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Hohe Skepsis bei Generika

Seit 25 Jahren gibt es in Österreich Generika. Trotzdem sind Ärzte und Apotheker nach wie vor nicht vollständig von ihrer Gleichwertigkeit gegenüber dem Originalprodukt überzeugt.

Mursch-Edlmayr: „Apotheker glauben nicht so leicht, was man ihnen sagt.“
Andiel: „Wir haben praktisch die gleichen Qualitätsdaten vorzulegen wie das Original­produkt.“

„Im patentfreien Segment ist die Hälfte der Verordnungen bereits generisch“, erklärte Dr. Wolfgang Andiel, Präsident des Generikaverbandes, anlässlich einer Pressekonferenz, „Jedes weitere Prozent spart aus Sicht der Sozialversicherungen 10 Millionen Euro ein, die dann in andere Therapien investiert werden kann.“ Trotz des enormen Sparpotenzials sind Ärzte und Apotheker, auch 25 Jahre nach der Aufnahme von Generika ins Österreichische Arzneimittelgesetz, nicht vollständig von der Gleichwertigkeit von Generika und Originalmedikamenten überzeugt. So zeigte eine Befragung von 101 Allgemeinmedizinern (Kassenärzte) und 50 Apothekern, dass bei beiden Berufsgruppen nach wie vor Skepsis besteht, was die Gleichwertigkeit von Generika und Originalpräparaten betrifft. Einigkeit herrscht hingegen beim Einsparungspotenzial durch Generika. „Hier sagt auch ein Großteil der befragten Ärzte und Apotheker, man sollte Generika in Hinblick auf eine nachhaltige Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems fördern“, berichtete Dr. Walter Wintersberger vom Marktforschungsinstitut Spectra.
Der Hauptvorteil der Generika ist aus Sicht der Ärzte und Apotheker der effiziente Mitteleinsatz und damit einhergehend das große Einsparungspotenzial für das Gesundheitssystem. Für Generika sprechen laut Umfrage weiters, dass es sich dabei um langjährig bewährte Wirkstoffe handelt sowie der breitere Zugang für Patienten zu wichtigen Medikamenten. 93 Prozent der befragten Ärzte und 72 Prozent der Apotheker befürworteten den verstärkten Generika-Einsatz im Hinblick auf eine nachhaltige Finanzierbarkeit der Arzneimittel-­Therapie.

Hohe Skepsis
Ein wunder Punkt für den Generikaverband ist die Wahrnehmung der Gleichwertigkeit von Generika und Originalpräparaten. So zeigten sich in der Umfrage nur 73 Prozent der Ärzte und 62 Prozent der Apotheker davon überzeugt, dass Generika mit dem Originalprodukt hinsichtlich Qualität und Wirksamkeit gleich gut sind. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ein Viertel der Ärzte und ein Drittel der Apotheker noch immer eine mehr oder weniger große Skepsis gegenüber Generika zeigen.
Die Skepsis der Apotheker begründete Kammerpräsidentin Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr anlässlich einer Podiumsdiskussion zum Thema Generika damit, dass sich die Frage nach der Gleichwertigkeit bei akut kranken oder neu eingestellten Patienten für Apotheker nicht stellt. Mursch-Edlmayr: „Es ist ein Thema bei chronisch kranken Patienten.“ Apotheker seien in puncto Chemie und Laborarbeit sehr gut ausgebildet und „glauben daher nicht so leicht wie andere Branchen, was man ihnen sagt, sondern haben mehr Fragen und brauchen mehr Antworten“. Gleichzeitig erfordern Generika in der Apotheke einen ungleich großen Aufwand, was die Aufklärung und Beratung der Patienten betrifft, da diese oft von ihrem über jahrelang gewohnten Medikament auf ein anders aussehendes und anders verpacktes Generikum umgestellt werden.
Die Frage, warum Ärzte bei der Gleichwertigkeit skeptisch sind, beantwortete Andiel selbst: „Im Studium kommt das Thema (Generika, Anm.) nicht vor und später im Krankenhaus spielt es auch keine Rolle, denn da sind die jungen Ärzte nicht therapieentscheidend. In späterer Folge ist das für das Krankenhaus kein Thema, denn da wird das verordnet oder verabreicht, was im Krankenhaus auf der Hausliste drauf ist.“ Aufklärungsbedarf herrscht bei den Ärzten vor allem, was das Konzept der Bioäquivalenz betrifft oder wie das Qualitätsdossier auszusehen hat, „dass wir praktisch die gleichen Qualitätsdaten vorzulegen haben wie das Originalprodukt“, so Andiel.

In der Preisfalle
Ein Problem ist, dass es immer weniger Wirkstoffhersteller gibt. So weichen immer mehr Firmen aus Kostengründen auf Wirkstoffhersteller in Asien oder Indien aus. Wenn es dort dann Probleme gibt, kann es sehr rasch zu Versorgungsengpässen kommen. Andiel: „Ich kann nicht erwarten, dass ich im Krankenhaus ein Sterilantibiotikum pro Dosis um einen Euro kostendeckend anbieten kann. Das funktioniert nicht. Und im niedergelassenen Sektor ist es zum Teil noch schlimmer, denn im Herz-­Kreislauf-Bereich kostet die Ta­blette bei uns 11 Cent. Das funk­tioniert einfach nicht.“ Andiel warnte: „Wenn die Preise noch weiter heruntergehen, werden verschiedene Produkte vom Markt verschwinden.“
Der niedrige Preis ist auch sehr eng mit dem Image der Generika bei den Patienten verbunden. Mursch-Edlmayr: „Es gibt in Österreich flächendeckend 1-Euro-­Shops, die auch für eine gewisse Qualität stehen. Und dann gibt es Arzneimittel, die 50 Cent bis 2,5 Euro kosten. Das kann man einem Patienten schwer vermitteln, dass das alles gleichwertig ist. Das ist einfach in den Köpfen anders abgespeichert.“
Die durchschnittliche Preisdifferenz zwischen Generika und Original beträgt derzeit in Österreich im Schnitt 4,21 Euro. Andiel: „Es zahlt sich also schon aus, Generika zu verschreiben.“

Die Befürchtungen (Angaben in Prozent) Ärzte Apotheker
Zweifel an Gleichwertigkeit 24 36
Mögliche Qualitätsprobleme 16 14
Bedenken bei Wirksamkeit 8 4
Zweifel wegen Verträglichkeit 5 4
Wie gut das Mittel vom Körper aufgenommen wird 5

 

Fakten zum Thema Generika

  • Generika senken die Behandlungskosten um 65 Prozent.
  • Die Hälfte aller Verordnungen im patentfreien Markt sind Generika, jedes weitere Prozent spart 10 Mio. Euro für andere Therapien.
  • Nachfolgepräparate stehen für praktisch alle Indikationsgebiete zur Verfügung. 48 Prozent aller Verordnungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bereits Generika.
  • Der Generikaanteil am Pharma-Gesamtmarkt (niedergelassener Markt exkl. Krankenhaus) betrug 2018 in Bezug auf Packungen 39 Prozent und in Bezug auf Umsatz 18 Prozent.
  • 285 Millionen Generika-Packungen werden jährlich in Österreich produziert und davon über 90 Prozent exportiert.
  • Fast 90 Millionen verkaufte Arzneimittel-Packungen in Österreich sind Generika.
  • Die heimische Generika-Pro­duktion trägt 3,1 Mrd. Euro zum BIP bei.
  • 14.800 Arbeitsplätze sind auf die Produktions- und Handelsaktivitäten der Generikaunternehmen rückführbar.
  • 39 Prozent aller Verordnungen in Österreich sind Generika und verursachen 18 Prozent der Kosten.
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