durch L-Glutamin zu manischen Zuständen und Schlafstörungen kommen.3

 

Quellen:
  1. Gröber, Uwe: Mikronährstoffe: Metabolic Tuning – Prävention – Therapie; mit 134 Tabellen, 3. Aufl., Weinheim, Deutschland: Beltz Verlag, 2011
  2. Ammon, Hermann/Andrea Bihlmayer/Klaus Connert/Markus Ehni/Beate Firla: Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch (German Edition), 10. Aufl., Berlin, Deutschland: De Gruyter, 2010
  3. Mikronährstoff-Coach: Wien, Österreich: Verlagshaus der Ärzte, 2020
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012
  5. Gröber, Uwe: Arzneimittel und Mikronährstoffe – Medikationsorientierte Supplementierung, 4. Aufl., Stuttgart, Deutschland: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2018

Wechselspiel

Wirkung

weniger gastrointestinale Nebenwirkungen der NSAIDs durch L-Glutamin

Mechanismus

L-Glutamin ist ein Substrat der Dünndarmschleimhautzellen. Diese teilen sich schnell und erhalten die Darmpermeabilität.

Praxis-Tipp

5-10g L-Glutamin 30 Minuten vor dem NSAIDs einnehmen

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