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Phytogramm

Delikat und leberfreundlich!

Artischockenblätter (Cynarae folium) zählen nicht nur zu den edlen Gemüsesorten, sie sind auch sehr gesund.

Aus dem afrikanischen und arabischen Raum kommend hat sich die Urform der Artischocke (Cynara cardunculus) in den Mittelmeerländern im 15. Jahrhundert als Gemüse- und Heilpflanze eingebürgert. Heute kultivieren wir Cynara scolymus auch in nördlicheren Breiten und diese Distel hat sich ihren Platz als exklusive Speisepflanze und wertvolles Heilmittel gesichert. In der Volksmedizin gilt Artischockenextrakt seit jeher als potentes Gallenmittel und Diuretikum.

Wirksamkeitsbestimmend ist der gesamte Inhaltsstoffkomplex. Um hohe Extraktgehalte zu erzeugen, ist die Heißwasserextraktion von Blättern frischer Blütenköpfe essenziell. Die Arzneiartischocke enthält rund 0,6 % Derivate von Mono- und Dicaffeoylchinasäuren, vor allem Chlorogensäure und Cynarin, ein Produkt das durch Umesterung bei Heißwasserextraktion entsteht. Weitere Bestandteile sind Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe mit der Hauptkomponente Cynaropikrin mit einem Bitterwert von 400.000 und bis zu 0,7 % Flavono­ide. Die Flavonoidfraktion besteht hauptsächlich aus Luteolin- und Apigeninglycosiden. Im Arzneibuch ist das Extrakt aus Cynarae folium auf mindestens 0,8 % Chlorogensäure standardisiert.

Um die volksmedizinische Verwendung des Artischockenex­trakts als Cholereticum zu bestätigen, wurden zahlreiche In-vitro-­Studien an Leberzellsystemen durchgeführt. Die Ergebnisse mit standardisiertem Extrakt (DEV 4-5:1) zeigten antioxidativen und zytoprotektiven Effekt bereits in geringen Konzentrationen.1 Die Inhaltsstoffe Cynarosid und Luteolin hemmen die Cholesterin­biosynthese. Im Tierexperiment wurde erhöhte Gallensekretion und auch die postprandiale Senkung des Blutzuckerspiegels durch Hemmung der α-Amylase nach­gewiesen.2,3
Grund genug, um unseren Patienten Artischockenextrakt ans Herz bzw. die Galle zu legen. Als Tagesdosis für eine zweimonatige Kurbehandlung sind 600 mg des standardisierten Extrakts mit Einnahme vor den Hauptmahlzeiten empfohlen. Es erfolgt eine Senkung des Gesamtcholesterins und die Verbesserung des LDL/HDL-­Quotienten. Dyspeptische Beschwerden wie Blähbauch, Druck im Oberbauch und Blähungen, die manchmal bei beginnender Fettleber und ungesunder Ernährung auftreten, können mit einer Artischocken-Kur gemildert werden. Die Lebensqualität verbessert sich drastisch. Natürlich bitte immer parallel eine Ernährungsberatung durchführen! Wer ernährungstechnisch über die Stränge schlägt, kann prophylaktisch drei Tage mit je 600 mg Extrakt vorbeugen!

CAVE: Korbblütlerallergie, Antikoagulanzien vom Cumarintyp werden verstärkt.

1 Gebhardt R et al., Z. Allg. Med. 1996: 20–3
2 Gebhardt R et al., L. Pharmacol. Exp. Ther. 1998: 1112–28
3 Melzig MF et al. Z., Phytother. 2010: 236–40

Steckbrief

Familie:

Asteraceae

Stammpflanze:

Cynara cardunculus L. ssp. flavescens (syn. Cynara scolymus L.)

Herkunft:

Afrika, Arzneidroge vorwiegend aus Deutschland, Frankreich und Südeuropa

Verwendetes Pflanzenmaterial:

ausschließlich Frischpflanzenmaterial

Monographien:

Ph. Eur., HMPC, ESCOP, BfARM Zulassung, Kommission E

Anwendungsgebiete:

Cholereticum, Verdauungsstörungen wie Völlegefühl, Blähungen, Magenschmerzen, funktionelle Störungen des ableitenden
Gallensystems, leichte Hyperlipidämie

Produktbeispiele

  • Hafesan® Artischocke 250 mg
  • Artischocke Dr. Böhm® 450 mg (DEV 30:1)
  • Cynarix forte Drg. 600 mg (DEV 4–6:1)
  • Cynarix liquid 5 ml = 1 TL = 200 mg Trocken- extrakt (DEV 4–6:1)
  • Legamed® Kaps. 500 mg Artischockenextrakt + 250 mg Mariendistelextr. entspr. 50 mg Cynarin und 200 mg Silymarin
  • Schoenenberger® Saft Artischocke
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