Home / Politik / Zuviel Homöopathie: Kritik an Kindergesundheitswoche

Zuviel Homöopathie: Kritik an Kindergesundheitswoche

Zum fünften Mal fand heuer Anfang Mai die Kindergesundheitswoche statt. Kritik hagelte es vor allem für die unkritische Thematisierung der Homöopathie.

Das Projekt an und für sich klingt gut: Acht- bis 14-jährige Schulkinder werden drei Tage lang mit dem österreichischen Gesundheitssystem und einer Reihe an Maßnahmen zur Gesundheitspflege vertraut gemacht. Ziel ist die persönliche Gesundheitsförderung und Prävention für die heranwachsende Generation. Die rund 50 interaktiven Workshops werden für mehr als 1.800 Schüler kindgerecht aufbereitet und kostenlos angeboten. Die Liste der Mitwirkenden klingt wie das „Who is who“ des österreichischen Gesundheitswesens: vom Gesundheitsministerium über den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, die Österreichische Ärztekammer, die Österreichische Apothekerkammer, die Berufsrettung Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse ist alles dabei, was im österreichischen Gesundheitssystem Rang und Namen hat.
Doch gerade diese Offenheit scheint den Organisatoren nun zum Verhängnis zu werden. Denn bereits im Vorfeld wurde Kritik laut, weil im Programm auch Workshops zum Thema Homöopathie angeboten werden, allerdings über das Thema Impfen – angesichts der steigenden Masernfälle – im Rahmen der Workshops nicht diskutiert wird.

Streitpunkt Homöopathie

Als Erste meldete sich die Wiener Patientenanwältin Dr. Sigrid Pilz zu Wort. Sie kritisierte im Ö1-Morgenjournal den von der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) veranstalteten Workshop mit dem Titel „Die zauberhafte Welt der Homöopathie“. Laut Programm erfahren die Kinder dabei, „welch große Kraft in den kleinen, süßen Kugeln steckt“. Hier werde „völlig unkritisch eingeführt in die Welt der Globuli und Zuckerkügelchen“. „Ich finde es unerhört, dass hier so getan wird, als wäre die Homöopathie Medizin, und dass man Kinder damit indoktriniert“, wurde sie dem „Kurier“ gegenüber deutlich.
Dr. Volker Neubauer, Präsident der ÖGHM, stellte bei der Auftaktpressekonferenz klar: „Ich bin primär Arzt und nicht Homöopath.“ So seien Homöopathie und Impfungen kein Widerspruch, vielmehr könne man Nebenwirkungen von Impfungen mit homöopathischen Mitteln besser lindern. Neubauer: „Ich möchte dem Vorurteil, das
immer wieder durch die Medien geistert, entgegentreten, dass die Homöopathen Impfkritiker oder Impfgegner seien. Das stimmt nicht, wir sind Ärzte, wir schätzen natürlich auch die Vorteile der Schutzimpfungen und unterstützen auch den Österreichischen Impfplan und beraten unsere Patienten auch in diese Richtung.“
Ärztekammer-Präsident Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres meinte, dass Rötungen an der Einstichstelle „mit und ohne homöopathische Mittel“ vergehen würden. Szekeres: „Das Problem der Homöopathie ist, dass man nicht wirklich erklären kann, wie das Zeug wirkt.“ Er betonte, dass es der Ärztekammer wichtig ist, dass Schulmediziner Homöopathie anwenden und nicht selbsternannte Experten.

Thema Impfen

Angesprochen auf eine mögliche Impfpflicht gegen Masern, verwies Hauptverbands-Chef Dr. Alexander Biach auf die sinkende Durch­impfungsrate in Österreich. So habe man im Jahr 2016 bei den Kindern bis vier Jahre eine Masern-Durchimpfungsrate von 89 Prozent gehabt. Diese sei auf 84 Prozent gesunken. Biach: „Das ist ein Weckruf.“ Er bekannte sich daher zu einer Impfpflicht. Auch Ärztekammer-Präsident Szekeres betonte, dass sich die Ärzte für eine Impfpflicht für die vom Gesundheitsministerium empfohlenen Impfungen einsetzen würden.
„Ich glaube, dass wir uns mit diesen sinkenden Durchimpfungsraten ein bisschen ein Luxus­problem angezüchtet haben“, erklärte Priv.-Doz. Mag. DDr. Philipp Saiko, Präsident der Wiener Apothekerkammer. In vielen Teilen der Welt wären die Menschen sehr froh, so viele Impfstoffe und Pharmazeutika zur Verfügung zu haben wie in Österreich. Er verwies darauf, dass es Menschen gibt, die aus verschiedenen Gründen nicht geimpft werden können und die auf den Herdenschutz durch andere angewiesen seien. Sich angesichts dieser Tatsachen nicht impfen zu lassen, sei „fast schon egoistisch“.

Jetzt für unsere Newsletter anmelden!

In unseren Newslettern informieren wir Sie regelmäßig über Neuigkeiten aus der Welt der Medizin, neue Fortbildungen und fachspezifische Inhalte.

LOGIN

Login

Passwort vergessen?