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Nemogramm

Phosphor – Baustein des Lebens

Sandwich mit Mozzarella, Mortadella und gehackten Pistazien auf einem Holzschneidebrett

Phosphor zählt in der Ernährungsphysiologie zu den essenziellen Mengenelementen und liegt im Organismus als Phosphat vor. Phosphor fungiert als Strukturkomponente des Knochens und ist ein wichtiger Enzymaktivator.

Der menschliche Organismus verfügt durchschnittlich über 600–700g Phosphor. Mehr als 85 Prozent vom Gesamt-Phosphat entfallen auf Knochen und Zähne, das Gewebe enthält 12–14 Prozent, das Blut nur 0,3 Prozent, also 2g.¹ Im Knochen kommt Phosphor als anorganische Verbindung in Form des Kalziumphosphatsalzes Hydroxylapatit vor.² Phospholipide sind wesentliche Strukturkomponenten der zellulären Biomembranen. Darüber hinaus ist Phosphor ein Baustein unseres Erbgutes (DNA, RNA) und als Bestandteil der wichtigsten zellulären Energielieferanten, Adenosindiphosphat (ADP) und Adenosintriphosphat (ATP) an Prozessen der Energieproduktion und -speicherung beteiligt. Eine Vielzahl von Enzymen und Proteinen werden erst durch die Bindung von Phosphor aktiviert. Gleichzeitig ist Phosphor der wichtigste Puffer zur Aufrechterhaltung und Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts.¹,²

Health Claims³

Für Phosphor sind folgende Health Claims beschrieben:

  • Phosphor trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.
  • Phosphor trägt zu einer normalen Funktion der Zellmembran bei.
  • Phosphor trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
  • Phosphor trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei.

Steckbrief

Vorkommen/Nährstoffquellen

Phosphor kommt in nahezu allen Lebensmitteln vor. Vor allem proteinreiche Lebensmittel sind reich an Phosphor. So finden sich höhere Mengen an Phosphor in Milch, Milchprodukten, Fisch, Fleisch und Wurst. Auch Weizenkeime, Vollkorn-Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse enthalten große Mengen an Phosphor. Allerdings ist das in pflanzlichen Lebensmitteln enthaltene Phytin-Phosphat schlechter verfügbar. Der Mensch kann aus dieser Speicherform nur begrenzte Mengen an Phosphor herauslösen. Erst durch Aktivierung getreideeigener Phytasen (z.B. während der Teigherstellung, Hefe besitzt Phytase) werden Phytate gespalten und Phosphor verfügbar gemacht.¹

Bedarf⁴

Die Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung differieren nach dem Lebensalter. So empfiehlt die DGE für Männer und Frauen eine tägliche Menge von 700mg Phosphor, für Jugendliche von 15 bis 19 Jahren im Wachstum gelten jedoch höhere Werte von 1.250mg pro Tag. Der Gesamtphosphor-Bedarf wird im Wesentlichen durch die Nahrung gedeckt.

Einsatz von Phosphor²

Von der Lebensmittelindustrie werden Phosphate vor allem für verschiedene technologische Zwecke zugesetzt, wie z. B.

  • als Trenn- und Backtriebmittel
  • Phosphorsäure als Säuerungsmittel in Getränken (Cola)
  • als Schmelzmittel bei der Schmelzkäseherstellung
  • zur Wasserbindung in Wurstwaren
  • zur Steigerung der Haltbarkeit oder zur Farbgebung

Symptome eines möglichen Mangels

Unter einer ausgewogenen Ernährung kommt es aufgrund der ubiquitären Verbreitung des Phosphors selten zu einer Unterversorgung. Bei einem Phosphormangel, wie er bei Ess-Störungen oder nach langem Fasten vorkommen kann, finden sich Appetitverlust, Müdigkeit, Muskelschwäche, Knochenschmerzen sowie Symptome des Vitamin-D-Mangels (Rachitis bzw. Osteomalazie).²

Praxistipps

  • In der Komplementärmedizin spielt Phosphor als Schüßler-Salz Nr. 2 Calcium phosphoricum D6, Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12, Nr. 5 Kalium phosphoricum D6, Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 und Nr. 9 Natrium phosphoricum D6 eine Rolle, sowie in der Homöopathie als Phosphorus.
  • Der vermehrte Einsatz von Phosphaten in der Lebensmittelindustrie sowie der steigende Konsum von Fertiggerichten und Fast Food führen zu einer überhöhten Phosphoraufnahme. Mögliche Folge einer Hyperphosphatämie ist die Kalzifizierung verschiedener Organe, besonders der Niere. Eine hohe Phosphatzufuhr stellt bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz einen relevanten kardiovaskulären Risikofaktor dar. Es ist wichtig, das „Phosphatbewusstsein“ sowohl bei Patienten mit Niereninsuffizienz als auch bei der Normalbevölkerung zu verbessern. Epidemiologische Studien ergaben, dass höhere Phosphatwerte auch in Normalpopulationen insbesondere mit kardiovaskulärer Morbidität assoziiert werden.⁵

Im Wechselspiel

  • Antazida – Aluminiumhaltige Antazida reduzieren die Bioverfügbarkeit von Phosphor, da sie unlösliches Aluminiumphosphat bilden, und können in hohen Dosen eine Hypophosphatämie verursachen.²
  • Kalium oder kaliumsparenden Diuretika können gemeinsam mit Phosphor zu einer Hyperkaliämie führen.²
  • Interaktionen mit Lebensmitteln bzw. Supplementen:
    • Eine hohe Aufnahme von Fruktose führt zu einer gesteigerten Ausscheidung von Phosphor im Urin.²
    • Die Zufuhr hoher Mengen von Calcitriol kann zu einer Hyperphosphatämie führen.²
    • Hohe Phosphatmengen in der Nahrung vermindern die Absorption von Mangan.⁶

Quellen

  1. Fuchs N., „Mit Nährstoffen heilen“ – Eine Einführung in die komplexe Orthomolekulare Nährstoff-Therapie, 3. Auflage 2007, Ralf Reglin Verlag Köln
  2. Bieslaski H., Vitamine, Spurenelemente und Minerale – Indikation, Diagnostik, Therapie, 2. Auflage 2019, Thieme Verlag
  3. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, www.dge.de, DACH-Referenzwerte
  5. K.Hahn & M. Ketteler, Der Nephrologe – Die vielen Gesichter von Phosphat in der Ernährung, Springer Medizin Verlag Berlin 2017
  6. Elmfada I., Ernährung des Menschen, 5. AFL 2015, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
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