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Phytogramm

Dorniger Profit für die Blase

Hauhechelwurzel (Ononidis radix) durchspült die Blase und fördert den Stoffwechsel. Angesichts der kommenden Feiertage sollte er daher im Auge behalten werden.

Es ist kein einfaches Unterfangen, an diesen Arzneischatz zu gelangen! Zumal der Strauch des Hauhechels mit spitzen Stacheln besetzt ist und die begehrte Pfahlwurzel weit in den Boden reicht. Aber es lohnt sich. Bereits Dioskurides empfahl die gekochte Wurzel als harntreibende Arznei. In der Volksmedizin wird Ononidis radix als harntreibendes Mittel bei Nierensteinen sowie bei Gicht und rheumatischen Beschwerden eingesetzt.

Inhaltsstoffe der Hauhechelwurzel sind neben geringen Mengen ätherischen Öls Isoflavone des Formononetintyps (Ononin), Genistein und Biochanin A. Medicarpin, ein Pterocarpanderivat, Triterpene und Sterole wurden identifiziert. Ein wirksamkeitsbestimmender Komplex zur diuretischen Wirkung konnte bisher nicht definiert werden. Untersuchungen an Extrakten der Wurzel ergaben in vitro deutliche Nachweise über die antioxidative Wirkung von Ononidis radix, wobei lipophile Extrakte der Wurzel höheres Radikalfängerpotenzial als ethanolische Extrakte mit Polyphenolkomponenten aufwiesen.1 Für Genistein wurde eine salidiuretische Wirkung ähnlich Furosemid nachgewiesen. Medicarpin zeigt deutlich selektive Hemmung der von Leukozyten expremierten 5-Lipoxygenase und reduziert somit die Umbildung der Arachidonsäure zu Leukotrienen, die im menschlichen Körper wesentlich zur Aufrechterhaltung chronisch entzündlicher Prozesse wie Asthma oder Atherosklerose verantwortlich sind.2

Wir als Pharmazeuten können Ononidis radix als mildes Diuretikum zur Durchspülung der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Sedimentbildung mit gutem Wissen empfehlen. Die Qualität ist durchs Arzneibuch gesichert, die Verwendung im Rahmen der Tagesdosis von bis zu 12 g Droge frei von Nebenwirkungen. Als Teezubereitung eignet sich der Ansatz der geschnittenen Hauhechelwurzel mit je einem schwachen Teelöffel (~2,5 g) pro Tasse viermal täglich. Die Droge wird mit kochendem Wasser aufgegossen und nach 30 min abgeseiht.

Die Hauptanwendung von Hauhechel erfolgt in Form von Kombinationspräparaten. Teemischungen (Species diureticae) und Kapseln sind in geprüfter standardisierter Form am Markt. Qualitätsmerkmal zur Wirksamkeit ist ein Bestandteil von mindestens einem Drittel an Ononidis radix im Verhältnis zu anderen Extrakten. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr
während der Therapie ist zu achten, um den Durchspülungseffekt zu gewährleisten. In geringerer Dosierung ist Hauhechelwurzel durch seine stoffwechselfördernde Wirkung auch in Detox-Tees einsetzbar. Am besten sind natürlich apothekeneigene Mischungen individuell für den Patienten zusammengestellt. Besonders zu den kommenden Feiertagen!

1 Antal D.S. Tom. XVII / 1, 2010: 14–22
2 Dannhart G. et al. Pharm. Pharmacol. Lett. 1992: 161–2

Steckbrief

Familie:

Fabaceae

Stammpflanze:

Ononis spinosa L.

Verwendete Pflanzenteile:

getrocknete Wurzel zerkleinert

Herkunft:

heimisch in Europa (im Norden selten), Nordafrika bis Westasien; Droge aus Wildsammlung in Südosteuropa

Anwendungsbereiche:

Aquaretikum, zur Durchspülung bei bakteriellen Infekten der ableitenden Harnwege, zur Erhöhung der Harnmenge bei Nierengrieß akut und vorbeugend

Monographien:

Ph. Eur. 8.2., HMPC, ESCOP, Kommission E

Produktbeispiele

  • Biofax® Kapseln (je 1/3 Hauhechel-, Birken-, Bohnenschalenextrakt)
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