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Phytogramm

Ehre, wem Ehre gebührt!

Ehrenpreiskraut (Veronicae herba) ist nicht nur optisch ein Genuss, auch seine Inhaltsstoffe können sich sehen lassen.

Zarte himmelblaue Blüten zeigt uns der Ehrenpreis vom Frühling bis in den Sommer auf Wiesen und an Hecken und Waldrändern. Weltweit existieren an die 400 Arten der Gattung Veronica. Bekannteste Vertreter in unseren Breiten sind der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis L.) und der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys L.). Ihr Aussehen und Inhaltsstoffspektrum ist ähnlich, womit Verwechslungen möglich, aber nicht gravierend sind. Augenfälligstes Unterscheidungsmerkmal ist die zweizeilige Behaarung der Stängel beim Gamander-Ehrenpreis, beim Echten läuft sie rundum.

Die Verwendung des Ehrenpreis als Heilkraut hat lange Tradition und ist in allen gängigen medi­zinisch-botanischen Kräuterbüchern des Mittelalters dokumentiert. Veronicae herba kam bei Husten und anderen entzündlichen Atemwegserkrankungen sowohl als Expectorans als auch aufgrund seiner antiphlogistischen Wirkung zum Einsatz. Die Volksmedizin verwendet Ehrenpreis als beliebtes Wundreinigungsmittel. In der Wildkräuterküche werden die jungen Triebspitzen mit Blüten für Salate und zur Speisen-
dekoration sehr geschätzt.

Hauptinhaltsstoffe der Droge bilden bis zu 1 % Iridoidglycoside, davon sind Catalpol, Veronicosid und Mussaenosid die bekanntesten Vertreter. Iridoidglycoside sind als Leitstoffe in der analytischen Phytochemie von Bedeutung, da Iridoidmuster artspezifisch sind und sowohl zur Identitäts- als auch zur Qualitätsprüfung einer Heilpflanze herangezogen werden können.
Die Studienlage zur pharmakologischen Wirkung von Iridoiden ist gering und die Bestätigung der volksmedizinischen Verwendung schwierig. Neuerdings gibt es Hinweise, die eine antiphlogistische, antibakterielle und hepatoprotektive Wirkung für diese Inhaltsstoffe nachweisen.1 Diese Effekte sind jedoch nicht den intakten Iridoid-
glycosiden, sondern den entsprechenden durch Enzymeinwirkung entstandenen Aglyca zuzuordnen. Dies korreliert mit pharmakokinetischen Untersuchungen, die eine enzymatische Spaltung von Iridoidglycosiden durch Mikroorganismen der Darmflora bestätigen. Wichtig für die Wirkung ist der gesamte Inhaltsstoffkomplex. Flavonoide, vorwiegend Luteolinglycoside, Gerb-stoffe, Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure) und Triter­penderivate wurden nach­gewiesen. Hoffen wir auf weiterfolgende Untersuchungen!

Hustenteemischungen. Positive Monographien gibt es noch keine, es spricht aber nichts gegen eine volksmedizinische Anwendung von Ehrenpreiskraut. Teezubereitungen zeigen keine Nebenwirkungen und wir können unseren Patienten Veronicae herba solo oder als Komponente von expektorierend wirkenden Hustenteemischungen empfehlen. Die Teezubereitung für Veronicae herba erfolgt für je 1,5 g (= 1 ½ Teelöffel) Kraut pro Tasse heißem Wasser, in klassisch abgedeckter Form mit 10 min Ziehzeit. Bei Verletzungen oder Insekten­stichen in freier Natur bringen Quetsch­auflagen des Frischkrauts Erfolge. Ehrenpreis muss sich nicht verstecken! Lassen wir uns Altes neu entdecken.

1 Gründemann C et al., J Ethnopharmacol 2013; 118–26

Steckbrief

Familie:

Plantaginaceae

Stammpflanze:

Veronica officinalis L. (Echter oder Wald-Ehrenpreis)

Verwendete Pflanzenteile:

klassische Krautdroge aus allen oberirdischen Teilen

Herkunft:

Weg- und Waldränder lichter Wälder Europas auch in Gebirgslagen bis 2000 m

Anwendungsgebiete:

volksmedizinisch bei akuten und chronischen Lungenerkrankungen, entzündlichen inneren Erkrankungen, Wundheilmittel

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