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Digitalisierung kostet Geld: Verband will mehr Unterstützung

Die Margen sinken, gleichzeitig muss in die geforderte Digitalisierung investiert werden. Der Österreichische Apothekerverband fordert daher finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand bzw. der Sozialversicherung. (Pharmaceutical Tribune 5/19)

E-Medikation, Umsetzung der EU-Fälschungsrichtlinie und demnächst das E-Rezept – die Digitalisierungswelle hält Österreichs Apotheken auf Trab. Und sie sorgt für Mehraufwand und zusätzliche Kosten, wie Mag. Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, betont. Gleichzeitig schwinden die Margen in Form der durchschnittlichen Krankenkassenspannen. Rehak fordert deshalb von der öffentlichen Hand bzw. den Sozialversicherungsträgern finanzielle Unterstützung, um die Investitionen im Zusammenhang mit der Digitalisierung abfedern zu können.

Kostenfalle Digitalisierung

Rehak: „Wir sehen uns angesichts der Entwicklung im Markt nicht in der Lage, diese Kosten zu stemmen.“

Das Tempo, mit der die Digitalisierung die Apotheken vorantreibt, hat es in sich: Im Februar 2018 wurde mit dem Ausrollen der E-Medikation begonnen, diese soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Um die E-Medikation einführen zu können, mussten die Apotheken in die Software investieren. Es gab zwar einen Zuschuss vom Gesundheitsministerium und der Sozialversicherung für die Einführung der Software, für den Betrieb selbst allerdings nicht, hält Rehak fest. Am 9. Februar dieses Jahres, knapp ein Jahr später, wurde die sogenannte EU-Fälschungsrichtlinie umgesetzt, die wiederum Kosten bei der Software-Einführung nach sich zieht.

Die ersten praktischen Erfahrungen zeigen, dass es immer wieder zu Problemen mit unvollständigen Daten kommt. Rehak schildert: „Am 9. Februar sind wir gestartet und in der ersten Stunde hatten wir 400 Fehlermeldungen. Von diesen 400 Meldungen waren zwei auf die Apothekensoftware zurückzuführen und die anderen zu nahezu 100 Prozent auf fehlerhafte Daten der Industrie.“ Der nächste Digitalisierungsschritt steht bereits im Jahr 2020 an. Dann soll das E-Rezept in einem Pilotversuch starten und bis 2022 über ganz Österreich ausgerollt werden, was wiederum Kosten nach sich ziehen wird. „Wir sehen uns angesichts der Entwicklung im Markt nicht in der Lage, diese Kosten zu stemmen“, meint der Präsident des Apothekerverbandes.

Spannen auf Rekordtief

Wie stark die Erträge, aus denen die Kosten für Personal, Mieten, Versicherungen getragen werden müssen, zurückgegangen sind, schildert Mag. Wolfgang Trattner von der Wirtschaftsabteilung des Apothekerverbandes. Die Margen in Form der durchschnittlichen Krankenkassenspannen lagen 2014 noch bei 16,36 Prozent, 2018 sind sie auf den historischen Tiefstand von 14,54 Prozent gefallen. Zwar stieg der Krankenkassenumsatz 2018 um 2,9 Prozent auf 2,876 Milliarden Euro, weil aber die Krankenkassenspanne zurückgegangen ist, blieb den Apotheken am Ende weniger Geld in der Kasse.

Das zeigt eine einfache Rechnung: Bei einem Umsatz von 2,797 Milliarden Euro und einer durchschnittlichen Krankenkassenspanne von 14,98 Prozent im Jahr 2017 blieben 418,99 Millionen in den Kassen. Verwendet man die gleichen Zahlen für 2018, so bleiben am Ende nur mehr 418,17 Millionen Euro übrig. Gleichzeitig sind aber die Kosten für Personal, Mieten, Versicherungen etc. weiter gestiegen (siehe dazu auch Grafik). Zur Entwicklung in den Jahren von 2013 bis 2018 meint Trattner: „Das System (die Krankenkassen, Anm.) wird mit einer Ausgabensteigerung von 23 Prozent belastet, bei den Apotheken selbst bleibt – wenn man den Wareneinsatz zum Abzug bringt – nur ein Vergütungsanstieg von fünf Prozent.“ Bei den Privatumsätzen (OTC) gab es in den letzten Jahren zwar Umsatzzuwächse, von 2017 auf 2018 stieg der Umsatz um 2,7 Prozent, doch diese Zuwächse reichen laut Trattner nicht aus, um den Druck, den die Apotheker im Kassenbereich spüren, komplett wegzunehmen.

Rehak: „Die Zahlen sprechen für sich. Bei einer Marge von 14,5 Prozent im Krankenkassenbereich, und das sind immerhin zwei Drittel des gesamten Umsatzes, und bei einer Kostenstruktur, die z.B. allein bei den Personalkosten irgendwo bei 12,13 oder 14 Prozent liegen, sieht man, dass der Krankenkassenbereich durch den Privatumsatz querfinanziert wird.“ Dabei steht die Branche unter einem doppelten Druck, wie es von Seiten des Verbandes heißt. Einerseits wandern im OTC-Bereich Gelder via Online-Verkauf ins benachbarte Ausland, andererseits führen die Eingriffe in die Preisstruktur wie die gesetzlich verankerte Preisbremse bei Arzneimitteln zu Umsatz- und Ertragsverlusten.

Zuschüsse gefordert

Deshalb die Forderung von Rehak im Zusammenhang mit weiteren Digitalisierungsschritten: „Wir erwarten uns hier konkret, nicht nur Unterstützung, sondern eine Kostenübernahme durch die öffentliche Hand und durch die Sozialversicherungen. Wir haben Schritte gesetzt, die wir auch gut und richtig finden, aber wir können das alleine nicht mehr tragen. Nicht angesichts der Entwicklung der Erträge für die Apotheke.“ Und weiter: „Wenn das nicht finanziert werden kann, weil das Gesundheitssystem sagt, wir haben die Finanzmittel nicht dazu“, dann gäbe es auch andere Möglichkeiten der Entlastung.

„Eine davon wäre, wenn es uns erlaubt würde, insbesondere im Bereich der Nachtdienste, effizientere und ökonomischere Modelle vorstellen zu dürfen.“ Rehaks Überlegungen, in deren Zusammenhang er unter anderem meinte, dass es aus seiner Sicht nicht unbedingt notwendig sei, dass im Wiener Stadtgebiet 50 Apotheken die ganze Nacht über Dienst haben, führten in tagesaktuellen Medien zu Schlagzeilen wie „Apothekerverband will Wiener Nachtapotheken drastisch reduzieren.“ Schlagzeilen wie diese riefen die Wiener Apothekerkammer auf den Plan. In einer Aussendung stellte die Kammer klar, dass es zu keiner Reduktion kommen wird.

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