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Nemogramm

Astaxanthin: das Top-Antioxidans unter der Lupe

Lebensmittel, die reich an Astaxanthin, Carotinoid und Antioxidantien sind. Ansicht von oben

Es färbt Flamingos rosa, dient als Fischfutterzusatz und wird zuweilen als stärkstes Antioxidans der Welt bezeichnet: Astaxanthin.

Astaxanthin ist ein lipophiles Pigment aus der Gruppe der Carotinoide.¹ Innerhalb der Carotinoide zählt es zu den Xanthophyllen, einer Gruppe sauerstoffhältiger Carotinoide, denen etwa auch Lutein und Zeaxanthin angehören.² Die Bezeichnung Astaxanthin leitet sich von griech. astakos „Hummer“ und xanthos „gelb“ her. Dies weist bereits darauf hin, dass das orange-rote Pigment vielfach in marinen Ökosystemen zu finden ist, etwa in Krebsen, Lachsen oder Mikroalgen.

Astaxanthin (3,3′-Dihydroxy-β,β-Carotin-4,4′-dion) ist dank seiner Struktur ein außergewöhnlich starkes Antioxidans. Seine antioxidative Potenz übersteigt die von Vitamin E, Vitamin C, Coenzym Q10, Resveratrol oder Grüntee-Catechinen um ein Vielfaches.¹ Die Substanz ist in der Lage, sich stabilisierend in Membranen einzulagern, und überwindet auch die Blut-Hirn-Schranke.¹ Im Gegensatz zu vielen anderen Carotinoiden kann Astaxanthin nicht in Vitamin A umgewandelt werden (fehlende Provitamin-A-Aktivität).³ Astaxanthin gilt als eine sehr sichere Substanz. Hinweise auf pro-oxidative Effekte oder ein genotoxisches Risiko gibt es nicht.³

Astaxanthin wirkt antioxidativ, entzündungshemmend, es beeinflusst die Apoptose-Aktivität und hat neuroprotektive Effekte.¹ Es wird vielfach bei Erkrankungs- und Alterungsprozessen vorgeschlagen, bei denen oxidativer und/oder nitrosativer Stress und Entzündungen eine Rolle spielen. Dazu gehören etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen – hier gibt es Hinweise auf präventive Effekte von Astaxanthin auf die Blutdruckkontrolle, Fettstoffwechselstörungen, Atherosklerose und Diabetes.¹ Auch bei diversen Erkrankungen des Auges wird Astaxanthin eingesetzt: so etwa bei Ermüdungserscheinungen des Auges (Asthenopie), Katarakt oder Uveitis.⁴ Wie andere Carotinoide werden ihm Anti-Aging-Wirkungen an der Haut zugesprochen, insbesondere die Vorbeugung von UV-bedingter Hautalterung.⁵ Ein weiteres Thema in der Forschung ist die Anwendung bei respiratorischen und malignen Erkrankungen sowie die Verwendung von Astaxanthin zur Unterstützung der Regeneration und Leistung im Sport.⁶ Die Anwendung von Astaxanthin bei neurodegenerativen Erkrankungen ist ebenfalls Gegenstand der Forschung.² Dazu gehören etwa Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, ischämische zerebrale Schädigungen oder ALS.² Die Art, der Umfang und die Qualität der Studien zu diesem interessanten Naturstoff und seinen verschiedenen Anwendungsgebieten ist jedoch vielfach noch unbefriedigend. Reviews kritisieren regelmäßig, dass ein großer Bedarf an weiteren unabhängigen, qualitativ hochwertigen Studien am Menschen besteht.

Health Claims

Für Astaxanthin wurden noch keine Health Claims genehmigt.

Abgelehnt wurde bislang die Registrierung folgender Health Claims für Astaxanthin: zur Unterstützung von Gelenken, Sehnen und Bindegewebe, zum Schutz von DNA, Proteinen und Lipiden vor oxidativen Schäden, zur Unterstützung der Sehschärfe, zur Unterstützung eines normalen Cholesterinspiegels und niedriger CRP-Plasmakonzentrationen, zum Schutz der Haut vor UV-induzierten Schäden, zur Abwehr von Helicobacter pylori, als Beitrag zu normaler Spermatogenese, normaler Muskelfunktion und normalem Immunsystem. ⁷,

Steckbrief

Bedarf

Für Astaxanthin ist kein Tagesbedarf definiert.

Enthalten in …

Primäre Quellen für Astaxanthin sind bestimmte Algen (z.B. die Mikroalge Haematococcus pluvialis, auch Blutregenalge genannt), Hefen und Bakterien, seltener höhere Pflanzen, etwa aus der Gattung Adonis. Sekundärquellen sind Wassertiere wie Lachs, Shrimps, Krebse, Hummer, Krill, Bachsaibling, Rote Brasse u.v.a. Sie reichern Astaxanthin durch die Aufnahme von Zooplankton, inklusive Algen und anderer Mikroben, an.¹ In der Fischzucht wird Astaxanthin dem Fischfutter zugegeben und verleiht etwa Forellen eine rötliche Färbung des Fleisches – diese werden dann als „Lachsforellen“ bezeichnet. In der üblichen europäischen Ernährung dürfte Wild- und Zuchtlachs die wichtigste Quelle für Astaxanthin sein.

Astaxanthin findet sich auch im Gefieder einiger Vögel, die sich von Astaxanthin-hältiger Nahrung ernähren. So verleiht es etwa dem Flamingo seine intensive rosa Farbe.

Praxistipps

  • Aufgrund seiner Fettlöslichkeit sollte Astaxanthin, wie andere Carotinoide, stets zu oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden.
  • Die Blutregenalge Haematococcus pluvialis wird besonders häufig als Quelle für das in Nahrungsergänzungsmitteln verwendete Astaxanthin herangezogen.
  • Synthetisches Astaxanthin ist in seiner antioxidativen Potenz dem natürlichen Astaxanthin aus Haematococcus-pluvialis-Algen unterlegen.⁹
  • Krillöl wird aus dem Antarktischen Krill (Euphausia superba) gewonnen, einem garnelenförmigen Krebstier. Es enthält neben Astaxanthin auch wertvolle Omega-3-Fettsäuren.
  • In einer wissenschaftlichen Stellungnahme von 2019 vertrat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Auffassung, dass die annehmbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) von Astaxanthin 0,2 mg/kg Körpergewicht pro Tag beträgt.
  • Unter Berücksichtigung dieses ADI und der geschätzten Aufnahme von Astaxanthin aus der normalen Ernährung kam die EFSA zu dem Schluss, dass Nahrungsergänzungsmittel mit maximal 8 mg Astaxanthin aus Haematococcus pluvialis für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren als sicher gelten. Von Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren sollten diese Nahrungsergänzungsmittel jedoch nicht verzehrt werden.
  • Astaxanthin gilt als Induktor der CYP 1A.¹¹
  • Unter der Bezeichnung E 161j ist Astaxanthin in der Europäischen Union als Futtermittelzusatz zugelassen, etwa zur Fütterung von Speisefischen.

Referenzen

  1. Patil, A.D., Kasabe, P.J. & Dandge, P.B. Pharmaceutical and nutraceutical potential of natural bioactive pigment: astaxanthin. Nat. Prod. Bioprospect. 12, 25 (2022)
  2. Si, P., Zhu, C.“Biological and neurological activities of astaxanthin (Review)“. Molecular Medicine Reports 26.4 (2022): 300.
  3. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies; Scientific Opinion on the safety of astaxanthin-rich ingredients (AstaREAL A1010 and AstaREAL L10) as novel food ingredients, EFSA Journal 2014;12(7):3757
  4. Giannaccare G, et al. Clinical Applications of Astaxanthin in the Treatment of Ocular Diseases: Emerging Insights. Mar Drugs. 2020 May 1;18(5):239.
  5. Qin Xiang Ng et al, Effects of Astaxanthin Supplementation on Skin Health: A Systematic Review of Clinical Studies, org/10.1080/19390211.2020.1739187
  6. Brown DR, et al. Astaxanthin in Exercise Metabolism, Performance and Recovery: A Review. Front Nutr. 2018 Jan 18;4:76.
  7. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to astaxanthin and maintenance of joints, tendons, and connective tissue, protection of DNA, proteins and lipids from oxidative damage, maintenance of visual acuity, maintenance of blood cholesterol concentrations and maintenance of low plasma concentrations of C‐reactive protein, pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006)
  8. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to astaxanthin and protection of the skin from UV-induced damage, defence against Helicobacter pylori, contribution to normal spermatogenesis, contribution to normal muscle function, and “immune system”, pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006 | EFSA (europa.eu)
  9. Capelli, B. et al., Synthetic astaxanthin is significantly inferior to algal-based astaxanthin as an antioxidant and may not be suitable as a human nutraceutical supplement. Nutrafoods 12, 145–152 (2013).
  10. EFSA Panel on Nutrition, Novel foods and Food Allergens, Safety of astaxanthin for ist use as a novel food in food supplements,2019, doi: 10.2903/j.efsa.2020.5993
  11. Kistler A et al, Metabolism and CYP-inducer properties of astaxanthin in man and primary human hepatocytes. Arch Toxicol. 2002 Jan;75(11-12):665-75.
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