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Nemogramm

Carotinoide – bunte Pflanzenfarbstoffe mit „Superkräften“

Eine Vielzahl von orangefarbenem Obst und Gemüse, die eine gute Quelle für Beta-Carotin sind

In der Natur kommen mehr als 650 verschiedene Carotinoide vor. Zu den bekanntesten zählen Astaxanthin, Beta-Carotin, Lycopin, Lutein und Zeaxanthin. Neben ihrer Funktion als Vorstufen von Vitamin A wirken Carotinoide als Antioxidanzien und UV-Filter.¹

Carotinoide zählen zur großen Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Ca. 10% aller Carotinoide dienen als Vorstufe für die Bildung von Retinol.¹ Das für die menschliche Vitamin-A-Versorgung bedeutendste Carotinoid ist Beta-Carotin. Es besitzt die höchste Umwandlungsrate in Retinol. Bei ausreichendem Vitamin-A-Bestand wird β-Carotin jedoch nicht umgewandelt, sondern verbleibt als Antioxidans im Körper bzw. wird über die Niere ausgeschieden.² Als bioaktive Vorstufe von Vitamin A ist β-Carotin zwar indirekt, aber dennoch wesentlich an Wachstums-, Entwicklungs- und Differenzierungsprozessen sowie an der Sehfunktion beteiligt.¹,³ Das in der Haut gespeicherte β-Carotin ist an Quenching-Reaktionen mit Singulett-Sauerstoff, der unter Bestrahlung mit UV-Licht vermehrt gebildet wird, beteiligt und wirkt dadurch als geringgradiger, physiologischer UV-Schutz.¹

Astaxanthin, Lutein und Zeaxanthin sind sauerstoffhaltige Carotinoide. Sie zählen zur Gruppe der Xanthophylle.³ Astaxanthin gilt als das „Superantioxidans“. Vergleichsstudien haben gezeigt, dass Astaxanthin weitaus stärker antioxidativ wirkt als andere Verbindungen, so z.B. 6.000-mal stärker als Vitamin C, 770-mal stärker als Coenzym Q10, 5-mal stärker als β-Carotin. Seine chemische Struktur ermöglicht es ihm unterschiedlichste Arten freier Radikale abzufangen. Lutein und Zeaxanthin sind Pigmente, deren Konzentration im zentralen Teil der Retina, dem sog. „Gelben Fleck“, besonders hoch ist. Bei starker UV-Exposition dieser Zellen tritt ein erhöhter oxidativer Stress auf. Ist der antioxidative Schutz zu gering, degenerieren die Sehzellen, was letztendlich zur sog. Altersbedingten Makuladegeneration führt. Lutein und Zeaxanthin verhindern die Bildung von Peroxiden und schützen aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften die empfindlichen Strukturen der Augen vor einer intensiven UV-Belastung.³

Health Claims

Für Carotinoide liegen keine Health Claims⁴ vor.

Steckbrief

Vorkommen

Carotinoide sind vor allem in gelbem, orange- und rotfarbenem Obst und Gemüse wie z.B. Aprikosen, Mangos, Melonen, Papayas, Pfirsichen sowie in Karotten, Paprika, Tomaten, aber auch in dunkelgrünem Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl enthalten.³,⁵ Eine weitere, besonders konzentrierte und gut verfügbare Quelle für verschiedene Carotin- und Carotinoidverbindungen stellt die grüne Meeresalge Dunaliella salina dar.³  Carotinoide sind fettlösliche Antioxidanzien. Vor dem Verzehr sollte zur besseren Verwertung immer ein pflanzliches Öl hinzugegeben werden. Auch mechanische Verfahren wie z.B. Entsaften verbessern die Freisetzung von Carotinoiden aus den Pflanzenzellen.¹

Bedarf⁶

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt eine gemeinschaftliche Empfehlung für die tägliche Zufuhr von Vitamin A und β-Carotin heraus. Und zwar wird die tägliche Vitamin-A-Zufuhr in Retinolaktivitätsäquivalenten (RAE) angegeben. Provitamin-A-Carotinoide besitzen unterschiedliche Bioverfügbarkeits- sowie Umwandlungsraten in die Vitamin-A-Wirkform Retinol. Der Referenzwert RAE berücksichtigt die Verwertung von Provitamin-A-Carotinoiden stärker, anders als die bisher verwendeten Retinoläquivalente. Für β-Carotin wird somit kein separater Referenzwert mehr angegeben, er ist in der empfohlenen Zufuhrmenge enthalten. Frauen werden 700µg RAE und Männern 850µg RAE täglich empfohlen.

1µg RAE = 1µg Retinol = 12µg β-Carotin = 24µg andere Provitamin-A-Carotinoide

Provitamin-A-Carotinoide sind laut DGE nicht essenziell, bei überwiegend vegetarischer bzw. veganer Ernährung sind sie aber für die Aufrechterhaltung eines adäquaten Vitamin-A-Status von besonderer Bedeutung. Die empfohlene Zufuhr pro Tag lässt sich beispielsweise mit 150g gegarten Karotten, 150g gegartem Kürbis und 12g Rapsöl erreichen.⁶ 

Mögliche Anwendungsgebiete/erhöhter Bedarf³

  • Zur Vorbeugung und unterstützenden Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD)
  • Schutz vor altersbedingten Augenschädigungen sowie generellen Veränderungen des Sehverhaltens (z.B. Presbyopie oder Computer Vision Syndrome)
  • Schutz und Prävention von radikalassoziierten Erkrankungen insbesondere der Haut. Carotinoide reichern sich in den obersten Hautschichten an und verhindern das Eindringen der UV-Strahlen in tiefere Schichten.
  • Präventiv und therapiebegleitend bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Tumorprävention und therapiebegleitend bei Tumorerkrankungen

Praxistipps

  • Als Nahrungsergänzungsmittel können Carotinoide zum Schutz der Haut beitragen und dienen der Vorbereitung auf die Sonne. Für einen optimalen „Sonnenschutz“ sollten Carotinoide bereits sechs bis zwölf Wochen vor der Sonnenexposition eingenommen werden.
    Die Supplementierung von Carotinoiden kann zwar das Risiko für einen Sonnenbrand mindern, aber die Anwendung von Sonnenschutzmitteln nicht ersetzen!
  • Carotinoide sollten zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Nebenwirkungen: Beta-Carotin kann bei langfristiger und hoher Dosierung (˃3 Wochen, ˃30mg/d)³ zu einer harmlosen, bräunlich-gelben Verfärbung der Haut (Carotenodermie) – vor allem der Handinnenflächen und der Fußsohlen – führen.³ Diese Nebenwirkung ist reversibel, sobald die zusätzliche Einnahme abgesetzt wird.¹
  • Starken Rauchern soll von einer hohen β-Carotin-Zufuhr in Form von Nahrungsergänzungen über einen langen Zeitraum abgeraten werden.
    Studien zufolge erhöht die Einnahme hochdosierter β-Carotin-Supplemente (Dosen über 20mg) bei langjährigen Rauchern das Lungenkrebsrisiko.¹,² Carotinoide in der Nahrung werden hingegen nicht als gefährlich angesehen.²

Im Wechselspiel

  • Cholestyramin⁷: Die Bioverfügbarkeit von Carotinoiden sinkt durch die Bindung von Gallensäuren.
  • Orlistat⁷: Die Resorption fettlöslicher Carotinoide nimmt ab, die Ausscheidung über den Stuhl ist erhöht.
  • Estrogene (Medroxyprogesteron)³: Medroxyprogesteron kann Beta-Carotin und Vitamin-A-Spiegel verändern.

Referenzen

  1. Podlogar/Smollich, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente – Beratungswissen für die Apothekenpraxis, 1. Auflage 2019, Deutscher Apotheker Verlag
  2. Schmiedel Volker, Nährstofftherapie, 4. Auflage 2019, Thieme Verlag
  3. Schmidbauer Ch. Hofstätter G Stossier H, Mikronährstoff-Coach, 4. Auflage 2020, Verlagshaus der Ärzte
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012
  5. Fuchs N., „Mit Nährstoffen heilen – eine Einführung in die komplexe Orthomolekulare Nährstoff-Therapie“, 3. Auflage 2007, Ralf Reglin Verlag Köln
  6. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, www.dge.de, DACH Referenzwerte
  7. Gröber U, Arzneimittel und Mikronährstoffe – Medikationsorientierte Supplementierung, 4. Auflage 2018, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft Stuttgart
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