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Anregende Arznei mit göttlichem Duft!

In der Antike der Göttin Venus geweiht, verleiht Rosmarin mit seinem betörenden Duft mediterranen Küsten sein charakteristisches Flair. Ob in Frankreich, Portugal oder Tunesien, die rituelle und arzneiliche Verwendung der Rosmarinblätter ist im Mittelmeerraum verankert. Als robuster Strauch konnte der immergrüne Rosmarin dank Karl dem Großen in Topfkultur auch in Mitteleuropa Fuß fassen. Konservierend, geschmacksgebend und als anregendes Heilkraut ist Rosmarinus officinalis (L.) seit dem Mittelalter etabliert.
Kneipps Empfehlung legitimierte den Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden, Kreislaufschwäche und als Rheumamittel. In der heutigen Phytotherapie ist Rosmarin ein anerkanntes Therapeutikum mit abgesicherten Qualitätsstandards.

Inhaltsstoffe: Wirksamkeitsbestimmend ist das ätherische Öl des Rosmarinblatts. Bis zu 2,5 Prozent sind in der Droge nachweisbar. Hauptkomponenten sind Monoterpene, deren Zusammensetzung je nach Herkunftsgebiet variiert. In europäischen Sorten dominieren Cineol, Campher und α-Pinen mit je ca. 20 Prozent. Nordafrikanische Sorten zeigen bis zu 55 Prozent Cineolanteil im ätherischen Öl (ÄÖ).
Das Blattextrakt enthält bis zu drei Prozent Lamiaceaegerbstoffe, vorwiegend Kaffeesäurederivate (z.B. Rosmarinsäure). Die Gerb-stoffe sind für die choleretische Wirkung des Rosmarins verantwortlich. Flavonoide und organische Säuren (Carnosolsäure) sind enthalten. Letztere und die Abbauprodukte Carnosol und Rosmanol sind wesentlich an der antibakteriellen Wirkung des Rosmarins beteiligt und bestätigen den traditionellen Gebrauch von Rosmarin als Konservierungsmittel fetter Speisen.1
Ethanolische Extrakte des Rosmarins zeigen in vitro und in vivo spasmolytische Wirkung, die über Aktivität der Inhaltsstoffe an zellulären Kalziumkanälen die krampflösende Wirkung bei dyspeptischen Beschwerden erklärt.2,3 Hepatoprotektive und choleretische Wirkungen wurden ebenfalls nachgewiesen. Positive Ergebnisse liefern Studien, wonach Extrakte antiviral gegen Herpes-­simplex-Viren Typ-2 wirken.4

Praktische Anwendung: Als Therapeutikum wird Rosmarin aufgrund seiner spasmolytischen Wirkung in Form von Tees zur Linderung leichter Darmbeschwerden empfohlen. Als Teezubereitung zweimal täglich 1 TL (= 2 g), ev. auch das reine ätherische Öl (max. 20 Tr./Tag) wirkt bei Verdauungsstörungen wie Blähungen, Appe­tit­losigkeit und zur Steigerung der Magensaftsekretion.
Äußerlich können wir Präparate oder Zubereitungen als Bäder, Fluids oder Salben bei rheumatischen Beschwerden, Gelenks- und Muskelschmerzen im Rahmen von Erkältungserkrankungen sowie nach körperlicher Belastung empfehlen. Bei topischer Anwendung erfolgt die kreislauftonisierende Wirkung reflektorisch über Haut­reizung und Hyperämisierung. Vermehrte Durchblutung fördert den Abtransport gewebsschädigender Stoffe im entzündeten Areal.
Im Rahmen der Aromatherapie sind Bäder und Körperemulsionen mit Rosmarini aetheroleum unterstützend zur Kreislaufstabilisierung im Einsatz.

CAVE: Rosmarin kann bei übermäßigem Genuss zur Reizung der Magenschleimhaut führen, äußerlich nicht auf geschädigte Haut und nur verdünnt auftragen. Wer auf Tradition steht, kann natürlich das rosmarinhaltige Kölnisch Wasser auf die Schläfen tupfen!

Quellen:
1 Food Chem 2011: 171–74
2 J Ethnopharm 2011: 1528–32
3 Planta Med 1988: 389–92
4 Mitt. Geb. Lebensm. Hyg. 1989: 113–9

Muskelentspannendes Bad

Rosmarini folium 50,0 g
Aqua fontis cal. 1000 g
DS: Zubereitung für 1 Vollbad, 10 min ziehen lassen, dem Badewasser beifügen

Steckbrief

Stammpflanze

Rosmarinus officinalis L.

Familie:

Lamiaceae

Herkunft:

nördliches und südliches Mittelmeergebiet

Verwendete Pflanzenteile:

reine Blattdroge, vorwiegend aus Wildsammlung

Monographien:

Ph. Eur. 8.0, HMPC und WHO (Rosmarinblätter und Rosmarinöl), ESCOP

Anwendungsbereiche:

Innerlich: dyspeptische Beschwerden, leichte krampfartige Verdauungsbeschwerden, zur Verbesserung der Leberfunktion
Äußerlich: Badezusatz, Salbeneinreibung gegen leichte Muskel- und Gelenkschmerzen, bei rheumatischen Erkrankungen, Antiseptikum, Kreislaufbeschwerden

Produktbeispiele

  • Rosacta® Creme
  • Rowalind® Einreibung
  • Primavera® Rosmarin Cineol bio
  • Tetesept® Muskel Vital Bad
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