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Phytogramm

Schlüsselblume: Die Frühlingsbotin!

Die echte Schlüsselblume (Primula veris) kann aufgrund der belegten Wirksamkeit als traditionelles Heilmittel bestens empfohlen werden.

Momentan schlummert die robuste Echte Primel, auch Schlüsselblume genannt, unter der Schnee- oder Laubdecke. Aber die Tage werden wieder länger und bald können wir den Frühling mit ihrer schönen Blüte begrüßen. Zahlreiche Kräuterbücher des Mittelalters erwähnen Primula als Heilpflanze. Besonders beliebt war die Verwendung in Form eines Schlüsselblumenweins gegen Gicht. Die Volksmedizin empfiehlt die Pflanze als Antirheumatikum, zur Kräftigung der Herztätigkeit und als Mittel gegen Migräne und Schlaflosigkeit. Als hervorragendes Expektorans wird die Primel heute vor allem bei Bronchitiden und Erkältungserkrankungen eingesetzt.

Primulae flos cum calyce: Hauptinhaltsstoffe der Blütendroge sind bis zu 3 % Flavonoide, vorwiegend Quercetin- und Kämpferolglycoside, neben Spuren von ätherischem Öl und Pflanzensäuren (z.B. Rosmarinsäure). Saponine, vor allem Primulasäure, liegen in kleinen Mengen nur in den Kelchblättern vor.

Primulae radix: Die Primelwurzel gilt als Saponindroge. Sie enthält als Hauptinhaltsstoffgruppe bis zu 10 % Triterpensaponine vom pentazyklischen Oleanantyp mit verzweigten Zuckerketten. Bis 1,4 % enthaltene  Salicylsäureglycoside (z.B. Primverin) bilden bei der Trocknung Methylester, die auch den charakteristischen anisähnlichen
Geruch der Droge bedingen.

Die Saponine sind für die expektorierende Wirkung verantwortlich. Diese erfolgt wahrscheinlich primär durch eine Reizung der Schleimhaut und eine dadurch lokal oder reflektorisch über Parasympathikus ausgelöste Sekretolyse. Eine direkte Viskositätserniedrigung des Schleims über die Oberflächenaktivität der Saponine ist nicht relevant, da diese nicht intakt an der Schleimhaut der Bronchien ankommen.
Das Vorliegen von Salicylsäurederivaten in der Primelwurzel erklärt die antiphlogistische Wirkung und den volksmedizinischen Einsatz bei Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder Gicht.

Aufgrund der belegten Wirksamkeit als traditionelles Heilmittel können wir Primulae radix und Primulae flos cum calyce bestens empfehlen. Sowohl als Teezubereitung, lieber aber in konzentrierten Zubereitungen bei Erkältungserkrankungen mit zähflüssigem Schleim und akuten wie chronischen Bronchitiden ist die Schlüsselblume
ein äußerst effektives Expektorans.
Fertigpräparate gibt es in allen erdenklichen galenischen Formen, damit wir jeden Patienten erfolgreich versorgen können. Bei empfohlener Dosierung ist die Anwendung nebenwirkungsfrei. Ein Hinweis für Pflanzensammler und Selbstversorger: Sammlung der Blüten ist erlaubt, das Ausgraben der Wurzel ist für beide Stammpflanzen in Österreich nicht erlaubt, da es sich um geschützte Arten handelt. Allen zum Wohl, auf ein schleimloses 2018!

RP/Primelwurzeltee
Primulae radix 0,5 g (= 1 Messerspitze) grob gepulvert mit 150 ml kaltem Wasser
ansetzen, zum Sieden erhitzen,
10 min ziehen lassen
TD: 1,5 g Droge (≈ 1/2 TL)

Steckbrief

Familie:

Primulaceae

Stammpflanzen:

Primula veris L. und Primula elatior L. (Waldschlüsselblume)

Verwendete Pflanzenteile

getrocknete ganze Blüten mit Kelch (Primulae flos cum calyce), Wurzel (radix)

Herkunft:

Europa über Kaukasus bis zum Iran, nördlich nur bis zum ca. 60. Breitengrad

Anwendungsgebiete:

Expectorans (HMPC; Kommision E, ESCOP nur für Primulae radix), volksmedizinisch als beruhigendes Mittel, leicht analgetisch, bei Kreislaufschwäche. Zugelassene Arzneimittel bei Erkältungserkrankungen mit zähflüssigem Schleim.

Produktbeispiele

  • Heumann Bronchialtee Solubifix®
  • Sinupret®-Familie
  • Bronchipret® Filmtabletten (6–7:1), Bronchicum® Tropfen (5:1) Deutschland
  • Cardiodoron® Tropfen Weleda
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